Zum anstehenden Jahreswechsel in Nordrhein-Westfalen setzen die Kommunen auf individuelle Vorgaben für das Silvesterfeuerwerk in ihren Innenstädten.
Während Tier-, Umwelt- und Kinderschutzorganisationen immer deutlicher ein allgemeines Böllerverbot fordern, will das Land NRW lieber differenzierte Lösungen.
Böllerverbotzonen haben sich bewährt
Die Städte, die schon seit Jahren auf Böllerverbotszonen setzen, haben überwiegend gute Erfahrungen gemacht: Weniger Einsätze von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten, weniger Verletzte. In Düsseldorf sind die Zahlen innerhalb von knapp zehn Jahren um rund 90 Prozent zurückgegangen, sagt Ordnungsdezernent Christian Zaum.
Deshalb wird zum Jahreswechsel in der Düsseldorfer Altstadt und am Rheinufer erneut das Böllern untersagt, ebenso in Köln in der Innenstadt und innerhalb der Ringe. Rund um den Dom darf Pyrotechnik nicht einmal mitgeführt werden. Verstöße sollen dort spürbar geahndet werden, mit bis zu 200 Euro Bußgeld. Auch in Bielefeld, Aachen, Münster, Bochum und Bottrop werden wieder Verbotszonen auf den zentralen Feiermeilen und -plätzen eingerichtet.
Viele NRW-Städte entscheiden sich gegen Böllerverbot 2025
Viele andere NRW-Städte sehen jedoch weiterhin keinen Bedarf für ein Böllerverbot und begründen das mit fehlenden Hotspots oder einem zu großen Personalaufwand für die notwendigen Kontrollen, zum Beispiel Duisburg, Bonn oder Essen. "Zusätzlich gehen wir davon aus, dass sich die Problematik in andere Bereiche abseits der Verbotszonen verlagern würde", sagte ein Sprecher der Stadt Duisburg dem WDR.
Polizei bei der Überwachung des Silvesterfeuerwerks
"Jedes Verbot ist nur so effektiv wie seine Kontrolle", erklärt Patrick Schlüter von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW. Personell sei die Polizei trotz hoher Einstellungszahlen aktuell jedoch am Limit. Er hält ein landesweites Böllerverbot deshalb nicht für zielführend. Gleichwohl wünschen sich einige Kommunen aber klarere und einheitliche Vorgaben.
Innenminister Reul will Städte enscheiden lassen
Die aktuelle Regelung für Böllerverbote im Sprengstoffgesetz lässt Auslegungsspielraum. Eindeutig gilt bislang ein Böllerverbot nur rund um Krankenhäuser, Kirchen, Altenheime und brandempfindliche Gebäude. Alles andere begründen die NRW-Kommunen meist mit einer Gefahrenlage für die öffentliche Sicherheit.
Innenminister Reul ist für diffenzierte Regeln vor Ort
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) würde den Städten gerne mehr rechtliche Möglichkeiten für Böllerverbote an die Hand geben: "Mir würde vorschweben, wir ändern die Sprengstoffverordnung und jede Stadt und jede Gemeinde hat die Chance zu entscheiden: Da gilt ein Verbot und da nicht. Dann kann man an bestimmten Stellen weiter Raketen zünden, die Leute können sich das anschauen."
Gewerkschaft der Polizei für individuelle Böllerverbote
Differenzierte Lösungen durch die lokalen Ordnungs- und Polizeibehörden hält auch der nordrhein-westfälische GdP-Chef Patrick Schlüter derzeit für den erfolgversprechendsten Weg in der Böllerverbots-Debatte. Das Sprengstoffgesetz kann aber nur auf Bundesebene geändert werden. Eine entsprechende Initiative aus NRW ist aber vorerst nicht zu erwarten, da die Grünen als Koalitionspartner in der Landesregierung lieber den Privatverkauf von Böllern untersagen und auf zentral organisierte Feuerwerke setzen wollen.
Der Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk e.V. (bvpk) sieht eine kommunale Regelung dagegen kritisch: "Wer eine Ermächtigungsgrundlage für die Kommunen in Sachen Feuerwerksverbote fordert, befördert rechtliche Unsicherheit, einen kommunalen Flickenteppich und Verlagerungseffekte", so der Pressesprecher Christoph Kröpl nach der Innenministerkonferenz Anfang Dezember. Der bvpk will also die Zuständigkeit des Bundes im Sprengstoffrecht und damit auch den Überblick über die Verbotszonen bewahren. Außerdem solle das Silvesterfeuerwerk als Kulturgut anerkannt und geschützt werden und privates Feuerwerk für alle, die friedlich und verantwortungsvoll feiern, weiterhin möglich bleiben.
Düsseldorfs Ordnungsdezernent Christian Zaum
Aus Sicht von Düsseldorfs Ordnungsdezernent Christian Zaum ist eine zufriedenstellende Regelung für alle schwierig zu finden: "Ein Totalverbot wäre die Alternative, das hieße dann tatsächlich auch ein Raketen- und Böllerverkaufsverbot", sagt er. "Das hatten wir schon mal in der Corona-Pandemie, das war sehr effektiv. Das sorgt dann aber auch dafür, dass dann gar nicht mehr geböllert werden kann."
Unsere Quellen:
- WDR-Abfrage in Düsseldorf, Köln, Aachen, Bochum, Bielefeld, Bottrop, Warendorf, Münster, Krefeld, Duisburg, Essen, Dortmund, Bonn, Siegen, Viersen, Neuss, Ratingen, Wuppertal, Hamm
- WDR-Interview mit Patrick Schlüter, Gewerkschaft der Polizei
- WDR-Interview mit NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)
- WDR-Interview mit Düsseldorfs Ordnungsdezernent Christian Zaum (CDU)
Sendung: Morgenecho, WDR5, 13.12.2025, 7:04 Uhr
