Dieter Cremer ist sauer. "Die Kunden wissen ja gar nicht mehr, wie sie zu uns kommen sollen. Die müssen jetzt einen Umweg über Euskirchen fahren - da fahren die viel eher zur Konkurrenz." Cremer betreibt einen Schrott- und Autoteilehandel im Gewerbegebiet Weilerswist-Derkum - doch seit Anfang der Woche kommen kaum noch Kunden zu ihm.
Der Grund liegt ein paar Meter weiter die Straße runter, am Bahnübergang an der Schleidener Straße: Seit Montag stehen hier Absperrungen, ein "Durchfahrt verboten"-Schild und dicke Betonklötze. Hier kommt kein Fahrzeug mehr durch.
Bauarbeiten versperren Haupt-Übergang
Bürgermeister Dino Steuer kann den Ärger in Weilerswist verstehen.
Das ganze hat eine Geschichte: Die Hauptstraße in Derkum wird gerade aufwändig saniert, mit Kanal- und Tiefbauarbeiten. Dadurch ist der wichtigste Weg über die Gleise in Derkum - der in beide Richtungen befahrbare Übergang an der Straßfelder Straße - abgeschnitten.
So blieb nur der Weg über den Übergang an der Schleidener Straße. Den Übergang darf man aber nur in eine Richtung nutzen. Für die Gegenrichtung bedeutete das: sechs Kilometer Umweg.
Dutzende Verstöße in wenigen Minuten
Vielen war das wohl zu weit - sie haben das Verbot ignoriert und sind trotzdem durchgefahren.
"Mich hat am Freitag ein Mann von der Deutschen Bahn abgerufen, der gesagt hat, er stehe gerade an dem Bahnübergang - und innerhalb von neun Minuten sind hier zwölf Autos in die falsche Richtung drübergefahren." Stefan Hohenbrink, Leiter des Tiefbauamts der Gemeinde Weilerswist.
Anfang der Woche hat die Deutsche Bahn deshalb die Reißleine gezogen: "Trotz präventiver Öffentlichkeitsarbeit, vermehrter Kontrollen und zusätzlicher Schilder, die auf die Einbahnstraßen-Regelung hinweisen, haben weiterhin PKW den Bahnübergang widerrechtlich entgegen der Fahrtrichtung passiert. Deshalb hat die Gemeinde den Bahnübergang auf Bitte der DB vorübergehend für den Autoverkehr gesperrt."
15 Minuten Umweg, um über die Gleise zu kommen
Thorsten maus hat durch den gesperrten Bahnübergang viel Ärger.
Jetzt muss man in beide Richtungen 15 Minuten extra einplanen - einen großen Bogen über das nächste Dorf. Für Thorsten Maus und seine anliegende Firma bedeutet das: "Unsere Mieter haben angerufen und gesagt: Wir kommen nicht mehr zu unseren Stellplätzen, oder zu unseren Wohnungen. Da muss schnell was passieren."
Bürgermeister Dino Steuer versteht den Frust: "Aber leider ist es so, dass wir rechts und links der Trassen keine Umleitungsmöglichkeiten haben. Auch ich bin sehr traurig über die Situation."
Eine schnelle Lösung ist aber nicht in Sicht - solange die Baustelle den zweispurigen Bahnübergang versperrt, wird wohl auch der kleinere Übergang geschlossen bleiben. Und das wird noch mehrere Monate dauern.
Unsere Quellen:
- Stellungnahme Gemeinde Weilerswist
- Stellungnahme der Deutschen Bahn
- Reporter vor Ort
Sendung: WDR.de, 15 Minuten Umweg, um über die Gleise zu kommen, 05.06.2026, 5:02 Uhr
