"Ich bin hier ein bisschen zu schnell durch das Schlagloch gefahren und dann ist mir der Reifen geplatzt", ärgert sich Konrad Ernenputsch aus Krefeld. Er steht mit seinem Auto jetzt auf einem Supermarktparkplatz und muss auf den Abschleppdienst warten. Und er ist nicht der einzige Krefelder, dem der Zustand der Straße auf die Nerven geht: "Schlimm", sagt eine Anwohnerin, "die Autos gehen kaputt". Ein anderer meint: "Abwarten ist das einzige, was wir machen können."
Tauwasser gefriert wieder
Das Winterwetter ist in NRW zumindest vorübergehend etwas milder geworden. Das heißt: Glättegefahr besteht zwar nicht mehr, aber jetzt kommen überall die Folgeschäden an den Straßen zum Vorschein. Risse und Schlaglöcher treten im Winter sehr häufig auf.
Ein großes Schlagloch auf einer Straße in Lüdenscheid
Der Grund: Wenn Schnee taut, setzt sich das Wasser in winzige Ritzen und Spalten im Asphalt. Friert es in der Nacht dann wieder, dehnt sich das Wasser aus. "Es entsteht ein Hohlraum unter der Fahrbahn" erklärt Thomas Müther vom ADAC, "der wird dann von schweren Fahrzeugen eingedrückt." Auch das Streusalz trägt seinen Teil dazu bei: Es bewirkt, dass Schnee und Eis schneller tauen, es fließt also noch mehr potenziell gefährliches Wasser in die Ritzen.
Schäden kann man selber melden
Sonja Todireanu aus Haan
Auch Sonja Todireanu aus Haan im Kreis Mettmann ist Opfer eines Schlaglochs geworden: "Ich hab mich total erschrocken", sagt sie, "ich kenne hier eigentlich alle Schlaglöcher, viele am Rand der Fahrbahn, deshalb fahre ich schon in der Mitte. Da war dann plötzlich ein Neues. Wohin soll man denn noch ausweichen?"
Sie hat den Schaden bei Straßen.NRW gemeldet, und tatsächlich: Das Schlagloch wurde noch am selben Tag geflickt. Hinweise an das Landesunternehmen oder an die lokalen Straßenbetriebe können sich also lohnen. Allerdings wird im Winter nur mir sogenanntem "Kaltasphalt" gearbeitet. Der ist allenfalls eine Übergangslösung und hält maximal ein paar Wochen.
Die Schäden würden dann dokumentiert, erklärt Straßen.NRW-Sprecherin Nina Wischeloh-Petry, "und dann machen wir im Laufe des Jahres, im Regelfall in den warmen Monaten im Sommer, die Asphaltarbeiten und reparieren die Stellen großflächig." Denn erst dann lasse sich Asphalt wirklich gut verarbeiten. Dieses Jahr seien es besonders viele beschädigte Stellen – eine Problemregion sei auch das Münsterland, zum Beispiel die B67 im Raum Borken und die B481 im Raum Emsdetten.
Marode Straßen führen zu mehr Schlaglöchern
Dass die Straßen überhaupt so anfällig sind, kritisiert Jochen Heimberg von den Kommunalbetrieben in Krefeld: "Man ist im Grunde 20 Jahre auf Verschleiß gefahren, sodass die Straßen in einem ganz schlechten Zustand sind. Das bedeutet: Viele Risse, in die im Winter Feuchtigkeit eindringt und die dann zu Schlaglöchern führen". Man müsse die Straßen das ganze Jahr besser in Schuss halten, damit sich nicht so viele Schlaglöcher bilden können.
Ausbesserungsarbeiten an Schlaglöchern in Lüdenscheid
Doch NRW-Verkehrsminister Krischer sieht sich dafür nicht in der Verantwortung. Aus seiner Sicht muss der Bund mehr Geld zur Verfügung stellen, damit die Straßen in gutem Zustand bleiben. Erst zuletzt hatte er im WDR kritisiert, dass die Mittel dafür gekürzt wurden: "Statt die Infrastruktur zu sichern, wird an der Erhaltung gespart und wir zahlen als Land den Preis dafür".
Unsere Quellen:
- Straßen.NRW
- Kommunalbetriebe Krefeld
- Kommunalbetriebe Lüdenscheid
- Verkehrsministerium NRW
Unsere Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 19.01.2026, 18:45 Uhr
Sendung: WDR5, Morgenecho, 19.01.2025, 06:43 Uhr