ME/CFS: Wenn die Erschöpfung nicht mehr verschwindet | Aktuelle Stunde
03:37 Min.. Verfügbar bis 17.02.2028.
ME/CFS: Wenn die Erschöpfung nicht mehr verschwindet
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Heute vor sechs Jahren, am Veilchendienstag 2020, wurde das Coronavirus erstmals in NRW im Kreis Heinsberg nachgewiesen. Inzwischen liegt die Zahl bei etwa 40 Millionen in Deutschland nachgewiesenen Infektionen. Für einen Teil der Infizierten endete die Erkrankung nicht nach wenigen Wochen. Manche leiden bis heute an den Spätfolgen.
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Zu den Kommentaren [10]Eine morgens, eine mittags, dazu Tropfen und Pulver. Rund 20 Medikamente bereitet Antje Damerau jeden Tag für ihren Sohn Philipp vor. Der 14-Jährige wacht meist erst gegen Mittag auf. Seit einem Jahr kann er nicht mehr zur Schule gehen. Die Diagnose: ME/CFS, eine schwere chronische Erkrankung, die auch nach einer Corona-Infektion auftreten kann.
Früher war der Junge aus Minden sportlich, reiste mit seiner Familie durch die USA, stand vor dem Grand Canyon. Zwei Wochen später wird Philipp krank. Rückblickend geht sein Arzt von Corona aus. Seitdem leidet er unter extremer Erschöpfung, Muskelschmerzen, Schlafstörungen und kognitiven Problemen. Wenn er sich anstrengt, selbst ein Kinobesuch mit einem Freund reicht, verschlechtern sich die Symptome drastisch. "Dann crashe ich", sagt er.
Dieses Phänomen heißt medizinisch "Post-Exertional Malaise": eine Zustandsverschlechterung nach Belastung. Es gilt als Leitsymptom von ME/CFS.
Long Covid, Post Covid, ME/CFS: Wo liegt der Unterschied?
Das NRW-Gesundheitsministerium definiert es so:
- Long Covid bezeichnet Beschwerden, die länger als vier Wochen nach einer Corona-Infektion anhalten.
- Post Covid liegt vor, wenn Symptome drei Monate nach der Infektion noch bestehen oder neu auftreten.
- ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) ist eine schwere, eigenständige chronische Multisystemerkrankung, die auch nach anderen Virusinfektionen auftreten kann und durch eine ausgeprägte Belastungsintoleranz gekennzeichnet ist.
Nicht alle Long- oder Post-Covid-Betroffenen entwickeln ME/CFS. Studien zeigen aber, dass zumindest ein Teil der Erkrankten die diagnostischen Kriterien erfüllt: Sie sind erschöpft, haben Konzentrationsprobleme. Bei ME/CFS sind die Symptome extremer, eine Erholung nach einer Erschöpfung kann Wochen dauern, Schwindel und Kreislaufprobleme schränken den Alltag stark ein. ME/CFS existierte auch schon vor der Corona-Pandemie und trat etwa nach Pfeifferschem Drüsenfieber (Epstein-Barr-Virus) oder Influenza auf.
Wie viele sind betroffen?
Eine "Liegen-Demo" in Dortmund machte 2025 auf MF/CFS aufmerksam.
Die Zahlen variieren je nach Erhebungsmethode. Laut RKI sind bis Februar 2026 fast 40 Millionen Corona-Infektionen in Deutschland registriert worden. Schätzungen gehen von mehreren hunderttausend ME/CFS-Erkrankten in Deutschland aus. Im Zusammenhang mit Long- und Post-Covid wird insgesamt von über einer Million Menschen mit länger anhaltenden Beschwerden ausgegangen.
Die ME/CFS Research Foundation spricht in aktuellen Analysen von erheblichen volkswirtschaftlichen Folgen und einer stark gestiegenen Zahl Erkrankter seit der Pandemie. Belastbare Register fehlen bislang, was die genaue Quantifizierung erschwert.
Wie entsteht ME/CFS?
Warum manche Menschen nach einer Virusinfektion dauerhaft krank bleiben, ist noch nicht abschließend geklärt. Forscher vermuten, dass bei ME/CFS mehrere Systeme im Körper durcheinander geraten.
- Immunsystem im Daueralarm: Der Körper bleibt quasi in einem ständigen Abwehrmodus, als wäre er immer noch krank. Das macht müde und abgeschlagen.
- Nervensystem gereizt: Das Gehirn ist wie "vernebelt", Konzentration und Gedächtnis leiden.
