ChatGPT bekommt automatische Alterserkennung

21.01.2026 03:46 Min. Verfügbar bis 21.01.2028 Von Jörg Schieb, Jörg Schieb

ChatGPT bekommt nach viel Kritik automatische Alterserkennung

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OpenAI führt eine automatische Alterserkennung für ChatGPT ein – nach diversen Vorfällen und Klagen. Das soll Minderjährige schützen, doch Kritiker sehen vor allem wirtschaftliche Interessen. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb über die Hintergründe und wie andere KI-Chatbots wie Claude, Gemini oder Copilot mit Jugendschutz umgehen.

Von Jörg Schieb, WDR-Digitalexperte.Jörg Schieb

OpenAI will eine automatische Alterserkennung für ChatGPT einführen. Der KI-Chatbot soll künftig selbst erkennen, ob jemand noch unter 18 Jahren ist - und dann vor problematischen Themen und Inhalten schützen. Schon in den nächsten Wochen soll der neue Jugendschutz in der EU kommen.

Für viele Eltern stellt sich die Frage: Wie soll das funktionieren? Und was machen andere KI-Chatbots wie Claude, Gemini oder Copilot, um Jugendliche zu schützen?

Erst ignoriert, jetzt reagiert

OpenAI behandelt Jugendliche bislang genauso wie Erwachsene. Während Social-Media-Plattformen längst zumindest rudimentäre Altersbeschränkungen eingebaut haben, kann sich bislang jeder bei ChatGPT ohne Altersverifikation anmelden. Das Mindestalter von 13 Jahren blieb reine Formsache, überprüft wird bislang nichts.

Die Quittung folgte: In den USA verklagen Eltern das Unternehmen, weil ChatGPT Minderjährigen angeblich Ratschläge zur Selbstverletzung gegeben haben soll. Der Fall eines 16-Jährigen, dessen Tod die Eltern mit der Nutzung von ChatGPT in Verbindung bringen, sorgte für Schlagzeilen. Auch im US-Kongress musste sich OpenAI rechtfertigen.

Jetzt, unter massivem politischem und gesellschaftlichem Druck, kommt die Kehrtwende. Seit dieser Woche analysiert ChatGPT das Nutzungsverhalten: Wann ist jemand online? Wie alt ist das Konto? Welche Themen interessieren die Person? Aus diesen Puzzleteilen stuft das System Nutzer als minderjährig oder erwachsen ein. Künstliche Intelligenz kann so etwas relativ zuverlässig einschätzen.

Automatischer Schutz bei Minderjährigen

10 Jahre OpenAI – was ChatGPT verändert hat

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Wer in die Kategorie "unter 18" fällt, bekommt künftig automatisch den Schutzmodus. Dann sind Gewaltdarstellungen, Selbstverletzung, sexuelle Rollenspiele oder gefährliche Online-Challenges tabu. Auch Inhalte zu extremen Diäten oder unrealistischen Schönheitsidealen sollen dann geblockt werden.

Das System scheint allerdings alles andere als perfekt. Im Zweifel stuft die KI Nutzer als minderjährig ein. Erwachsene, die fälschlicherweise als Teenager klassifiziert werden, müssen ihr Alter über den Drittanbieter "Persona" verifizieren - per Ausweis-Upload oder Selfie. Datenschützer kritisieren, dass damit sensible biometrische Daten gesammelt werden.

Wie andere KI-Chatbots mit Jugendschutz umgehen

ChatGPT ist nicht der einzige KI-Chatbot auf dem Markt. Doch wie geht die Konkurrenz mit dem Thema Jugendschutz um?

Google Gemini setzt ebenfalls auf ein Mindestalter von 13 Jahren, allerdings mit einer Besonderheit: In einigen Ländern, darunter auch Deutschland, liegt die Altersgrenze bei 18 Jahren für bestimmte Funktionen. Google verlangt bei der Anmeldung ein Geburtsdatum, eine echte Verifizierung findet jedoch nicht statt. Gemini blockt auf Anfrage automatisch Inhalte zu Gewalt, Sexualität oder Drogen - unabhängig vom Alter. Spezielle Jugendschutz-Modi wie bei ChatGPT gibt es nicht.

