WhatsApp ab 10 Jahre - was steckt hinter den neuen Eltern-Konten?

03:19 Min. Verfügbar bis 18.03.2028 Von Jörg Schieb, Jörg Schieb

WhatsApp: Was hinter den neuen Eltern-Konten steckt

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WhatsApp ist der bevorzugte Messenger, auch bei Kindern und Jugendlichen. Meta führt nun eine neue Funktion ein: Eltern können künftig die WhatsApp-Konten des Nachwuchs kontrollieren. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt, warum das sinnvoll ist und wie das genau funktioniert.

Von Jörg Schieb

Beleidigungen, Ausgrenzung, Gewaltvideos: Was in vielen Klassenchats passiert, ist für viele Kinder digitaler Alltag. Wie eine aktuelle WDR-Befragung im Schwerpunkt "Inside Klassenchats" zeigt, hat mehr als jedes dritte Kind zwischen zehn und 16 Jahren dort schon belastende Inhalte gesehen.

Die Mehrheit der Klassenchats läuft über WhatsApp, in der Regel ohne relevante Aufsicht durch Erwachsene und Eltern. Genau hier setzt Meta jetzt an: Der Konzern führt jetzt erstmals offiziell sogenannte "elternverwaltete Konten" ("Parental Managed Accountes") ein, vom Prinzip wie man das bereits von Instagram kennt.

Über die neue Funktion, die nun global ausgerollt wird und erst nach und nach in allen Ländern und allen Usern zur Verfügung steht, können Eltern WhatsApp-Zugänge für Kinder ab zehn Jahren einrichten - unter ihrer Kontrolle.

WhatsApp für Zehnjährige? Die Realität war längst schneller

Bisher liegt das offizielle Mindestalter für WhatsApp bei 13 Jahren. In der Praxis hat das allerdings nicht wirklich funktioniert: Wie eine aktuelle WDR-Umfrage zeigt, sind 82 Prozent der Zehn- bis 16-Jährigen bereits Mitglied in einem Klassenchat - fast ausnahmslos bei WhatsApp.

Textnachrichten sind bei Kindern und Jugendlichen besonders beliebt

Textnachrichten sind bei Kindern und Jugendlichen besonders beliebt

Viele Eltern dulden das, weil ihr Kind sonst von der Klassenkommunikation abgeschnitten wäre. Meta führt nun sinnvolle Kontrollmechanismen für eine Nutzung ein, die längst Alltag ist. Die Frage bleibt: Wird es dadurch sicherer - oder senkt der Konzern einfach die Einstiegshürde?

So funktioniert das neue Kinder-Konto

Eltern richten auf dem Smartphone ihres Kindes ein spezielles WhatsApp-Konto ein, das mit ihrem eigenen Eltern-Konto verknüpft ist. Dafür halten sie beim Einrichten beide Geräte nebeneinander und verbinden so die Accounts. Alle Einstellungen auf dem Gerät des Kindes sind anschließend mit einer sechsstelligen Eltern-PIN geschützt. Das Kind kann diesen Code nicht ändern.

Konkret bestimmen die Eltern ab dann, wer das Kind überhaupt kontaktieren darf. Das verhindert Risiken wie "Cybergrooming", wo sich Erwachsene als Schulfreunde getarnt Minderjährigen virtuell annähern.

Standardmäßig können in dem neuen Konzept nur gespeicherte Kontakte Nachrichten an die Kinder schicken. Schreibt eine unbekannte Nummer, landet die Nachricht in einem versteckten Ordner, den nur die Eltern per PIN öffnen können.

Klassenchats: Für viele Kinder ab 10 Jahren Realität

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Eltern müssen Gruppeneinladungen erst freigeben

Auch Gruppeneinladungen (wie zu einem Klassenchat) müssen Eltern erst freigeben, bevor die Kinder da mitmachen können - ein wichtiger Punkt, wenn man an unkontrollierte Klassenchats denkt.

Zahlreiche Funktionen sind für Kinder-Konten komplett gesperrt: keine Kanäle, keine Status-Updates, kein Meta-AI-Chatbot, keine Standortfreigabe, keine selbstlöschenden Nachrichten, keine Chat-Sperre.

Das Konto der Minderjährigen ist auf das Wesentliche reduziert: Nachrichten schreiben und telefonieren mit freigegebenen Kontakten. Werbung wird Kinder-Konten ebenfalls nicht angezeigt.

Was Eltern nicht können: Mitlesen

Eltern können künftig kontrollieren, mit wem die Kinder auf WhatsApp chattten

Eltern können künftig kontrollieren, mit wem die Kinder auf WhatsApp chattten

Ein bewusster Designentscheid von Meta: Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gilt auch für Kinder-Konten. Das bedeutet: Eltern können zwar steuern, mit wem ihr Kind chattet - aber sie können nicht die Nachrichten selbst lesen.

Weder Meta noch die Eltern haben Zugriff auf Chat-Inhalte. Das ist aus Datenschutzsicht konsequent, lässt aber eine Lücke: Problematische Inhalte innerhalb erlaubter Chats - etwa in einem freigegebenen Klassenchat - bleiben für Eltern unsichtbar.

Wichtig: Noch nicht überall verfügbar

Meta hat den weltweiten "Rollout" (also die schrittweise Einführung) offiziell am 11. März 2026 angekündigt, führt die Funktion aber schrittweise ein. Es kann noch Wochen dauern, bis die Option in Deutschland flächendeckend verfügbar ist.

Wer es ausprobieren möchte, sollte WhatsApp auf beiden Geräten auf die neueste Version aktualisieren. Bei der Kontoerstellung erscheint dann unter "Weitere Optionen" der Punkt "Ein elternverwaltetes Konto erstellen" - falls bereits freigeschaltet.

Sobald das Kind das reguläre Mindestalter von 13 Jahren erreicht, erhält es eine Benachrichtigung, dass das Konto in ein normales umgewandelt werden kann. Eltern können diesen Übergang allerdings um bis zu zwölf Monate verzögern.

Was das für Klassenchats bedeutet - und was nicht

Die neuen Konten in WhatsApp können Klassenchats definitiv sicherer machen - aber auch nur teilweise. Ja, Eltern kontrollieren, ob und welchem Gruppenchat ihr Kind beitritt. Und Fremde können nicht einfach Kontakt aufnehmen.

Aber einige Kernprobleme aus den Klassenchats - Mobbing, Bloßstellungen, verstörende Inhalte, die von Mitschülern geteilt werden - löst die Technik allein nicht. Kann sie auch nicht. Die liegen in der Gruppendynamik unter Gleichaltrigen, und die findet innerhalb der verschlüsselten Chats statt, außerhalb der elterlichen Sichtweite.

Deshalb bleibt der wichtigste Schutz analog: regelmäßige Gespräche darüber, was im Chat passiert. Gemeinsam vereinbarte Regeln, etwa zu Uhrzeiten oder zum Umgang miteinander. Und das Wissen, dass technische Schutzfunktionen immer nur ein Baustein sein können - nie ein Ersatz für Begleitung.

Unsere Quellen:

  • Meta-Konzern am 11.03.2026
  • Landesanstalt für Medien NRW

Sendung: WDR.de, "WhatsApp ab 10 Jahre - was steckt hinter den neuen Eltern-Konten?", 18.03.2026, 16:00 Uhr

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