ChatGPT bekommt Werbung: Was das für Nutzer bedeutet
02:44 Min.. Verfügbar bis 11.02.2028. Von Jörg Schieb.
ChatGPT bekommt Werbung: Was das für Nutzer bedeutet
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OpenAI führt Werbeanzeigen in seinem KI-Chatbot ChatGPT ein – zunächst nur in den USA. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt, wer solche Anzeigen zu sehen bekommt und was das mittelfristig für die Nutzer bedeuten kann.
Von
Jörg Schieb
Es ist eine Kehrtwende, die Insider schon länger erwartet haben: Der US-Konzern OpenAI beginnt damit, Werbung in seinem beliebten Chatbot ChatGPT zu schalten.
Das Unternehmen kündigte nun an, in den USA Anzeigen im Chatbot zu zeigen. Für Firmenchef Sam Altman ist das ein bemerkenswerter Richtungswechsel – noch vor wenigen Monaten hatte er sich vehement gegen Werbung in KI-Bots ausgesprochen.
Erst USA, erst kostenlos – aber wie lange noch?
Vorerst läuft der Test nur in den Vereinigten Staaten. Werbung sehen werden erstmal ausschließlich eingeloggte erwachsene Nutzer (Jugendliche sind ausgenommen), die entweder den kostenlosen Tarif oder den acht Euro monatlich teuren "Go"-Tarif nutzen.
Wer mehr bezahlt (Plus oder Pro Account, ab 20 Dollar im Monat), bleibt von Werbung verschont. Wann die Werbung auch nach Deutschland oder Europa kommt, wollte das Unternehmen noch nicht sagen. Doch die Erfahrung zeigt: Was in den USA beginnt und dort funktioniert, wird früher oder später auch in der EU eingeführt.
Allerdings gibt es in der Tech-Szene Zweifel, dass es bei diesem Test bleiben wird. Die Geschichte des Silicon Valley ist voll von Diensten, die zunächst ohne oder mit wenig Werbung gestartet sind – und dann die Anzeigen schrittweise ausgeweitet haben. Für die Nutzer wurde das Erlebnis dabei selten besser.
Warum OpenAI jetzt auf Werbung setzt
Nutzer können die Werbung in ChatGPT abschalten, bekommen dann aber weniger Leistung
OpenAI begründet den Schritt mit den enormen Kosten für Infrastruktur und "laufende Investitionen". Der bei OpenAI für Werbung und Monetarisierung zuständige Manager Asad Awan erklärt: "Wir glauben, dass Werbung eine wichtige Rolle dabei spielt, den breiten Zugang zu KI weiterhin zu unterstützen."
Was diplomatisch klingt, hat einen handfesten Hintergrund: OpenAI benötigt viel Geld für Rechenzentren und Chips, um im KI-Rennen mit Google, Meta und anderen Giganten zu bestehen. Die Preise, die das Unternehmen von Werbekunden verlangt, zeigen, wie wertvoll diese neue Einnahmequelle ist: Pro tausend Kundenkontakten werden 60 Dollar fällig – dreimal so viel wie Meta für Online-Werbung verlangt. Zudem müssen sich Werbekunden verpflichten, Anzeigen im Wert von mindestens 200.000 Dollar zu buchen.
Das Versprechen: Getrennt und ohne Einfluss
OpenAI verspricht, dass die Anzeigen die Antworten von ChatGPT nicht beeinflussen werden. Werbekunden würden keinen Zugriff auf Chats oder persönliche Daten haben. Zudem sollen die Anzeigen visuell von den Antworten des Chatbots getrennt werden (als "Sponsored" gekennzeichnet, so ähnlich wie bei Google), heißt es in einem Blogbeitrag des Unternehmens.
Nutzer, die im kostenlosen Tarif keine Werbung sehen möchten, können diese laut OpenAI entfernen lassen. Allerdings wird dann die Anzahl der täglich kostenlos nutzbaren Chats reduziert. Mit dieser Option dürfte das Unternehmen hoffen, mehr zahlende Kunden zu gewinnen.
Die Skepsis: Werden die Versprechen halten?
In Techforen ist die Befürchtung allgegenwärtig, dass OpenAI seine heute gegebenen Versprechen irgendwann doch brechen könnte. Ein Beispiel dafür, wie die Trennlinien zwischen Werbung und Inhalten mit der Zeit aufgeweicht werden, sind Googles Suchergebnisse.
