Wenn der Wolf immer näher kommt

Aktuelle Stunde 14.01.2026 17:03 Min. Verfügbar bis 14.01.2028 WDR Von Yaena Kwon

Wölfe abschießen: Was das neue Jagdgesetz bringen soll

Stand:

Der Bundestag berät am Mittwoch über eine Änderung des Jagdgesetzes - es geht um das Abschießen von Wölfen. Was sich ändern soll und wie die Reaktionen darauf aussehen.

Von Lars Faulenbach

Die Vorlage zum neuen Jagdgesetz hat das Bundeskabinett im Dezember beschlossen. Am Mittwoch kommen die neuen Regeln in den Bundestag und werden von den Abgeordneten diskutiert. Am Ende müssen auch die Bundesländer zustimmen.

Wie ist die jetzige Rechtslage in Deutschland?

Aktuell gilt der Wolf nach dem Bundesnaturschutzgesetz als streng geschützte Art. Das bedeutet, er gehört nicht zu den jagdbaren Arten und Wölfe dürfen grundsätzlich nicht getötet, gefangen oder gestört werden, es sei denn es liegt eine Ausnahmegenehmigung vor.

Nach jetziger Rechtslage dürfen nur sogenannte Problemwölfe mit einer behördlichen Ausnahmegenehmigung abgeschossen werden, wenn sie trotz Schutzmaßnahmen für Schafe wie Weidezäune immer wieder Nutztiere reißen.

Was würde sich mit dem neuen Gesetz ändern?

Die geplante Gesetzesänderung sieht vor, dass der Wolf als grundsätzlich jagdbare Tierart ins Jagdgesetz aufgenommen wird. Möglich gemacht hat das eine neue Einstufung des Wolfes auf EU-Ebene. Dadurch soll der Abschuss von sogenannten Problemwölfen erleichtert werden. Aber nicht nur von diesen: Ist die Wolfspopulation groß und gesund, könnten auch Wölfe aus dem Rudel getötet werden, die nicht als Problemwolf aufgefallen sind. So soll die Größe des Rudels kontrolliert werden.

Dafür müssten die Bundesländer in Zukunft einen Managementplan für Wölfe festlegen. Darin würde dann geregelt, zu welchen Zeiten, wie viele Wölfe unter welchen Bedingungen abgeschossen werden dürfen. In Regionen, in denen es einen "ungünstigen Erhaltungszustand" des Wolfs gibt, ist ein Abschuss nur erlaubt, wenn andere Maßnahmen versagt haben.

Wölfe in Deutschland: Details des neuen Jagdgesetzes

WDR Studios NRW 14.01.2026 03:07 Min. Verfügbar bis 14.01.2028 WDR Online


Wie bewertet die NRW-Landesregierung die Pläne?

Das Land NRW gibt sich bei der Bewertung der geplanten Änderung sehr zurückhaltend und will die weiteren Schritte nach einem erfolgten Beschluss zwischen Landwirtschafts- und Umweltministerium prüfen: "Ziel ist ein Gesamtkonzept zum Wolf, das im Kern den Willen des Bundesgesetzgebers berücksichtigt, aber die in NRW bestehende Situation des Wolfs praxisgerecht umsetzt."

Wie sehen die Reaktionen auf die geplante Änderung aus?

Der Deutsche Jagdverband (DJV) begrüßt die Änderung grundsätzlich. Es brauche eine nachhaltige Bestandskontrolle des Wolfes, um die Art zu schützen und gleichzeitig Konflikte mit Nutztieren zu reduzieren. Der Sprecher des DJV, Torsten Reinwald, befürwortete gegenüber dem WDR den Abschuss von Jungwölfen: "40 Prozent des jährlichen Zuwachses sollten erlegt werden – und zwar von Anfang Juni bis Ende Oktober."

Der Schafzuchtverband NRW setzt sich dafür ein, den Abschuss von Wölfen zu erleichtern, die immer wieder Schafe reißen. Die Vorsitzende Ortrun Humpert zeigte sich gegenüber dem WDR aber skeptisch, ob die Gesetzesänderung dabei hilft:

"Bis das zeitlich geregelt ist, werden wieder so viele Weidetiere sterben, dass man nur mit dem Kopf schütteln kann." Ortrun Humpert, Vorsitzende Schafzuchtverband NRW

Naturschützer kritisieren die geplante Änderung aus einem anderen Grund. Marie Neuwald, die beim Nabu für das Thema Wölfe zuständig ist, bezweifelt, dass die Jagd auf Wölfe die Zahl der gerissenen Schafe verringert. Ihr Argument: Werde ein Wolf beim Reißen eines Schafs beschossen und überlebe, würde er daraus nicht lernen. Er würde beim nächsten Mal wieder versuchen, ein ungeschütztes Schaf zu reißen. "Deswegen fordern wir den Fokus auf Herdenschutz und die Förderung von Herdenschutz."

