Kreis Heinsberg: Schwere Vorwürfe gegen Schweinezüchter und Metzgerei
03:14 Min.. Verfügbar bis 04.06.2027.
Schweinezüchter Kurt Heinrichs aus Heinsberg-Karken arbeitet seit fast 13 Jahren mit der Erkelenzer Traditionsmetzgerei Esser zusammen. Züchter und Metzger setzen sich nach eigenen Aussagen seit Jahren für das Label "Tierwohl" ein.
Doch jetzt hat die Tierrechtsorganisation Ariwa brisantes Video- und Bildmaterial aus den Ställen von Kurt Heinrichs veröffentlicht. Zu sehen sind verdreckte Ställe, Tiere, die in Exkrementen stehen, verletzte Schweine und viele tote Ferkel. Offenbar illegal aufgenommen von Sommer 2024 bis März diesen Jahres. Sieben Mal sind dafür Aktivisten in die Stallanlagen in Heinsberg-Karken eingebrochen. Dabei haben sie nach eigenen Angaben 15 gesetzliche Verstöße festgestellt. Insgesamt spricht der Tierrechtsverein von sieben Stunden belastendem Material.
Tierschützer sprechen von "Hölle"
Die Tierschützer bezeichnen den Hof von Kurt Heinrichs als Hölle. "Gülle, die durch den Spaltenboden hochdrückt, Sauen bis kurz vor der Geburt illegal im Kastenstand fixiert, unbehandelte Tiere, so breite Spalten, dass da Ferkel verenden können", zählt Anna Schubert von Animal Rights Watch die Vergehen aus Sicht der Tierschützer auf. Man wisse gar nicht, wo man anfangen und aufhören solle bei der Aufzählung. Ariwa fordert die Schließung des Betriebes in Heinsberg-Karken. Wörtlich heißt es: Dieser Betrieb habe nichts mit Tierwohl zu tun.
Schweinezüchter wehrt sich
Schweinezüchter Kurt Heinrichs (rechts) und sein Sohn.
Vorwürfe, die den 61-jährigen Kurt Heinrichs treffen. Bisher galt sein Betrieb als Vorzeigestall. Schweine, die auf Stroh spielen, offenbar glücklich sind. Er weist sämtliche Vorwürfe zurück und hat Strafanzeige gegen die Tierschützer gestellt, erst einmal nur wegen der Einbrüche.
"Man könne sich alles anschauen, man sei transparent. Hier ist alles in Ordnung", erklärt Kurt Heinrichs bei einem Besuch seines Hofes. Dennoch hätten er und seine Familie mittlerweile Angst in die Ställe zu gehen. Seit den vielen Einbrüchen fühle man sich nicht mehr sicher.
Manipulationsvorwurf gegen Ariwa
Anna Schubert von Animal Rights Watch
Der Züchter und auch Metzger Max Esser wehren sich gegen die Vorwürfe: Sie werfen den Tierschützern vor, sowohl Bilder als auch Videos manipuliert zu haben. Drei Gutachten, die dem WDR vorliegen, darunter eines von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, kommen zu dem Schluss, dass Teile der Bilder von Animal Rights Watch mit großer Wahrscheinlichkeit manipuliert worden seien. Ein Vorwurf, der immer wieder gegen Ariwa erhoben wird. Anna Schubert bestreitet diese Vorwürfe.
So ein maroder und verwahrloster Zustand, wo von vorne bis hinten so viel illegal passiert. Das kann man nicht faken. Anna Schubert, Ariwa
Hof wird regelmäßig kontrolliert
Der Schweinezuchtbetrieb in Heinsberg-Karken wird nach eigenen Angaben einmal im Monat kontrolliert. Auffälligkeiten wurden dabei offenbar bisher nicht festgestellt. "Insgesamt habe ich hier noch nie einen massiven Tierschutzverstoß festgestellt", erklärt Norbert Diepers, Fachtierarzt für Schweine.
Mit den Tieren werde hier sorgsam umgegangen, sagt der Tier-Mediziner. Aber es seien nun mal auch landwirtschaftliche Nutztiere. Auch Metzger Max Esser verteidigt den Zuchtbetrieb, mit dem er seit 13 Jahren zusammenarbeiten: "Wir setzen uns hier für die Tierwohlforschung ein. Kritik nehmen wir ernst. Wir stehen dafür, dass Tierwohl mehr ist als eine Frage der Haltung."
Staatsanwaltschaft ermittelt
Die Staatsanwaltschaft Aachen bestätigte auf Anfrage, dass mehrere Strafanzeigen gegen den Zuchtbetrieb aus Heinsberg-Karken vorliegen. Weitere Informationen wollte die Sprecherin nicht bekanntgeben. Die Ermittlungen dazu laufen.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Anna Schubert von Animal Rights Watch
- Gespräch mit Max Esser, Metzger
- Gespräch mit Kurt Heinrichs, Schweinezüchter
- Staatsanwaltschaft Aachen
- Gespräch mit Norbert Diepers, Fachtierarzt für Schweine
Hinweis der Redaktion vom 10.06.2025: In einer früheren Version des Artikels haben wir im Absatz "Manipulationsvowürfe gegen Ariwa" die Begriffe "Tierschützer" und "Tierzüchter" vertauscht. Nach dem Hinweis durch eine aufmerksame Leserin haben wir die Stelle korrigiert.