- Energieproduktion gestört: Die Zellen bekommen nicht genug Energie, schon kleine Aktivitäten erschöpfen stark.
- Kreislaufprobleme: Herzrasen, Schwindel oder Benommenheit beim Aufstehen sind häufig, weil die automatische Steuerung von Puls und Blutdruck nicht richtig funktioniert.
Alles im Körper arbeitet also auf Sparflamme und schon normale Tätigkeiten können zu einem "Crash" führen. Welche biologischen Mechanismen genau zur charakteristischen Belastungsintoleranz, also dieser schnellen Erschöpfung führen, ist weiter Gegenstand aktueller Forschung.
Kann man die Krankheit behandeln?
Bei einer Demo in Berlin wird die lange Wartezeit bei Behandlungen kritisiert.
Eine ursächliche, zugelassene Therapie gibt es bislang nicht. Die Behandlung konzentriert sich auf Symptomlinderung, etwa bei Schmerzen, Schlafstörungen oder Kreislaufproblemen. Viele Therapieversuche erfolgen im sogenannten Off-Label-Use, also mit Medikamenten, die nicht speziell für ME/CFS zugelassen sind, sondern für andere Krankheiten. Ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt, muss dann jeweils geprüft werden.
Als zentral gilt das sogenannte Pacing: ein striktes Energiemanagement, um Überlastung zu vermeiden, damit es eben nicht zu einem "Crash" kommt. Belastungssteigernde Trainingsprogramme, wie sie bei anderen chronischen Erkrankungen empfohlen werden, können bei ME/CFS zu dauerhaften Verschlechterungen führen, wenn sie die individuelle Belastungsgrenze überschreiten. Entsprechende Warnungen finden sich unter anderem in internationalen Leitlinien.
Warum wird Betroffenen oft spät geglaubt?
ME/CFS ist schwer zu diagnostizieren. Es gibt bislang keinen einzelnen Laborwert oder Biomarker, der die Erkrankung eindeutig belegt. Die Diagnose erfolgt anhand klinischer Kriterien und nach Ausschluss anderer Ursachen. Zudem war die Erkrankung über Jahrzehnte wenig erforscht. Fachleute kritisieren, dass viele Ärzte während ihrer Ausbildung kaum mit dem Krankheitsbild in Berührung kommen. Für Betroffene bedeutet das oft lange Wege, viele Arztbesuche und späte Diagnosen.
Auch Philipp und seine Familie suchten monatelang nach Hilfe, bis sie in einer spezialisierten Praxis in Münster aufgenommen wurden. Inzwischen gilt dort ein Aufnahmestopp, weil der Andrang zu groß ist. Philipps Zustand hat sich inzwischen immerhin leicht verbessert. Doch von seinem früheren Alltag ist er weit entfernt. Seine Mutter besucht Online-Seminare, tauscht sich in Selbsthilfegruppen aus. "Ich sage immer: Es wird besser werden. Ich kann dir nur nicht sagen, wann", sagt sie.
Sechs Jahre nach dem ersten Corona-Fall in Heinsberg zeigt sich: Für manche endet die Pandemie nicht mit einem negativen Test. Sondern in einem Alltag, der von Erschöpfung, Einschränkung und Hoffnung auf Forschung geprägt ist.
Unsere Quellen:
- Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS NRW)
- Deutsche Gesellschaft für ME/CFS
- Robert Koch-Institut (RKI)
- WDR 5 Morgenecho-Beiträge von Katharina Spreier und Aenneas Rooch (Quarks)
Sendung: WDR 5, Morgenecho, 17.02.2026, 06:05 bis 09:45
10 Kommentare
Kommentar 10: Franziska 1 schreibt am 18.02.2026, 20:15 Uhr :
Wenn man liest wie ME/CFS entstehen kann, sehr unterschiedlich die Beschwerden, dann kann man schon teilweise verstehen das manche Ärzte irritiert sind welche Diagnose kann direkt gestellt werden. Dieses Thema ist eine schwere Kost für eine Debatte. Jede wahrscheinliche Infektion fühlt sich anders an, wie soll da der Hausarzt auf einen Nenner kommen für eine richtig angepasste Behandlung, wenn willkürliche oder unwillkürliche Organe belastet sind? Manchen Facharzt wird es nicht anders gehen, die Gesundheit herzaubern kann er nicht. Also wird mit Medikamente rumexperitiert, was auf lange Zeit Erfolge bringen soll. Einer der schlimmsten Erkrankung ist die chronische Erschöpfung, die Tag für Tag vorhanden ist. Gezwungen tatenlos zu sein, macht einsam!
