NRW baut Elektrifizierung des Bahnverkehrs aus
Stand:
Verkehrsminister Krischer kündigte einen weiteren Ausbau des Oberleitungsnetzes an. Das Ziel: Weg vom Diesel, hin zu mehr Strom. Bis 2032 sollen mehr als 250 Streckenkilometer neu elektrifiziert werden.
Von Sabine Tenta
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Zu den Kommentaren [9]Was bei der breiten Berichterstattung der letzten Wochen zum Dieselpreis und seinen Folgen kaum im Fokus stand, waren die Kosten für den Schienenverkehr. Denn immer noch werden lediglich drei Viertel des Verkehrs auf der Schiene elektrisch zurückgelegt. Ein Viertel der Züge, die durchs Land rollen, wird nach wie vor von Dieselloks gezogen. Auch auf der Strecke der Regiobahn S28 zwischen Wuppertal und Kaarst.
Am Mittwoch informierte sich NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) in Mettmann über den Stand des Ausbauprojekts der S28, das bis Ende des Jahres abgeschlossen werden soll. Das Ziel ist laut Ministerium, unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu werden und CO2 einzusparen. Darum setzt die Landesregierung auf einen deutlichen Ausbau: Bis 2032 sollen mehr als 250 Kilometer neu elektrifiziert werden. Damit soll der Anteil der elektrifizierten Schienenabschnitte von jetzt 63 Prozent auf 72 Prozent steigen.
Was können Elektro-Loks?
Auf der rund 50 Kilometer langen S28-Strecke können mit der Elektrifizierung laut NRW-Verkehrsministerium jährlich rund 6.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Das entspreche den Emissionen von rund 1.300 Autos. Im Vergleich zum Dieselbetrieb würden circa 3,5 Kilogramm CO2 pro Zugkilometer eingespart.
Oliver Krischer (2. v.l.) in Mettmann
Darüber hinaus haben die Elektro-Loks weitere Vorteile: Laut Bundesverkehrsministerium schonen sie nicht nur Klima und Umwelt, sondern sind auch leiser. Das elektrische Bahnfahren könne sogar schneller werden, vor allem auf Nebenstrecken mit vielen Halten. Denn Elektroantriebe benötigten weniger Zeit fürs Beschleunigen. So könnten auch zusätzliche Halte realisiert und die Fahrplanqualität verbessert werden. Ein weiteres Plus sei die Möglichkeit der Rückgewinnung der Bremsenergie.
Und wer bezahlt das alles?
Die Elektrifizierung der S28-Strecke kostet laut NRW-Verkehrsministerium 107 Millionen Euro. Davon trägt der Bund 60 Prozent, das Land 30 Prozent und 10 Prozent die Regiobahn, die die Strecke betreibt.
Wie sieht der weitere Ausbauplan in NRW aus?
Bis Ende 2028 sollen diese Strecken elektrifiziert werden:
- Eifelstrecke zwischen Hürth-Kalscheuren über Nettersheim bis Trier-Ehang in Rheinland-Pfalz (rund 164 Kilometer, davon liegen 65 in NRW)
- Voreifelbahn zwischen Bonn und Euskirchen (33 Kilometer)
- Erfttalbahn von Euskirchen nach Bad Münstereifel (14 Kilometer)
Bis 2029 soll eine teilweise Elektrifizierung der Strecke Langeland-Höxter-Ottbergen erfolgen.
In den 2030er Jahren sollen die Strecken Münster-Gronau-Enschede, die Eurogiobahn (Netz zwischen Herzogenrath, Düren, Alsdorf, Stolberg), die Strecke Horrem-Bedburg und die Strecke Gronau-Coesfeld elektrifiziert werden, letztere nur teilweise.
Ab 2035 stehen dann die Bördebahn (Düren über Zülpich nach Euskirchen) und die Obere Ruhrtalbahn im Hochsauerland (Schwerte bis Warburg) an.
Brauchen Elektroloks zwingend Oberleitungen?
Nein, es gibt auch die Möglichkeit, nicht elektrifizierte Streckenabschnitte zu überbrücken - und zwar mit "innovativen Batterie-Triebzügen (BEMU)", wie das NRW-Verkehrsministerium mitteilt. Die Deutsche Bahn schreibt zu den BEMUS - das Kürzel steht für "Battery Electric Multiple Units" - dass die elektrischen Triebwagen eine wiederaufladbare Batterie an Bord haben.
Damit die BEMUS genügend Ladepunkte haben, baut die DB sogenannte Oberleitungsinseln, also partielle Abschnitte mit Oberleitungen. Dort können dann die Züge während der Fahrt den Akku aufladen. In der Pfalz hat die DB beispielsweise auf einem 240 Kilometer langen Streckennetz mehrere "Oberleitungsinselanlagen" (OLIA) installiert. Hier können die Züge den Akku laden, während sie an entsprechend ausgestatteten Bahnhöfen Halt machen. Das dauert laut DB nicht länger als der übliche Halt für das Ein- und Aussteigen von Fahrgästen.
