Vor allem Frauen und Rentner entscheiden sich für die Teilzeitarbeit. Auch in NRW steigt die Zahl, besonders bei Lehrkräften. Was sind die Gründe? Und wer entscheidet sich dafür? Fragen und Antworten
Ist der Anstieg der Teilzeitquote überraschend?
Nein, die Teilzeitquote in Deutschland steigt schon seit Jahrzehnten. Es ist also mittlerweile eine normale Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Und dennoch: Mit rund 17 Millionen Menschen sind so viele wie noch nie in Teilzeit tätig. Im Vergleich dazu waren es im Jahr 1992 noch rund sieben Millionen. Was jedoch überrascht: Die wöchentliche Arbeitszeit von Teilzeitkräften ist auf einem neuen Höchststand. Aktuell liegt sie bei durchschnittlich rund 19 Stunden. Das hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) herausgefunden.
Die Zahl der Teilzeitkräfte ist aber nicht gestiegen, weil Vollzeitbeschäftigte weniger arbeiten. Im Gegenteil: In Deutschland würden sogar mehr Arbeitsstunden geleistet, sagt IAB-Arbeitsmarktforscher Enzo Weber.
Nach IAB-Auswertung steigt die Teilzeitquote vor allem dadurch, dass Branchen wie Pflege und Erziehung stark gewachsen sind. Das sind typischerweise Bereiche, in denen vermehrt Frauen arbeiten. Und Frauen arbeiten öfters in Teilzeit. Dadurch ist nun auch die Teilzeitquote der Beschäftigten insgesamt gestiegen.
Wer arbeitet denn in Teilzeit und warum ?
Laut Statistischem Bundesamt arbeiten knapp 50 Prozent der Frauen in Teilzeit. Bei den Männern sind es mit nur zwölf Prozent deutlich weniger. Die Teilzeitarbeit ist also immer noch ein sehr weibliches Arbeitsmodell. Das hat damit zu tun, dass viele Frauen und Mütter in der Familienphase ihre Stunden reduzieren – entweder freiwillig oder weil sie es nicht anders organisieren können. Denn wenn Kitaplätze und Betreuungsstrukturen fehlen, ist der Wiedereinstieg in den Beruf mit einer vollen Stelle schwierig.
Hierdurch gehe viel Potenzial verloren, sagt Weber. Er fordert, flexiblere Rahmenbedingungen, um Frauen und Müttern den Eintritt in den Arbeitsmarkt zu erleichtern und vor der sogenannten "Teilzeitfalle" zu schützen: "Gerade bei der Beschäftigung von Frauen, da knickt die berufliche Entwicklung häufig mit der Mutterschaft ab und erholt sich später auch nicht mehr. Teilzeitfalle heißt das oft. Wenn wir jetzt aber darauf schauen, was passiert zum Beispiel durch Kita-Ausbau, dann stellt man fest, diejenigen, die vorher eigentlich mehr arbeiten wollten, aber das einfach nicht konnten, die arbeiten dann tatsächlich mehr."
Es gibt aber auch noch eine weitere Bevölkerungsgruppe, die dank Teilzeitarbeit dem Arbeitsmarkt erhalten bleibt: Rentnerinnen und Rentner. Viele ältere Menschen arbeiten auch im Rentenalter. Einerseits aus finanziellen Gründen, aber auch weil sie noch nicht komplett aus dem Berufsalltag aussteigen wollen.
Ist die Teilzeitquote in Deutschland höher als in anderen EU-Ländern?
Die Teilzeitquote ist in Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern tatsächlich höher. Nur in den Niederlanden und in Österreich arbeiten mehr Menschen in Teilzeit. Das heißt aber nicht, dass in Deutschland insgesamt weniger gearbeitet wird als in anderen Ländern. Denn wenn man sich die durchschnittliche Stundenzahl pro Woche anschaut - das sind 40,2 Stunden - dann liegt Deutschland nur 0,1 Prozentpunkte unter dem EU-Durchschnitt.
Laut Weber hat gerade Deutschland im internationalen Vergleich eine sehr hohe Erwerbsquote. Laut Statistischem Bundesamt lag die Quote im Jahr 2024 fast 80 Prozent. In Griechenland beispielsweise waren es hingegen nur knapp 51 Prozent. Das kommt auch daher, dass die Erwerbstätigkeit von Frauen in Deutschland hoch ist. Auch wenn viele von ihnen Teilzeit arbeiten.
Ist der Teilzeitjob ein „Karriere-Killer“?
Leider hat ein Teilzeitjob immer noch viele Nachteile. Gerade wenn es um die berufliche Entwicklung geht. Arbeitsmarktforscher sagen, dass Teilzeitkräfte in der Regel schlechtere Chancen haben, in eine Führungsposition aufzusteigen. Außerdem bekommen sie vergleichsweise geringere Löhne. Das führt entsprechend auch zu einer kleineren Rente.
Unsere Quellen:
- Interview mit Enzo Weber, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)
- Interview mit Andrea Hammermann, Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
- Statistisches Bundesamt (DESTATIS)
Über dieses Thema berichtet der WDR am 03.09.2025 auch im Hörfunk: "Das Wirtschaftsmagazin" bei WDR 5 um 13.34 Uhr.