Vierfache Mutter bei Hapkido-Europameisterschaft
WDR. 02:40 Min.. Verfügbar bis 07.06.2028.
Blitzschnell prasseln die Schläge von Nina Schröter gegen den Kopfschutz, Handschuhe und Körper ihrer Gegnerin. Es ist der letzte Trainingskampf vor dem nächsten großen Auftritt der 50-jährigen Aachenerin. Vor zwei Jahren wurde sie in Wittenberg Europameisterin im Hapkido. "Damit hatte ich damals überhaupt nicht gerechnet", erinnert sich Nina Schröter.
Denn damals nahm sie nach nur drei Jahren Training zum ersten Mal an einer EM teil und holte sich sofort den Titel bei den Frauen ihrer Gewichtsklasse in der Disziplin Kampf. "Dazu muss man aber auch wissen, dass in unserer Sportart nicht so viele Frauen mitmachen", relativiert sie den Erfolg. Jetzt gilt es, den Titel bei der EM in ihrer Heimatstadt zu verteidigen.
Mit 48 Jahren zum Erfolg
Das Besondere ihres Erfolgs war aber auch, dass Schröter damals schon 48 Jahre alt war. Zum Hapkido war sie durch ihre Kinder gekommen, die sie zunächst immer nur zum Training bei der DJK FV Haaren begleitet hatte. "Und irgendwann habe ich dann selbst mal Lust bekommen mitzutrainieren", erzählt sie.
Sohn Jonas ist inzwischen 19 Jahre alt. Er wurde vor zwei Jahren sogar zweifacher Europameister bei den Jugendlichen, allerdings nicht im Kampf, sondern in zwei anderen Disziplinen. Darunter im Weitsprung, wo es darum geht, per Hechtrolle möglichst weit zu kommen.
Selbstverteidigung im Vordergrund
Hapkido stammt aus Korea. Eine Kampfkunst, die vom japanischen Jiu-Jutsu abgewandelt und weiterentwickelt wurde und vor allem zur Selbstverteidigung dient. Bewertet wird die präzise Ausführung der Technik. Auch bei Schröters Lieblingsdiziplin Kampf, bei der es nicht darum geht, die Gegnerin k.o. zu schlagen, sondern zu punkten.
"Zum Glück musste ich das im richtigen Leben noch nicht anwenden, aber man fühlt sich schon sicherer, wenn man allein im Dunkeln nach Hause geht." Nina Schröter
"Mir macht dabei am meisten Spaß, dass man sich mal so richtig auspowern kann", schwärmt die mittlerweile 50-jährige Sozialarbeiterin, die schon immer gern und viel Sport getrieben hat. Manchmal im Training kämpft sie sogar gegen ihren eigenen Sohn. Wie das für ihn ist, seine eigene Mutter zu schlagen? "Naja, ich schlage ja nicht voll zu, und bisher hat sie es mir auch noch nie übel genommen", sagt Jonas.
Kleine Sportart mit vielen Verbänden
Weil Hapkido eine relativ kleine Sportart ist und es weltweit mehrere nebeneinander existierende Sportverbände gibt, nehmen an dieser Europameisterschaft nur sieben Nationen teil.
Trainerin Janine Poqué und Verbandspräsident Franz Josef Wolf
Der Aachener Franz Josef Wolf ist Präsident des internationalen Dachverbands für diesen Wettbewerb, der International Hap Ki Do Cooperation (IHC). "Das ist ein Sport, für den es keine Altersgrenze gibt", sagt Großmeister Wolf, selbst inzwischen 73 und immer noch aktiv. Er würde sich wünschen, wenn noch mehr Nationen teilnehmen würden.
Ziel ist die Titelverteidigung
Nina Schröter muss nach dem letzten Trainingskampf kräftig durchatmen, bekommt noch ein paar Tipps von ihrer Trainerin. "Nina hat einfach Biss, bringt sehr viel sportliches Talent mit und ist sehr ehrgeizig", beschreibt Trainerin Janine Poqué, selbst mehrfache Titelträgerin, die Qualitäten ihrer Schülerin.
Und die setzt sie dann auch ein, als es darauf ankommt. Mit einem klaren Sieg gewinnt sie den Finalkampf bei der Heim-EM in Aachen und verteidigt damit den Titel. Und doch ist es ihr irgendwie auch ein bisschen unangenehm. "Ich hatte mich so darauf gefreut, gegen starke Konkurrenz anzutreten, und dann stellte sich beim Wiegen heraus, dass in meiner Gewichtsklasse nur eine einzige Gegnerin am Start war", erzählt sie.
Sohn Jonas gelingt die Titelverteidigung dagegen nicht. Der 19-Jährige holt dafür bei seinem ersten EM-Start bei den Erwachsenen gleich zwei Silbermedaillen - im Weitsprung und im Team beim Show-Kampf.
Unsere Quellen:
- Interviews mit den Sportlern
- Beobachtungen des WDR-Reporters beim Training
Sendung: WDR-Fernsehen, Lokalzeit Aachen, 05.06.2026, 19.30 Uhr