In NRW sollen im Sommer die ersten BEMUS auf die Schiene kommen und zwar auf der Linie der RE 47 Remscheid-Lennep-Düsseldorf Hbf. 2027 und 2028 sollen weitere Strecken mit den Battery Electric Multiple Units befahren werden, teilte das Verkehrsministerium mit.
Übrigens ...
Der Nachholbedarf bei der Elektrifizierung betrifft in Deutschland besonders den Regional- und Nahverkehr. Denn Güter- und Fernverkehrszüge fahren meist auf bereits elektrifizierten Hauptstrecken. Der Regionalverkehr hingegen bedient auch die weniger genutzten Nebenstrecken.
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung Verkehrsministerium
- Informationen der Deutschen Bahn
- Vor-Ort-Reporter
Sendung: WDR 5, Nachrichten- / Mehr Bahnen in NRW sollen elektrisch fahren, 08.04.2026, 14:00 Uhr
WDR 5 Westblick, Mehr Strom für NRW: Elektrifizierung der Bahn, 08.04.2025, 17:05 Uhr
9 Kommentare
Kommentar 9: Isidor Suppengrün schreibt am 10.04.2026, 15:25 Uhr :
Frank Dost, Sie können gerne eine Petition unterstützen, die im Kommentarbereich konkrete Maßnahmen für wirksamen Stromschlagschutz im Oberleitungsbetrieb vorschlägt. Denn die meisten tödlichen Stromunfälle Befugter und Unbefugter passieren beim Aufstieg auf ungesperrte Leitern an Waggons und Masten. Eine Verlinkung ist hier leider untersagt. Daher google Sie bitte: change org sicherheitsmaßnahmen-für-zugang-zu-bahngelände-und-abstellgleise-verstärken Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Kommentar 8: Isidor Suppengrün schreibt am 10.04.2026, 14:18 Uhr :
Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)
Kommentar 7: Gernot Hassbrecht schreibt am 09.04.2026, 19:03 Uhr :
Nein, Oberleitungen haben viele Nachteile, denn zahlreiche Zugstörungen und -ausfälle gehen auf das Konto von Oberleitungen. Zweitens enthält der Bahnstrommix allein 413 MW Kohlestrom aus dem bahneigenen Kraftwerk Datteln. 100 % Grünstrombetrieb plant die Bahn erst ab 2034. Bis da hin sind mit fahrdrahtlosen Akkuzügen größere Reichweiten möglich und mit komplett mit klimafreundlichen Kraftstoffen fährt DB Cargo schon heute. Beide Lösungen kosten den Steuerzahler einen Bruchteil der Bahnelektrifizierung. Drittens passieren in keinem Bahnsystem so viele Menschen- und Tierunfälle wie im angeblich umweltfreundlichen Oberleitungssystem, das nebenbei rund 8000 km Hochspannungstrassen benötigt.
Antwort von Frank Dost , geschrieben am 10.04.2026, 09:51 Uhr :
Bis auf wenige Ausnahmen ist ihr Inhalt vollkommen sinnlos! DB Cargo fährt nur mit relativ wenig modernen Dieselloks. In der Regel sind die Mehrzahl der Maschonen je nach Region, noch alte ex DDR-DR Maschinen. Zum Thema Akku gilt, ja auch diese müssen geladen werden. Und Unfälle in der Kombination Mensch & Oberleitung ist sowas von daneben und belegt dass Sie grundsätzlich gegen den Einsatz der E-Zraktion sind!
Antwort von Balduin Löffel , geschrieben am 10.04.2026, 14:09 Uhr :
Frank Dost, offenbar wissen Sie nicht, dass DB-Cargo-Tfz neu oder remotorisiert sind und mit HVO im Tank 90% weniger CO2 ausstoßen. So klimafreundlich ist der Bahnstrommix, der u.a. 413 MW Kohlestrom aus Datteln enthält, noch lange nicht. Nebenbei emittiert der elektrische Bahnbetrieb allein durch Fahrdrahtabrieb rund 400 t Feinstaub jährlich. Bei gleicher Radarbeit im Dieselbetrieb mit aktueller Abgasnorm EUR IIIB wären es rechnerisch maximal 285 t. Akkus kann man auch zu Schwachlastzeiten nachts laden, d.h. im Stillstand. Dazu braucht es keinen Fahrdraht. Die im Vergleich größten Unfallzahlen des elektrischen Bahnbetriebs sind bittere Wahrheit - für Leute wie Sie, die ihre Interessen durch hilfloses Leugnen verraten.