Bekannt aus Social Media: User entscheiden, ob auch persönliche Daten genutzt werden dürfen für Anzeigen
Anfangs wurden Anzeigen durch dicke blaue Schrift oder gelb unterlegte Boxen deutlich abgegrenzt. Heute sind sie optisch nicht mehr von den eigentlichen Suchergebnissen zu unterscheiden und werden nur durch den Hinweis "Gesponsertes Ergebnis" kenntlich gemacht.
Der Autor und Blogger Cory Doctorow hat für solche Vorgänge den Begriff "Enshittification" geprägt – eine Art Verfallsprozess in drei Stufen. Zunächst werden Nutzer mit hochwertigen kostenlosen Angeboten angelockt, finanziert durch Risikokapital. Dann wird die gewachsene Nutzerbasis verwendet, um Werbekunden anzulocken. Am Ende wird versucht, das Maximum an Gewinn herauszuholen – oft auf Kosten der Qualität.
Die Gefahr für das Vertrauen
Besonders problematisch könnte die Werbung werden, weil viele Menschen ihren KI-Chatbots heute sehr persönliche Informationen anvertrauen. Sie nutzen ChatGPT teilweise als Therapeuten, medizinische Berater oder Karriere-Coaches. Medienwissenschaftler Björn Staschen warnt, dass Werbung in ChatGPT "nicht die besten Angebote" für ein gesuchtes Produkt anzeigen werde, "sondern die wirtschaftlich attraktivsten für OpenAI".
Weil viele Menschen "KI als denkendes Wesen wahrnehmen", das "unser Bestes im Sinn" hat, bestehe die Gefahr, dass Nutzer "keine freien Konsumentscheidungen mehr treffen", sondern mit ihren Daten zum Produkt werden.
Was die Forschung zeigt
Die Forschung hat bereits untersucht, welche Wirkung Werbung im Chatbot haben kann. Forscher der University of Michigan bauten einen eigenen KI-Bot, der im Chat Werbeanzeigen an seine Antworten anfügt. Ein Experiment mit 179 Teilnehmern hat gezeigt, dass viele Testpersonen große Schwierigkeiten hatten, die Werbung als solche zu erkennen.
Zudem fanden die Forschenden heraus, dass die integrierten Anzeigen die Leistung der hinter einem KI-Chatbot stehenden sogenannten Large Language Models negativ beeinflussen – die Leistung sei in bestimmten Bereichen um etwa zwei Prozentpunkte abgefallen.
Wie die Konkurrenz reagiert
Demis Hassabis, Chef bei Googles KI-Ableger Deepmind, hatte kürzlich gesagt, dass man "keine Pläne" habe, Werbung in Googles KI-Bot Gemini einzubauen. Dauerhaft ausgeschlossen hat er das aber nicht. Denkbar wäre, dass Google abwartet, wie sich das Werbegeschäft bei ChatGPT entwickelt – und dann nachzieht, wenn sich ein Erfolg abzeichnet.
Besonders unter Druck steht der ChatGPT-Konkurrent Anthropic. Das Unternehmen hatte zum Super Bowl eine Reihe von Werbevideos veröffentlicht, in denen es sich lautstark über OpenAIs Werbepläne lustig machte. Ein Einstieg ins Werbegeschäft wäre für Anthropic nun mit einem enormen Gesichtsverlust verbunden.
Ein Wendepunkt für die KI-Branche
Die Einführung von Werbung in ChatGPT markiert einen Wendepunkt in der Entwicklung kommerzieller KI-Dienste. Es geht nicht mehr nur darum, die beste Technologie zu entwickeln, sondern auch darum, damit möglichst viel Geld zu verdienen.
Ob das Vertrauen der Nutzer dabei auf der Strecke bleibt und ob die Qualität der Antworten leidet, wenn wirtschaftliche Interessen eine größere Rolle spielen – diese Fragen werden die KI-Branche in den kommenden Monaten begleiten.
Unsere Quellen:
- OpenAI
- dpa
Sendung: WDR.de, OpenAI hat angekündigt, im Chatbot ChatGPT Werbung zu zeigen, 11.02.2026, 16.20 Uhr