Unsere Quellen:

  • Entwurf zur Änderung des Bundesjagdgesetzes
  • Interview mit Ortrun Humpert vom Schafzuchtverband NRW
  • Interview mit Torsten Reinwald DJV
  • Interview mit Marie Neuwald Nabu
  • Mitteilung des Landes NRW

Sendung: WDR.de, Wölfe abschießen: Was das neue Jagdgesetz bringen soll, 14.01.2026, 6.03 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 14.01.2026, 18.45 Uhr

Kommentare zum Thema

9 Kommentare

  • 9 Heiko 15.01.2026, 22:45 Uhr

    Als jemand, der täglich im Wald unterwegs ist, sehe ich, was der Wolf für unser Ökosystem leistet. Er hält das Wild in Bewegung, reduziert den Verbiss und ermöglicht so eine natürliche Verjüngung unserer Wälder – ein unbezahlbarer Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel. Den Wolf nun zur Bejagung freizugeben, während das BfN den Erhaltungszustand noch immer als kritisch bewertet, ist ein ökologischer Rückschritt. Wer den Wald schützen will, muss auch seine natürlichen Beutegreifer schützen. Herdenschutz ist machbar und die einzig sinnvolle Lösung für eine Koexistenz.

  • 8 U.Opladen 15.01.2026, 08:11 Uhr

    Der Wolf ist wichtig für unser Ökosystem und die Zukunft. Wir zerstören die Natur, Tiere schon genug. Ich sehe im übrigen keine Herdenschutzhunde? Dieses Risiko geht kein Wolf ein sich mit einem Kangal anzulegen. Herdenschutzhunde werden von ihren Eltern ausgebildet und sind an das Leben draußen gewöhnt. Die werden im übrigen gefördert sogar die Tierarztkosten bezahlt. In anderen Ländern funktioniert das doch auch. Da gibt es weit größere Raubtiere wie Geparden und Bären. Die Jäger haben nur Angst um ihr Hobby und wie haben die Schäfer das früher gemacht? Es waren Hunde dabei und die Schäfer bei seinen Schafen. Und wenn das Schaf zum Schlachthof kommt wird auch nicht gejammert.

  • 7 Norman 15.01.2026, 06:17 Uhr

    Ein guter Tag für alle Weidetiere. Letztlich auch für den Wolf da er durch die Jagd lernt, den Mensch als Gefahr wahrzunehmen und dadurch auch die Gefahr der Hybridisierung (Verpaarung von Wolf und Haushund) deutlich verringert wird.

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    • Heiko 15.01.2026, 22:48 Uhr

      Das Gegenteil ist der Fall, Norman. Wissenschaftliche Studien zeigen: Werden Rudelstrukturen durch Bejagung zerrissen, steigt das Risiko der Hybridisierung massiv an. Wenn der Leitwolf geschossen wird, suchen sich verbliebene Einzeltiere eher Haushunde als Partner, weil die soziale Ordnung zerstört ist. Zudem 'lernen' Wölfe durch Abschuss nicht – ein toter Wolf lernt gar nichts, und die Überlebenden werden oft nur unberechenbarer. Ein guter Tag für Weidetiere ist es erst dann, wenn flächendeckender Herdenschutz endlich ernst genommen wird, statt politischer Symbolpolitik durch Abschüsse zu betreiben.

  • 6 David 15.01.2026, 05:55 Uhr

    Ich verstehe die ganze Diskussion, über den Abschuss von Wölfen nicht. Die Frage ist, benötigen wir den Wolf überhaupt? Ich persönlich sage nein. Der Wolf war in Deutschland über Jahrzehnte nicht Existent, durch die Bejagung. Und sorry, es hat ihn keiner Vermisst und es hatte kaum Auswirkungen. Also wie so diese Diskussion? An dieser Stelle sollte man lieber diesen "Grünen- und Tieschutznonsinn ein Ende setzen. Wir haben wichtiger Probleme in Deutschland als den Wolf den keiner Vermisst hat.

