Blick auf das Geißbockheim -Trainingsgelände des 1. FC Köln

Trainingsflächen benötigt: Schwierige Standortsuche im Rheinland

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Sowohl der 1. FC Köln als auch Bayer Leverkusen brauchen mehr Platz, finden ihn aber nicht. Was zählt mehr: Umweltschutz oder sportlicher Erfolg?

Von Ingo NeumayerIngo Neumayer

In der Zuschauertabelle der Bundesliga liegt Bayer Leverkusen zwar nur im unteren Mittelfeld, aber zumindest von außen dürfte das Stadion des Vereins das meistgesehene in Deutschland sein. Denn es liegt direkt neben dem Autobahnkreuz Leverkusen, wo sich die A1 und die A3 treffen. Täglich fahren 250.000 Fahrzeuge hier vorbei - einer der meistbefahrenen Verkehrsknoten im Land. Um hier etwas Entlastung zu schaffen, wird die A1 ab 2031 ausgebaut. Mit großen Folgen für den Verein. Denn dadurch fallen die Trainingsplätze für die Bayer-Kicker weg, die derzeit direkt neben dem Stadion liegen.

Ein Ersatz muss also her - und das schnell. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn der Standort, den sich der Verein in Langenfeld ausgeguckt hatte, liegt in einem Wasserschutzgebiet, der Bau wurde von der Bezirksregierung nicht genehmigt. Danach wurde man ein paar Kilometer rheinabwärts in Monheim fündig. Dort gibt es ein Areal, das bereits der Bayer AG gehört, und das genug Platz für zwölfeinhalb Trainingsplätze sowie ein modernes Trainingsgebäude bietet, in dem die Kicker trainieren, regenerieren und sich behandeln lassen können.

Leverkusen-Trainingsplätze in Monheim eher unerwünscht

Das Trainingsgeländer von Bayer Leverkusen

Das alte Bayer-Gelände muss 2031 geräumt werden

Doch auch hier regt sich Protest: Eine breite Koalition aus CDU, SPD, FDP und Grünen im Monheimer Stadtrat sieht das Projekt kritisch und will sich offenbar am Mittwoch dagegen aussprechen. Anwohner machen sich Sorgen wegen der Lautstärke und des zusätzlichen Verkehrs, denn nicht nur die Profis, auch die Frauen sowie die Bayer-Nachwuchsmannschaften sollen dort trainieren - insgesamt rund 250 Sportlerinnen und Sportler. Zudem würde durch den Bau der Monheimer Grüngürtel beschädigt und der Lebensraum für dort lebende Tiere und Pflanzen eingeschränkt.

"Die allerbeste Lösung wäre für Bayer 04 ein Sportcampus in Leverkusen", sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Markus Gronauer dem WDR. Und die Bürgerinitiative, die Stimmen gegen den Bau sammelt, fragt in einer Petition: "Bayer 04 Leverkusen ist kein Monheimer Verein – warum also soll unsere Stadt eine Entwicklung übernehmen, die Leverkusen selbst nicht stemmen kann oder will?"

Bayer Leverkusen will aber an den Bauplänen festhalten. Eine Alternative gäbe es nicht, sagte der Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes der "Rheinischen Post": "Wir bleiben dran an diesem Standort. Wir haben keinen Plan B." Das neue Trainingszentrum sei wichtig, um sportlich mithalten zu können, so Rolfes: "Ohne den Campus werden wir in zehn Jahren nicht mehr um die Deutsche Meisterschaft spielen können. Das muss allen bewusst sein. Es geht nicht um ein 'Nice-to-have', sondern um ein 'Must-have'."

Köln: Seit über einem Jahrzehnt Streit um den Standort

Konrad Adenauer der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland

Adenauer ließ in den 1920er Jahren den Grüngürtel anlegen

Eine ähnliche Diskussion gibt es seit Jahren beim Konkurrenten in Köln. Denn auch beim 1. FC Köln wird der Platz rund um das Vereinsgelände im Süden der Stadt zu klein. Drei neue Plätze und ein neues Leistungszentrum sollen her - am liebsten direkt in der Nähe des Geißbockheims. Im Blick hat man dafür die Gleueler Wiese - laut BUND ein artenreiches Biotop, in dem viele Insekten leben. Anwohner und Naturschützer sind daher dagegen und berufen sich unter anderem auf Konrad Adenauer.

