Nach Massenschlägerei bleibt das Sicherheitsgefühl gering
WDR. 01:44 Min.. Verfügbar bis 21.05.2028.
Die Euskirchener Innenstadt ist friedlich an diesem Donnerstagmittag. Die Shisha-Bar, vor der es am Montagabend zu einem Großeinsatz der Polizei gekommen war, ist nur wenige hundert Meter entfernt. Viele Menschen bummeln, so wie Elvira Schüchter, mit ihrer Tochter durch die Stadt. Elvira ist in Euskirchen aufgewachsen und war hier früher oft auch abends allein unterwegs. Das ist heute anders.
"Abends als Frau durch die Stadt gehen würde ich mich allein nicht trauen." Elvira Schüchter, Mutter aus Euskirchen
Elvira Schüchter, ist in Euskirchen aufgewachsen, wohnt inzwischen in der Eifel – hat abends schon seit längerem Angst, allein in der Stadt unterwegs zu sein
Komische Blicke, unangenehme Kommentare - das seien Dinge, die ihr Sicherheitsgefühl schon seit längerem verändert hätten. Die Massenschlägerei vom Montagabend habe dieses Gefühl noch einmal verstärkt. So empfinden allerdings längst nicht alle Menschen. Viele berichten im Gespräch mit dem WDR durchaus, dass sie sich immer noch sicher und wohl in der Stadt fühlen.
Sicherheitsgefühl ist oft sehr unterschiedlich
Während die einen sich weniger Sorgen machen, ist Helga Schiffers froh, dass sie nicht mehr in Euskirchen wohnt. 25 Jahre habe sie in der Innenstadt gewohnt. Vor vier Jahren aber hat sie sich für den Umzug aufs Land entschieden, vor allem aus einer stetig gestiegenen Sorge, dass etwas passieren könnte.
Helga Schiffers, ist nach 25 Jahren aus Euskirchen weggezogen, weil sie immer mehr Angst in der Stadt hatte. Wohnt jetzt in der Nähe von Zülpich
Nach den Schlagzeilen dieser Woche fühlt sie sich bestätigt. Die Polizei habe zwar die Präsenz erhöht, das habe sie auch schon wahrgenommen. Aber es könnten immer wieder aus dem Nichts Situationen entstehen, "wo man dann womöglich reingerät und wo ich mich einfach davor schütze. Deshalb bin ich auch aus Euskirchen weggezogen."
"Wir brauchen den Druck der Polizei"
Der Landrat und Leiter der Kreispolizeibehörde Euskirchen, Markus Ramers, hat durchaus Verständnis für solche Ängste. Vorfälle, wie die Ereignisse vom Montag, könne man nicht hinnehmen – vor allem nicht, "weil Personengruppen ihren Konflikt im öffentlichen Raum austragen wollten." Das verstärke noch einmal die Sorgen vieler Menschen.
Deshalb sei er froh, dass zurzeit noch die so genannte "strategische Fahndung" in Euskirchen laufe, mit der die Polizei auch anlasslose Kontrollen durchführen kann und Menschen auch ohne konkreten Tatverdacht kontrollieren und nach ihrer Identität befragen darf.
"Wir brauchen hier in Euskirchen auch diese Präsenz und diesen Kontrolldruck der Polizei, weil wir hier schon mehr Kriminalitätsfälle haben, als das in anderen Orten drumherum der Fall ist." Markus Ramers, Landrat Kreis Euskirchen
Bürgermeister sieht das gelassener
Auseinandersetzungen habe es immer schon gegeben, wenn auch nicht in dieser Dimension, sagt Bürgermeister Sacha Reichelt (CDU). Statistisch gesehen sei Euskirchen trotz jüngster Ereignisse immer noch eine sichere Stadt. Die seien ein "absoluter Ausreißer" gewesen und er hoffe, dass es dabei auch bleibt.
"Sowas kann manchmal aus Kleinigkeiten entstehen und ich kann nur an alle appellieren sich zu beruhigen und das als Einmaligkeit stehen zu lassen. Sonst wird niemand am Ende als Sieger hervorgehen. Bei sowas kann es nur Verlierer geben." Sacha Reichelt, Bürgermeister Euskirchen
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Anwohnern vor Ort
- WDR-Interview mit Landrat Kreis Euskirchen
- WDR-Interview mit Bürgermeister Euskirchen
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bonn, 21.05.2026, 19:30 Uhr