Kommentar 9: Petra schreibt am 18.02.2026, 19:57 Uhr :
Es gibt 3 Millionen Betroffene Bundesbürger mit ME/CFS, Long-Covid und Post-Vac Diese Zahl nannte die Kassenärztliche Bundesvereinigung in einer öffentlichen Sitzung des deutschen Bundestages bereits 2021. Das Corona die Gesellschaft gespalten hat ist eine Sache. Aber bereits viele Jahrzehnte vorher, gab es ME/CFS und zwar bis zu 400.000 Menschen ! Auslöser können unter anderem sein, Ebstein-Barr-Virus /Pfeiffersches Drüsenfieber, Borreliose, Herpes, Influenza, HWS-Trauma, auch eine milde Covid Infektion & und auch die Impfung. Die Zahlen vor der Pandemie sind bereits höher als Menschen mit anderen grossen Erkrankungen. Es nutzt allen Betroffenen nichts, egal ob vor der Pandemie erkrankt oder aber danach, jetzt auf den Auslösern rumzutrommeln - die Betroffenen sind teilweise schwer Pflegebedürftig und brauchen ärztliche Grundversorgung, Therapien und auch Medikamente, am wichtigsten das die Kassenärztliche Medizin endlich einsteigt und sich damit beschäftigt.
Kommentar 8: Petra N schreibt am 18.02.2026, 19:56 Uhr :
Es gibt 3 Millionen Betroffene Bundesbürger mit ME/CFS, Long-Covid und Post-Vac Diese Zahl nannte die Kassenärztliche Bundesvereinigung in einer öffentlichen Sitzung des deutschen Bundestages bereits 2021. Das Corona die Gesellschaft gespalten hat ist eine Sache. Aber bereits viele Jahrzehnte vorher, gab es ME/CFS und zwar bis zu 400.000 Menschen ! Auslöser können unter anderem sein, Ebstein-Barr-Virus /Pfeiffersches Drüsenfieber, Borreliose, Herpes, Influenza, HWS-Trauma, auch eine milde Covid Infektion & und auch die Impfung. Die Zahlen vor der Pandemie sind bereits höher als Menschen mit anderen grossen Erkrankungen. Es nutzt allen Betroffenen nichts, egal ob vor der Pandemie erkrankt oder aber danach, jetzt auf den Auslösern rumzutrommeln - die Betroffenen sind teilweise schwer Pflegebedürftig und brauchen ärztliche Grundversorgung, Therapien und auch Medikamente, am wichtigsten das die Kassenärztliche Medizin endlich einsteigt und sich damit beschäftigt.
Kommentar 7: Petra schreibt am 18.02.2026, 19:33 Uhr :
es gibt 3 Millionen Betroffene Bundesbürger mit ME/CFS, Long-Covid und Post-Vac Diese Zahl nannte die Kassenärztliche Bundesvereinigung in einer öffentlichen Sitzung des deutschen Bundestages bereits 2021. Das Corona die Gesellschaft gespalten hat ist eine Sache. Aber bereits viele Jahrzehnte vorher, gab es ME/CFS und zwar bis zu 400.000 Menschen ! Auslöser können unter anderem sein, Ebstein-Barr-Virus /Pfeiffersches Drüsenfieber, Borreliose, Herpes, Influenza, HWS-Trauma, auch eine milde Covid Infektion & und auch die Impfung. Die Zahlen vor der Pandemie sind bereits höher als Menschen mit anderen grossen Erkrankungen. Es nutzt allen Betroffenen nichts, egal ob vor der Pandemie erkrankt oder aber danach, jetzt auf den Auslösern rumzutrommeln - die Betroffenen sind teilweise schwer Pflegebedürftig und brauchen ärztliche Grundversorgung, Therapien und auch Medikamente, am wichtigsten das die Kassenärztliche Medizin endlich einsteigt und sich damit auseinander setzt!
Kommentar 6: Brigitta S: schreibt am 18.02.2026, 13:16 Uhr :
Bleibt die Ursachenforschung bei den Long- oder Post-Covid-Betroffenen weiter eine Odyssee, um zu einer sicheren Diagnose zu kommen? Die Virenvektorforschung macht zwar Fortschritte, benötigt aber viel Geld, weil Viren in verschieden Formen auftreten können. Wer hat das Glück und die Garantie als Long/ Post-Covid- Patient, dass er bei Therapien lange behandelt wird? Spezielle Fachärzte wer bekommt sie zu sehen, wer wird behandelt? Alles ist exorbitant teuer. Es werden nicht alle Patienten davon profitieren können, auch Medikamente haben unangenehme Nebenwirkungen. Der Fall von Philipp zeigt, gegen seine Erschöpfung, Müdigkeit kommen Medikamente kaum an. In den letzten Jahren hat sich zwar viel getan, die Erforschung gilt als Meilenstein in der Wissenschaft. Es steht die Methode zur Verfügung, angeborene Krankheiten und zukünftige Viren besser zu behandeln. Bedenken jedoch waren bei Corona- Impfungen ob sie eine Gentechnik beeinflusst, was zur Belastungs-Nebenwirkung führen kann.