    Antworten (3)
    • Manukahonig 15.01.2026, 10:11 Uhr

      Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

    • Johnny 15.01.2026, 16:36 Uhr

      Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

    • Heiko 15.01.2026, 22:52 Uhr

      David, Ihre Aussage zeigt leider ein erschreckendes Unverständnis für ökologische Zusammenhänge. Nur weil Sie den Wolf nicht ‚vermisst‘ haben, bedeutet das nicht, dass er keine Auswirkungen hatte. Sein Fehlen hat zu massiven Überpopulationen bei Schalenwild geführt, was unsere Wälder durch extremen Verbiss bis heute schwer schädigt. Der Wolf ist kein ‚Nonsinn‘, sondern die Gesundheitspolizei unseres Waldes. Er hält Wildbestände gesund und mobil, was die natürliche Waldverjüngung erst ermöglicht – ein unbezahlbarer Dienst für uns alle in Zeiten des Klimawandels. Wer behauptet, wir hätten ‚wichtigere Probleme‘, verkennt, dass ein sterbender Wald eines unserer größten Probleme ist. Wir brauchen keine Ausrottung auf Raten, sondern Intelligenz beim Herdenschutz. Bildung schützt vor Ignoranz!

  • 5 Josef 14.01.2026, 21:22 Uhr

    Wie handhaben das andere EU Länder. Es wird nicht gefragt Es ist ein „rein deutschesThema“ die anderen sind alle blind.

  • 4 Selber Jäger 14.01.2026, 16:42 Uhr

    Persönlich habe ich nichts gegen eine den landeskulturellen Gegebenheiten angepasste Anzahl von Wölfen. Und davon, dass mit der Aufnahme ins Jagdrecht der Wolf wieder ausgerottet wird, kann überhaupt keine Rede sein. Aber aus persönlicher Erfahrung mit Verkehrsopfern und sonstig erkrankten Wildtieren und der Frage nach dem Tierschutz - insbesondere dem Vermeiden unnötiger Schmerzen: wenn am Straßenrand ein angefahrenes Tier mit geplatzter Bauchdecke liegt und schreit, dann erlöse ich dieses so schnell wie möglich. Wenn mir ein schwer von Räude befallenes Tier vorkommt, dann erlöse ich dieses so schnell wie möglich. Wenn ich eindeutig erkennen kann, dass ein Tier gerade dabei ist, an der Staupe zu verenden (zu ersticken), dann erlöse ich dieses so schnell wie möglich. Beim Wolf ist uns das bisher verboten. Da muss erst ein Veterinär vorbeikommen (irgendwann, vielleicht in anderthalb Stunden) und sich einen Eindruck verschaffen. Hoffentlich ändert sich das jetzt endlich! WMH

    Antworten (1)
    • Heiko 15.01.2026, 22:58 Uhr

      Das Argument des ‚Erlösens‘ ist hier ein klassisches Ablenkungsmanöver. Niemand hat etwas gegen die fachgerechte Erlösung eines todkranken oder angefahrenen Tieres – das ist aber bereits heute über Ausnahmeregelungen und Notstandsparagrafen regelbar, ohne dass der Wolf dafür ins allgemeine Jagdrecht muss. Dass Sie hier Einzelschicksale von Unfallopfern nutzen, um eine flächendeckende Bejagung und Bestandsregulierung zu rechtfertigen, ist unredlich. Die Aufnahme ins Jagdrecht dient nicht dem Tierschutz im Einzelfall, sondern der politischen Dezimierung einer streng geschützten Art gegen jede wissenschaftliche Vernunft. Wenn es Ihnen wirklich um das Leid der Tiere ginge, würden Sie für flächendeckenden Herdenschutz kämpfen, der Risse verhindert, statt nach der Flinte zu rufen.

  • 3 Robert 14.01.2026, 16:06 Uhr

    Wie will man denn Problemwölfe erkennen, haben sie einen Stempel auf der Stirn? Oder hat die Jagdlobby da etwas vor?

    Antworten (2)
    • Nimrod 14.01.2026, 18:50 Uhr

      Ein "Problemwolf" ist ein Wolf, der das Handbuch der Wolfsromantiker, wie sich ein Wolf zu verhalten hat, nicht gelesen hat.

    • Heiko 15.01.2026, 23:14 Uhr

      Nimrod, wer keine Sachargumente hat, flüchtet sich in Polemik. Die Frage ist berechtigt: Ohne Stempel auf der Stirn führt die Jagd auf vermeintliche ‚Problemwölfe‘ in der Praxis oft zum Abschuss der falschen Tiere. Das zerstört Rudelstrukturen, was die Probleme mit Rissen erst recht verschärft. Die einzige wissenschaftlich belegte Lösung heißt Herdenschutz, nicht blindes Herumballern auf Basis von Mutmaßungen.

