Vier Jahre Krieg: Wie geht es der Ukraine? | WDR aktuell

03:49 Min. Verfügbar bis 24.02.2028

Vier Jahre Ukrainekrieg: "Hilfe ist weniger geworden" - aber nicht überall

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Vor vier Jahren begann der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Ein Ende ist nicht abzusehen. Eine belastende Unsicherheit für die fast 273.000 ukrainischen Geflüchteten in NRW - Menschen, von denen viele um ihre Liebsten in der Ukraine bangen.

Mit der Invasion in die Ukraine am 24. Februar 2022 hat Russland den größten Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst. Die anhaltenden russischen Angriffe verursachen immenses Leid.

Ein Ende ist nicht in Sicht. Die USA vermitteln zwar Gespräche mit Delegationen aus Moskau und Kiew. Doch die Gespräche scheitern wegen zentraler Differenzen. Ungeklärt sind weiterhin die Zukunft der von Russland besetzten ukrainischen Gebiete und die Sicherheit der Ukraine nach dem Krieg.

Selenskyjs Botschaft an Putin

Der ukrainische Präsident Selenskyi im ARD-Interview am 23.02.2026

Ukraines Präsident Wolodymyr Selensky

Für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist klar: "Der Krieg geht dann zu Ende, wenn US-Präsident Trump gemeinsam mit den Europäern Putin in die Schranken weist und ihn zu echten Verhandlungen zwingt, die ein Ergebnis bringen", wie er im ARD-Interview kurz vor dem Jahrestag sagte.

Gebietsfragen könnten nur zwischen den Staats- und Regierungschefs verbindlich beschlossen werden, so Selenskyj. "Ich habe eine einfache Botschaft an Putin: Ich bin bereit zu einem Treffen. Wir müssen den Krieg beenden."

Allein von Charkiw nach Dortmund

Die Ungewissheit, wie es weitergeht, ist belastend. Auch für Menschen aus der Ukraine, die wegen des Angriffskrieges ins Ausland geflohen sind. In NRW wurden bislang fast 273.000 ukrainische Flüchtlinge aufgenommen. Eine von ihnen ist Kseniia S. Die 33-Jährige kommt aus Charkiw und lebt seit vier Jahren in Dortmund, wo sie mittlerweile bei einer internationalen Modekette angestellt ist.

"Früher haben mich die Leute gefragt, woher ich komme und wie es mir und meiner Familie geht", sagte Kseniia S. dem WDR: "Weil ich hier alleine bin und meine Eltern und meine Verwandten noch in der Ukraine sind."

In Gedanken bei den Eltern in der Ukraine

Mittlerweile habe sich das geändert. Wenn sie heute sage, sie komme aus der Ukraine, erhalte sie nur geringe Resonanz. Bei den Deutschen herrsche eine gewisse Müdigkeit bei diesem Thema. "Für uns ist das Alltag, aber für die Bevölkerung hier sind das nur schlechte Nachrichten."

Die Situation sei für sie psychologisch schwierig, sagt Kseniia S.. "Hier ist mein Alltag, aber mit den Gedanken bin ich bei meinen Eltern in der Ukraine - das sind zwei Welten." Ihr gehe es hier gut, aber in der Ukraine herrsche der schlimmste Kriegswinter. "Dort haben sie keine Heizung, keinen Strom, kein Wasser."

Stromgeneratoren aus Köln für die alte Heimat

Auch Linda Mai stammt aus der Ukraine. Sie lebt in Köln und ist Mitgründerin und Vorsitzende des Vereins Blau-Gelbes Kreuz, der die Zivilbevölkerung in der Ukraine unterstützt. In den vier Kriegsjahren wurden unter anderem mehr als 600 Lkw dorthin gefahren - zum Beispiel beladen mit mehr als 15.000 Stromgeneratoren.

Archivbild: Linda Mai vor Hilfsgütern für die Ukraine (2022)

Linda Mai vom Verein Blau-Gelbes Kreuz

Vor Kurzem war Linda Mai wieder für eine Woche in ihrer alten Heimat unterwegs. "Es schneit, es ist minus 24 Grad und es regnet Bomben und Drohnen – und das die ganze Zeit", beschrieb sie am Dienstag im WDR-Interview den Alltag dort: "Wenn das Wasser in der Küche einfriert, kann sich jeder vorstellen, was das für eine Familie bedeuten kann."