Kommentar 5: Silvia Varaya schreibt am 18.02.2026, 11:06 Uhr :
Wie wär's mal mit den Krankheiten und Todesfalle durch die C Spritzen, die keine Impfungen waren, sondern Gen "Therapien"...?! Die sind natürlich nicht mit aufgeführt... Aber mich wundert das garnicht, weil es immer noch öffentlich geleugnet wird!
Kommentar 4: Martina W schreibt am 18.02.2026, 09:32 Uhr :
Danke für diesen wirklich guten Artikel. Häufig wird die Erkrankung ja mit Müdigkeit oder nur Erschöpfung gleichgesetzt. Ihnen ist es gelungen ein umfassendes Bild zu erstellen und damit die Komplexität der Erkrankung aufzuzeigen. Meine eigene Diagnose hat 22 Jahre gedauert. Zu verdanken habe ich sie tatsächlich der Corona Pandemie, andernfalls wäre ich wahrscheinlich weiter mit Ärzten konfrontiert gewesen, die ME/ CFS nicht kennen. Auch dass Sie auf die Schädlichkeit von Aktivierungstherapien aufmerksam machen, ist wichtig. Leider werden immer noch viele Betroffene in Reha-Maßnahmen gesteckt und verschlechtern sich dadurch oft dauerhaft. Zu Fuß in die Reha, im Rollstuhl nach Hause ist leider kein Einzelfall.
Kommentar 3: Ulrike Schabelreiter schreibt am 18.02.2026, 08:41 Uhr :
Vielen Dank für den wichtigen Beitrag und die im Text wieder gegebene Beschreibung. Die Dame im Film hat ME /CFS möchte ich nach Schilderung der Symptome behaupten. Es wäre schön, wenn das im Beitrag genannt worden wäre. ME nach einer Coronainfektion. Ich rate ihr dringend sich zu schonen und nicht arbeiten zu gehen, wenn sie schon während des Unterrichts erschöpft fühlt und dringend Pause bräuchte. Ansonsten gerät sie in eine unvermeidbare Abwärtsspirale bis zur Bettlägerichkeit. Ich wünsche ihr alles Gute!
Kommentar 2: Franziska 1 schreibt am 17.02.2026, 20:41 Uhr :
Post-exertionale Malaise wurde ca. 1964 erkannt. Das viele Menschen eine Erschöpfungs- Krankheit angeblich wegen Corona bekamen dürfte daran liegen, dass ihr Immunsystem in der Pandemie nicht stark genug war. Bei Nebenwirkungen von Corona- Impfung wurde gemeldet: Häufig Müdigkeit, Schwäche. Ich glaube, die Studien darüber über Long Covid sind noch lange nicht 100% abgeschlossen um genau sagen, war es Corona oder hatte der Erkrankte schon vorher bestimmte Anzeichen. Es gab keine echte Datenbank über die meisten Beschwerden während der Pandemie. Nicht jeder Arzt zeigte Interesse für eine Diagnose- Klärung. Das war ein Fehler! Dauer- Erschöpfung ohne Tatendrang, die kann auch entstehen, wenn Menschen ständig unter Druck gesetzt werden, beruflich und durch politische Maßnahmen was sie nicht verkraften können, sie überfordet. Wer 1 Jahr auf einen Facharzt - Termin warten muss oder monatelang auf Therapie, der leidet mit Tabletten die ihn nicht wacher und gesünder machen.
Kommentar 1: Paul Michaelis schreibt am 17.02.2026, 19:27 Uhr :
Für mich einige wichtige Fragen: was ist die Quelle der “Hunderttausende”? Wieviele Menschen, die heute noch unter Spätfolgen im Zusammenhang mit einer Coronaimfektion leiden, bekamen ein oder mehrere modRNA-Inokulationen mit dem Bauplan des Spike-Proteins? Wieviele davon produzierten noch lange oder produzieren immer noch Spikeprotein? Wie wird medizinisch zwischen “LongCovid” und “PostVac” unterschieden? Danke @WDRaktuell für die Beantwortung!