"Ich hol mir einen gelben Schein" hat der ein oder andere in seinem Bekanntenkreis sicher schon öfter gehört und auch selbst mal gesagt. Eine Statistik der Betriebskrankenkassen hat jetzt ergeben, dass die Fehlzeiten in Deutschland seit Corona gestiegen sind, auch in NRW.
Herne hat die meisten Krankmeldungen in NRW
Vor allem Herne und Gelsenkirchen gehören zu den Spitzenreitern unter den NRW-Städten. Laut BKK fehlten in Herne fast die Hälfte der Beschäftigten sogar länger als sechs Wochen.
Hernerinnen und Herner: Stress und "keine Lust zu arbeiten"
Warum ist das so? Das wollte unser Lokalzeit-Reporter wissen und ist nach Herne gefahren. Was glauben die Hernerinnen und Herner, warum es bei ihnen so viele Krankschreibungen gibt? In ihren Augen könnte ein Auslöser der gestiegene Stress sein, aber auch Ungewissheit am Arbeitsplatz oder einfach schlichtweg "keine Lust zu arbeiten", vor allem bei jungen Leuten.
Henrich Kleyboldt führt seit 24 Jahren den Elektrobetrieb IFÜREL EMSR-Technik in Herne. Für die anfallenden Aufgaben in seinem Betrieb braucht er viele Mitarbeiter. Dazu kommt: Viele von ihnen arbeiten als Monteure meist in rauen Umgebungen. Gesundheit ist hier also ein großes Thema, erzählt Kleyboldt.
Krankschreibungen spiegeln sich in Personalkosten wider
Er spricht positiv über seine Belegschaft, die Krankenquoten in seinem Unternehmen seien in einem guten Bereich. Dass es vermehrt Krankschreibungen gibt, merke man allerdings schon: Vier Prozent der Personalkosten seien Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall.
Junge Bewerber thematisieren Krankheitstage in Bewerbungsgesprächen
Eine mögliche Trendveränderung macht aber auch Kleyboldt an der jungen Generation fest. Sie gehe bereits in Bewerbungsgespräche mit einem anderen Selbstverständnis.
"Die junge Generation thematisiert in Bewerbungsgesprächen schon 'Wie viel Krankheitstage stehen mir zu?'. Da sage ich als Unternehmer: Das hat in einem Bewerbungsgespräch überhaupt nichts zu suchen." Henrich Kleyboldt, Geschäftsführer von IFÜREL EMSR-TECHNIK GmbH & Co KG
Krankheitstage haben im Bewerbungsgespräch nichts zu suchen, findet Geschäftsführer Henrich Kleyboldt
Es seien allerdings nicht nur Kosten, die durch die Krankschreibungen steigen würden, so Kleyboldt. Die Arbeit bleibe eben liegen und müsse von anderen Kollegen "geschultert" werden.
Warum Herne eine so hohe Zahl an Krankschreibungen hat, könnte laut der aktuellen Zahlen von der BKK auch an der Art der Beschäftigung liegen. Es sei ein Unterschied, ob man im Büro oder in der Montage arbeite, so die Statistik.
Ein weiterer Grund sei auch die Region: Im Ruhrgebiet gebe es nach wie vor viele Industriebetriebe, in denen körperlich gearbeitet wird. Hier ist Zahl der Krankheitstage laut der aktuellen BKK-Statistik besonders hoch.
Unsere Quellen:
- Interviews mit Hernerinnen und Hernern
- Interview mit Unternehmer Henrich Kleyboldt
- Statistik der Betriebskrankenkassen (BKK)
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 25.11.2025, 19:30 Uhr