Ukraine-Unterstützung: "Es ist weniger geworden"

Wenn Mai auf die Hilfsbereitschaft aus Deutschland schaut, sagt sie: "Es ist weniger geworden." Aber es gebe immer noch sehr viele, die weitermachen. "Es machen die weiter, die wissen, wofür." Über Europas Sicherheit werde gerade in der Ukraine entschieden.

"Wir entscheiden hier, dass die überleben dort", sagte Mai dem WDR. "Mit Sicherheit können wir nicht allen helfen." Allerdings für jene, die einen Stromgenerator oder Medizinprodukte erhielten, mache das einen Unterschied. Das sei nicht nur eine humanitäre Hilfe, die man geschickt hat. "Das ist immer ein 'Ich glaube an Euch' – das ist immer moralische Unterstützung dabei."

Hilfsprojekte auch in Bielefeld, Wuppertal und Billerbeck

Dass es immer noch zivile Hilfe aus Deutschland gibt, zeigen auch weitere Beispiele aus NRW. So knüpfen rund 20 Ukrainerinnen und Ukrainer in Bielefeld Tarnnetze, um die Soldaten in der Heimat zu schützen. Das schaffe Zusammenhalt, sagt Tanja Schuh von der Deutsch-Ukrainische Gesellschaft. "Man weint hier auch zusammen." Viele hätten Verwandte oder Freunde an der Front. "Wir hatten schon solche Fälle von Verlusten."

Glück hatten Ehrenamtler aus Wuppertal, die am Samstag im ukrainischen Lwiw in der Nähe von zwei Explosionen waren. Die Mitglieder der Hilfsorganisation "Water for Ukraine" waren Zeugen eines mutmaßlichen russischen Terroranschlags. Offenbar sollte vor dem vierten Jahrestag des Angriffskrieges zusätzliche Verwirrung gestiftet werden.

In Billerbeck erleben ukrainische Kinder aus dem Kriegsgebiet jedes Jahr zwei unbeschwerte Wochen bei Gastfamilien. Auch 2026 soll die Ferienaktion wieder stattfinden. Jetzt auch im benachbarten Rosendahl.

Veranstaltungen zum Jahrestag in NRW

Am Dienstag, dem vierten Jahrestag seit Beginn des russischen Angriffskrieges, gedachten in NRW zahlreiche Menschen der Ukraine. In Köln gab es eine Kundgebung, die das Hilfswerk Blau-Gelbes Kreuz organisiert hatte. Geladen waren auch die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Mona Neubaur (Grüne) und Staatskanzleichef Nathanael Liminski (CDU), der NRW-Minister für Internationales ist.

Khrystyna Lishchynska bei der Versammlung in Aachen

Khrystyna Lishchynska

In Aachen fand eine Demonstration am Rathaus statt. Dazu aufgerufen hatte der Verein Ukrainer in Aachen. Zudem war ein Treffen "für Besinnung und Gebet" in der Nikolauskirche geplant. Eine der Teilnehmenden war Khrystyna Lishchynska, die vor fünf Jahren nach Deutschland kam. Dem WDR sagte sie: "Ich denke, dass die Ukraine zwar nicht mehr das Hauptthema in den Nachrichten ist, aber dennoch viele Deutsche die Ukraine weiterhin unterstützen, und dafür sind wir dankbar."

In Bielefeld kamen rund 200 Teilnehmende am Rathaus zusammen. Gemeinsam schwiegen und sangen sie für die Opfer. Auf Plakaten waren Aufschriften wie "Stand with Ukraine" zu lesen.

Menschen bei der Demo in Bielefeld

Ukraine-Demo in Bielefeld

Unsere Quellen:

  • ARD-Interview dem ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj
  • WDR.de-Interview mit der Ukrainerin Kseniia S.
  • WDR5-Interview mit der Ukrainerin Linda Mai
  • Berichterstattung der WDR-Lokalstudios
  • Nachrichtenagenturen AP und DPA

Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 24.02.2026, 12:45 Uhr

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