Microsoft Copilot (früher Bing Chat) ist in die Microsoft-Infrastruktur eingebunden. Wer ein Microsoft-Konto hat, kann Copilot nutzen. Das Mindestalter liegt bei 13 Jahren. Microsoft setzt auf seine bestehenden Familienkonten-Funktionen: Eltern können über "Microsoft Family Safety" die Aktivitäten ihrer Kinder sehr gut überwachen und Inhalte filtern. Eine automatische Alterserkennung wie bei ChatGPT gibt es nicht. Copilot nutzt den gleichen Content-Filter wie die Bing-Suchmaschine.

Anthropic Claude hat offiziell ein Mindestalter von 13 Jahren in den USA und 16 Jahren in Europa. Eine Altersverifikation findet nicht statt. Claude ist grundsätzlich konservativer programmiert als ChatGPT: Der Chatbot lehnt von sich aus Anfragen zu sensiblen Themen ab - egal ob von Erwachsenen oder Jugendlichen. Spezielle Schutzfunktionen für Minderjährige existieren nicht, da das Sicherheitssystem für alle Nutzer gleich streng ist.

Perplexity gibt ein Mindestalter von 13 Jahren vor, überprüft dieses aber ebenfalls nicht. Der KI-Suchassistent filtert keine Inhalte basierend auf dem Alter. Da Perplexity hauptsächlich Informationen aus dem Web zusammenfasst, können auch unangemessene Inhalte in den Antworten landen. Ein Jugendschutz-Problem, das bislang ungelöst bleibt.

Das Grundproblem: Freiwilligkeit statt Kontrolle

Die Übersicht zeigt: Die meisten KI-Chatbots setzen auf Selbstauskunft statt echter Altersprüfung. ChatGPTs neues System ist hier tatsächlich ein Vorreiter - allerdings einer, der erst nach massivem Druck aktiv wurde.

Die Frage bleibt: Ist eine automatische Alterserkennung überhaupt notwendig? Viele Experten sagen: Ja. Studien zeigen, dass Jugendliche besonders anfällig für problematische Inhalte sind. KI-Chatbots können - anders als Suchmaschinen - personalisierte, überzeugende Antworten geben. Das macht sie potenziell gefährlicher.

Andere Länder gehen bereits weiter. In Italien müssen alle KI-Dienste das Alter ihrer Nutzer verifizieren, sonst drohen hohe Strafen. Frankreich und Spanien diskutieren ähnliche Regelungen.

Was Eltern tun können – und müssen

Titel verschiedener KI-Agenten und Chatbots

Bisher dominieren amerikanische Sprachmodelle

Auf die Tech-Konzerne sollten sich Eltern nicht verlassen. Die Schutzfunktionen sind halbherzig, die Kontrollen lückenhaft. Jahrelang haben die Unternehmen weggeschaut, solange die Nutzerzahlen stimmten.

Der wichtigste Tipp: Das Gespräch suchen. Gemeinsam die ersten Anfragen an KI-Chatbots stellen und beobachten, welche Antworten kommen. Interesse zeigen für das, was Kinder online machen. Welche Fragen stellen sie der KI? Nicht aus Kontrolle, sondern aus echtem Interesse.

Die beste Jugendschutz-Software ist und bleibt das Gespräch - auch wenn das komplizierter ist als jede Künstliche Intelligenz. Die Frage bleibt: Wie viel Überwachung für wie viel Sicherheit? Und: Warum haben die Konzerne nicht längst freiwillig gehandelt?

Sendung: WDR.de, ChatGPT bekommt automatische Alterserkennung, 21.1.2026, 18:15 Uhr

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