Kommentar 6: Ulrich Eickmann-Martini schreibt am 09.04.2026, 13:31 Uhr :
Vielen Dank für diesen Beitrag! Ein kleiner inhaltlicher Hinweis: Die S28 fährt bereits seit Ende 2020 bis nach Wuppertal. Aufgrund von Baustellen, aber vor allem wegen Ausfällen defekter, veralteter Diesel-Triebwagen, konnte die verlängerte Strecke in den letzten Jahren leider nicht zuverlässig bedient werden. In dem Beitrag wird es wiederholt so dargestellt, als sei die Verlängerung erst mit Abschluss der Elektrifizierung möglich - das ist so nicht richtig! Siehe auch https://www.regiobahn.de/unternehmen/verlaengerung-wuppertal
Kommentar 5: Mel schreibt am 08.04.2026, 23:45 Uhr :
Ich schließe mich Herrn Schäfer an. Elektrifizierung der Schiene ist richtig und wichtig. Noch wichtiger ist aber, dass Herr Krischer die dringend benötigten Reaktivierungen und (zweispurigen) Ausbau von Bahnstrecken schneller und mit mehr Druck voran treibt. Das ist doch jetzt bei den Spritpreisen das Gebot der Stunde! Warum passiert beim zweispurigen Ausbau der Strecke Münster-Dortmund nix, obwohl der Bund schon grünes Licht zumindest für den Teilausbau gegeben hat? Warum zieht sich die Reaktuvierung so vieler Strecken so lange hin? Wir haben die Gleise doch! Muss man mit Geld zwar teils wieder auf Stand bringen. Aber klimafreundlicher geht's nicht, gleiches gilt für den Güterverkehr. Ich fänd es auch gut, wenn der Bund es als Staatsziel definierte, dass Bahnstrecken grundsätzlich als wichtige Infrastruktur dauerhaft betrieben werden müssen. Und: Warum es immer noch die Kosten-Nutzen-Analyse bei Bahnstrecke gibt ist mir schleierhaft. Fragt beim Autobahnausbau ja auch keiner nach.
Kommentar 4: Christian Pradel schreibt am 08.04.2026, 20:09 Uhr :
Das Land NRW bzw. die DB Infrago sollte aber auch nicht die Strecke zwischen Gelsenkirchen Bismarck bis Gladbeck Zweckel, und von Gladbeck West über Zweckel bis nach Dorsten und weiter bis Borken die Strecke elektrifizieren. Ist schon seit Jahren längst überfällig. Als vor ein paar Jahren, die Strecke vom mechanischen Stellwerken auf ESTW umgebaut wurde, hatte ich Hoffnung. Doch aus der Oberleitung wurde nichts.
Kommentar 3: Andre Schäfer schreibt am 08.04.2026, 18:24 Uhr :
Generell sollten weit mehr Orte überhaupt mal ans Schienennetz. Was den E-Ausbau angeht, würde mich aber auch mal die Gesamt-Bilanz interessieren, also inkl. Herstellung Beton und Stahl für die Oberleitungsmasten und Kupfer für den Fahrdraht. Wie viele Jahre braucht da eine Armortisierung auf CO2? und Geld-Basis? Davon mal ab, sind Akku-Fahrzeuge nun wirklich nichts Neues. Akkumulator-Schienenbusse sind schon vor 100 Jahre gefahren und sind vor allem dem Argument von Geschwindigkeit und Beschleunigung wegen, Dieselfahrzeugen zum Opfer gefallen.
Antwort von Heinz Ehrhard , geschrieben am 10.04.2026, 15:39 Uhr :
Der massive CO2-Fußabdruck von Oberleitungselektrifizierungen spiegelt sich mit 1-2 Mio€/km in den hohen Kosten. Laut BMV-Gutachten kostet eine Umstellung auf Akkubetrieb maximal nur 13% der einer Vollelektrifizierung. Der Kupferpreis befindet sich in der gegenwärtigen All-Electric-Politik auf Allzeithoch und die Häufung von Zugstörungen durch Oberleitungsschäden zeugen davon, dass die Bahn nach den Jahrzehnten steuerfinanzierter Elektrifizierungen aus Profitgründen an der Instandhaltung gespart hat. So wirtschaftlich, wie uns Steuerzahlern eingeredet wurde, scheint Oberleitungsbetrieb wohl doch nicht zu sein, zumal die Fahrpreise nach jeder Elektrifizierung nicht gefallen, sondern stets gestiegen sind.
Kommentar 2: RB39 schreibt am 08.04.2026, 17:05 Uhr :
Warum nur von Horrem bis Bedburg und nicht auch gleich weiter von Bedburg bis Neuss? Konnten sich VRR und go Rheinland mal wieder nicht einigen?
Kommentar 1: Martin Zimmermann schreibt am 08.04.2026, 16:30 Uhr :
Ich halte das für eine gute und wichtige Idee, aber trotzdem wird das gerade beispielsweise im Sauerland, aufgrund der vielen Tunnel, die für die Elektro-Loks zu niedrig sind, eine besonders große Herausforderung.