Denn der hatte in den 1920er Jahren als Oberbürgermeister den Grüngürtel rund um Köln konzipiert und durchgesetzt. Die Bewohner der Stadt sollten so Zugang zu "unberührter Natur" haben und sich so besser erholen können. Friedmund Skorzenski, Sprecher der Bürgerinitiative "Grüngürtel für alle", befürchtet zudem negative Auswirkungen auf das Klima der angrenzenden Stadtviertel: "Dadurch könnte der natürliche Ausgleich mit Kaltluft und Verdunstung nicht mehr stattfinden."

Offene Tore: FC will "keine Festung" bauen

Doch es gibt auch etliche Befürworter des Ausbaus. Und das nicht nur in den Vereinsgremien, auch viele Kölner Fans sind dafür. So gab es Ende August eine Demo in der Innenstadt, bei der sich mehrere tausend Menschen für den Ausbau aussprachen.

Fans des 1. FC Köln mit Fahnen und Bannern

In Köln gab es Demos gegen den Ausbau - und dafür

Denn anders als im Fall Leverkusen/Monheim wollen der FC und sein Umfeld natürlich auf keinen Fall die Stadtgrenze verlassen und die traditionelle Heimat aufgeben. Dass das bei vielen Fans zieht, ist nicht überraschend. Dazu kommt, dass der Verein versucht, die Bürger "mitzunehmen". So sollen die Plätze auch von anderen Vereinen und sogar von Schulen genutzt werden können. "Hier entsteht keine FC-Festung, sondern ein offenes Sportareal für ganz Köln!", verspricht der Verein in einer Mitteilung.

Gerichte entscheiden über Kölner Trainingsgelände

Der Streit um den Ausbau in Köln dürfte die Stadt und den Verein noch länger beschäftigen. Derzeit liegt der Fall beim Oberverwaltungsgericht Münster, das im Juni 2026 über den Bebauungsplan entscheiden will. Und auch das muss nicht das letzte Wort sein. Die Bürgerinitiative "Grüngürtel für alle" hat laut "Kölnischer Rundschau" bereits angekündigt, alle Rechtsmittel auszuschöpfen und wenn nötig bis vor das Bundesverwaltungsgericht zu ziehen.

In Monheim sind bislang noch keine Gerichte involviert. Stattdessen sucht Bayer Leverkusen den Dialog. Geschäftsführer Rolfes hat angekünfigt, in der kommenden Woche Gespräche mit den Ratsparteien führen zu wollen. Wer zuerst sein neues Trainingsgelände eröffnen kann - Bayer Leverkusen oder der 1.FC Köln - das ist derzeit nicht absehbar. Allerdings stehen beide Fälle exemplarisch für die verschiedenen Interessen und Motive, die rund um den Profifußball herrschen.

Auswirkungen auf Umwelt, Wirtschaft, Kultur: Fußball hat viele Facetten

Einerseits lässt die Umwelt- und Nachhaltigkeitsbilanz bei den Vereinen im Profisport oft zu wünschen übrig: Neben Eingriffen in Umwelt und Ökosysteme, die für Stadien und Trainingsgelände gemacht werden, sind da auch noch die Millionen Fans, die regelmäßig quer durch Deutschland unterwegs sind. Der Sportökonom Jörg Kleinschmidt schätzt, dass alleine die Auswärtsfans jedes Wochenende für 7.500 Tonnen CO2 verantwortlich sind - um das zu kompensieren, müsste man theoretisch an jedem Spieltag 60.000 Bäume Pflanzen.

Andererseits sind Fußballvereine wichtige Standortfaktoren: Sie beschäftigen hunderte von Mitarbeitern, zahlen Steuern, Mieten und Pacht, sorgen an den Spieltagen regelmäßig für Einnahmen in Hotels, Kneipen und Restaurants. Und auch der Wert, der sich nicht so einfach mit Zahlen und Umsätzen beziffern lässt, ist enorm. Denn Fußball ist in Deutschland ein Kulturgut, und eine Stadt, in der Bundesliga-Spiele stattfinden, gewinnt dadurch an Attraktivität. Die Diskussion wird uns also sicher noch eine Weile beschäftigen.

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagenturen dpa, AP, SID
  • Autobahn GmbH
  • Rheinische Post
  • Stadt Köln
  • Kölnische Rundschau

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