  • 2 Timo 14.01.2026, 15:01 Uhr

    Wir sollten von den Parteien die das erlauben das Geld zurückfordern, mit dem die Wölfen wieder hier angesiedelt wurden. Völlige Verschwendung von Steuergeld, nur um Jägern eine neue Art von Trophäe zu bieten. Typisch FDP/CDU Lobbyismus

    Antworten (4)
    • Ernst 14.01.2026, 16:00 Uhr

      Nur zu dumm, dass die FDP in keinster Weise involviert ist

    • Nimrod 14.01.2026, 16:19 Uhr

      Wölfe wurden hier nicht "angesiedelt"!!! Die sind aus dem Osten eingewandert und haben sich hier dann etabliert und weiter vermehrt!!! Ein (!) Wolf verursacht über seine Lebensdauer von etwa 10 Jahren Kosten in Höhe von durchschnittlich € 160.000,- für Herdenschutzmaßnahmen, Ausgleichszahlungen, Gen-Analysen nach Rissen etc.. kann man ja mal hochrechnen. Warum der Wolf anders behandelt werden soll als alle anderen Arten, die dem Jagdrecht unterliegen (Ziel:"Anpassung der Bestände an die örtlichen Gegebenheiten") erschliesst sich mir immer noch nicht. Das wiederkäuende Schalenwild wird ja auch geschossen, weil der Einzelschutz von jungen Bäumen zu teuer ist. Da spielt Tierschutz beim NABU plötzlich überhaupt keine Rolle. Auch nicht bei der genetischen Verarmung bzw. den immer häufiger auftretenden Symptomen von Inzest beim (faktisch eingesperrten) Rotwild. Heuchler. Der Wolf ist halt eine Spendenmaschine und ansonsten lediglich ein Fetisch von Balkonbiologen und Naturromantikern. IMHO.

    • Heiko 15.01.2026, 23:02 Uhr

      Nimrod, Ihre Rechnung ist eine klassische einseitige Kostenbetrachtung. Ja, Herdenschutz kostet Geld – aber wissen Sie, was noch teurer ist? Ein Wald, der aufgrund von Überpopulationen beim Schalenwild nicht mehr hochkommt und für Milliarden Euro künstlich aufgeforstet werden muss, weil die natürliche Verjüngung weggefressen wird. Der Wolf ist kein ‚Fetisch‘, sondern ein kostenloser Ökosystem-Dienstleister. Er spart der Forstwirtschaft Millionen durch die Vermeidung von Waldschäden. Zu behaupten, beim NABU spiele Tierschutz keine Rolle, ist bei dieser Debatte fast schon ironisch: Wer den Wolf bejagen will, zerstört Sozialstrukturen und schafft erst recht Probleme. Dass das Rotwild unter Inzest leidet, liegt an unseren zerschnittenen Landschaften und Autobahnen – dafür den Wolf verantwortlich zu machen, ist biologisch völlig absurd. Wer Herdenschutz als ‚Verschwendung‘ sieht, hat den Wert eines gesunden Waldes für unsere eigene Lebensgrundlage schlicht nicht verstanden.

    • Heiko 15.01.2026, 23:08 Uhr

      Ihre 160.000 € pro Wolf sind eine Milchmädchenrechnung. Rechnen Sie mal dagegen, was der künstliche Waldumbau und die Verbissschäden kosten, die wir ohne den Wolf mit Milliarden an Steuergeldern subventionieren. Der Wolf ist kein ‚Fetisch‘, sondern ein kostenloser Mitarbeiter für einen gesunden Wald. Dass das Rotwild unter Inzucht leidet, liegt an unseren Autobahnen und Zäunen, nicht am Wolf. Wer Naturschutz als ‚Balkonbiologie‘ abtut, hat offenbar noch nie begriffen, dass ein gesunder Wald die Lebensgrundlage für uns alle ist – egal ob in der Stadt oder im Schwarzwald.

  • 1 Joachim P. 14.01.2026, 14:44 Uhr

    Wenn etwas unbequem wird dann entledigt sich man es. Mein Gott es ist nun mal die Natur vom Wolf auch zu Leben. Politiker machen es sich zu einfach damit,wo bleibt eure Logik gegenüber Tiere. Man hat nicht das Recht einfach Tiere zu Töten.Last den Wolf in der Natur und sucht eine bessere Lösung.

    Antworten (3)
    • Friedel 14.01.2026, 16:03 Uhr

      Aktuell haben wir in Deutschland KEINE natürlichen Lebensräume für alles. Wir leben in einer Kulturlandschaft, so dass es notwendig ist an diversen Stellschrauben, auch jagdlich, zu drehen

    • Heiko 15.01.2026, 23:04 Uhr

      Dieser Kommentar wurde mehrfach abgegeben und daher an dieser Stelle gesperrt. (die Redaktion)

    • Heiko 15.01.2026, 23:09 Uhr

      Dieser Kommentar wurde mehrfach abgegeben und daher an dieser Stelle gesperrt. (die Redaktion)

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