Die Energiepreise haben einen großen Einfluss auf die Inflation, denn die hohen Kosten für Energie spüren nicht nur die Verbraucher, sondern auch die Unternehmen in NRW. Wirtschaftsexperten gehen deshalb davon aus, dass es auch jenseits der Tankstellen teurer wird.
Inflation von bis zu sechs Prozent?
Nach dem starken Preisanstieg durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sind die Preise im letzten Jahr wieder weniger stark gestiegen. Im Februar 2026 lag die Inflation in NRW bei 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wirtschaftsökonomen gehen davon aus, dass die Inflation - also die Preissteigerung im Vergleich zum Vorjahr - für 2026 bei 2,6 Prozent liegen wird.
Torsten Schmidt vom Essener Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) geht sogar davon aus, dass die Preise in einzelnen Monaten zum Teil sogar noch stärker steigen: "Wenn die Ölpreise auf 150 Dollar pro Barrel steigen, was auch Ölexperten immer wieder für nicht unmöglich halten, dann würden wir eine Inflationsrate in einzelnen Monaten von sechs Prozent für durchaus realistisch halten."
Warum sich Kraftstoff-Preise auch auf andere Preise auswirken
Die Fabriken in NRW verbrauchen täglich riesige Mengen an Benzin, Diesel oder Gas. Im Ruhrgebiet zum Beispiel benötigt die Stahlindustrie Gas für die Verarbeitung, die Landwirte benötigen Kraftstoff, um ihre Traktoren zu betreiben und Dünger herzustellen. Die Chemieindustrie im Rheinland braucht Rohöl als Basis für viele Produkte wie Kunststoffe. Täglich sind außerdem tausende Lkw auf den Straßen im Land unterwegs, um Waren zu transportieren.
Für die Betriebe steigen bei steigenden Energiepreisen auch die Produktionskosten. Die Herstellung ihrer Waren wird also teurer - und die Kosten werden häufig auf die Waren umgelegt. Kundinnen und Kunden müssen tiefer in die Tasche greifen.
Steigende Kosten für Kraftstoffe könnten auch Kunden im Supermarkt spüren.
Weniger Wachstum für die Wirtschaft
Steigen die Preise, sinkt auch die Nachfrage bei den Kunden: Es wird weniger Geld ausgegeben. Für die Wirtschaft bedeutet das weniger Wachstum. Das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln rechnet damit, dass die die Wirtschaft in diesem Jahr weniger stark wachsen wird.
Prof. Dr. Torsten Schmidt vom RWI in Essen
Was braucht die Wirtschaft jetzt, um sich zu entspannen? Torsten Schmidt vom RWI betont, wie wichtig die Versorgung mit Öl und Gas ist. "Das Beste wäre, wenn der Krieg - auch aus anderen Gründen natürlich - schnell beendet werden würde. Dann würde sich die Produktion wieder normalisieren". Auch die Freigabe der wichtigen Wasserstraße von Hormus im persischen Golf würden dafür sorgen, dass die Lieferketten wieder funktionieren und die Preise wieder sinken.
Unsere Quellen:
- Interview mit Torsten Schmidt vom RWI Essen
- Institut der Deutschen Wirtschaft Köln
- Kiel Institut für Weltwirtschaft
- it.nrw
Sendehinweis: WDR5, Wirtschaftsmagazin, 13.03.2026, 13.34 Uhr