Ultra-Longboard-Fahren: 250 Kilometer in 36 Stunden
00:43 Min.. Verfügbar bis 23.05.2027.
250 Kilometer in 36 Stunden - mit dem Longboard durch die Eifel
Stand:
Früher fuhren Güterzüge auf der Vennbahn. Heute ist die ehemalige Bahn-Strecke ein asphaltierter Radweg, der von Aachen bis nach Luxemburg führt. Eine junge Aachenerin organisiert dort ultralange Longboard-Ausfahrten. Fahrtzeit: 36 Stunden.
Leidenschaft Longboard
Lena Meringdal kann sich ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen: Longboards. Das sind etwa 80 Zentimeter bis 1 Meter lange, schmale Bretter mit Rädern, sie erinnern an längliche Skateboards. Auf ihnen kann die 24-jährige Aachenerin ganz entspannt lange Strecken zurücklegen: Die Hände sind frei, Meringdal kann sich in die Kurven legen. Vorwärts kommen Longboarder, indem sie sich abwechselnd mit dem Fuß auf dem Boden abstoßen oder durch Gleichgewichtsverlagerungen Schlängellinien fahren. Bergab können sie entspannt auf dem Brett stehen und sich rollen lassen.
250 Kilometer und 3600 Höhenmeter
Lena Meringdal organisiert ein Ultra-Longboard-Fahren auf dem Vennbahnweg. Mehr als 20 Teilnehmende aus 8 europäischen Ländern sind dabei. Sie kommen unter anderem aus Österreich, der Schweiz oder Großbritannien. Weil Meringdal in Aachen aufgewachsen ist und in den vergangenen Jahren schon etliche Kilometer mit ihrem Rollbrett auf der Strecke in der Eifel zurückgelegt hat, kennt sie hier jede Kurve und jede Steigung.
Lena Meringdal erzählt, wie sie auf die Idee der Ultra-Strecke kam
00:30 Min.. Verfügbar bis 23.05.2027.
Die Start- und Zielmarke ihres Ultra-Longboard-Fahrens ist auch der Anfang des ausgebauten Vennbahnweges in Aachen-Rothe Erde. Eine Stunde vor dem offiziellen Start treffen sich die Longboarder. Im Rucksack etliche Trinkwasserflaschen, Regenjacken und kleine Snacks für unterwegs. Auf den 250 Kilometern bis nach Luxemburg und zurück werden ordentlich Kalorien verbraucht. Auf ihren Fahrradhelmen haben die Longboarder Tröten, Hupen und Klingeln befestigt. Sie sind manchmal sogar schneller als Radfahrer und müssen auf sich aufmerksam machen.
Mit der Tröte machen Longboarder auf sich aufmerksam
Organisatorin Lena Meringdal hat für jeden Teilnehmer einen Tracker organisiert. Die kleinen GPS-Sender kleben sich die meisten auf ihre Fahrradhelme. So kann online immer der Standort verfolgt werden, was wichtig für die Zeitwertung ist. Sollte jemand aufgeben, kann das Begleitfahrzeug die Sportler an der Strecke aufsammeln. Viele Ultra-Longboarder kennen sich aus der Szene und sind wie eine Familie. Mal treffen sie sich zu Rennen in den USA, mal in Australien.
Long-Distance Weltrekordhalterin
Punkt 8 Uhr gibt Meringdal in Aachen das Startsignal. Schnell zieht sich das Feld der 20 Fahrer und Fahrerinnen auseinander. Die meiste Zeit werden die Longboarder allein in der Eifel unterwegs sein und sich erst wieder an den Checkpoints und "Refill-Stationen" entlang der Strecke wiedersehen. Dort stellen ihre Eltern, die mit ihrem VW-Bus das Rennen unterstützen, Getränke und Essen für die Longboarder bereit. Meringdal fährt heute im Tandem mit ihrer Freundin Viola Weinert.
Die Ultra-Longboarderinnen Lena Meringdal und Viola Weinert hinterlassen auf der Strecke einen "Wir waren hier"-Sticker
Lena Meringdal ist in der weltweiten Longboard-Szene ein Star. Die Aachenerin hat vor zehn Jahren ihre Liebe zu Longboards entdeckt und fing damals an, spezielle, eigene Rollbretter zu entwerfen. Haltbar und elastisch sollte das Holz sein - die Achsen der Räder robust und möglichst lange halten. Als Autodidaktin tüftelte sie in der Garage ihrer Eltern jahrelang an Prototypen herum. Mittlerweile sind ihre selbst hergestellten Longboard-Einzelstücke weltweit gefragt, Lieferzeit: mehrere Monate. Auch sportlich hat die Aachenerin eine Karriere hingelegt. Sie hat bei 6-Tage-Rennen mitgemacht und ist Weltrekordlerin in mehreren Long-Distance-Disziplinen. Als Vorstandsmitglied in einem internationalen Longboard-Verein setzt sich Meringdal dafür ein, Longboardfahren als olympische Disziplin anzuerkennen.
Rollen, rollen, rollen
Das stundenlange Longboardfahren macht die Beine müde. Immer wieder muss das Brett angeschoben werden, damit es in Schlängellinien vorankommt. Die frische Luft und herrliche Aussicht auf dem Vennbahnweg entschädigen dafür. Bei Temperaturen um 14 Grad Celsius, Sonnenschein und kleinen Regenschauern zwischendurch ist es abwechslungsreich für die Teilnehmer. Die Strecke führt von Aachen über Monschau durch Belgien. Umkehrpunkt ist der Ort Troisvierges in Luxemburg. Laut Organisatoren sind das exakt 250 Kilometer. Lena Meringdal und ihre Freundin Viola Weinert haben sich für ihr Ultra-Fahren Zeit genommen und sogar einige Stunden in der Nacht in einem Wartehäuschen an der Strecke geschlafen. Meringdal will sich nicht so verausgaben, da sie bereits in wenigen Wochen beim nächsten Long-Distance-Wettkampf in Australien mitrollen möchte.
Endlich geschafft: die Ankunft nach 250 Kilometern
00:38 Min.. Verfügbar bis 23.05.2027.
Lena Meringdal ist zufrieden: von den 20 in Aachen gestarteten Läufern haben es immerhin 17 Longboarder bis ins Ziel zurück in Aachen geschafft. Rekordhalter ist ein Niederländer, der nur 12 Stunden für die 250 Kilometer brauchte. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei mehr als 20 Stundenkilometern.
Nach dem Rollen ist vor dem Rollen
Bereits in anderthalb Wochen will Lena Meringdal ihre Verwandtschaft in Skandinavien besuchen, denn ihre Mutter ist Norwegerin. Auf einer Passstraße bei Trollstigen will die Aachenerin trainieren und ihre eigenen Longboards weiter testen. Sie will bei Steigungen von bis zu 17 Prozent ausprobieren, wie ihre Beine die extreme Belastung beim Anschieben des Longboards aushalten. Und eine Rückkehr zum Vennbahn-Ultra ist auch geplant, in einem halben Jahr soll es das nächste Rennen geben.