Privates Feuerwerk verbieten?

Aktuelle Stunde 02.12.2025 24:08 Min. Verfügbar bis 02.12.2027 WDR Von Andreas Turnsek

Breites Bündnis fordert Böllerverbot: Privates Feuerwerk vor dem Aus?

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Die Forderung nach einem generellen Verbot privater Silvester-Böllerei wird lauter: Ein breites Bündnis macht jetzt Druck auf die Innenminister. Dazu gehört nun auch das Deutsche Kinderhilfswerk. Wie steht es um Böllerverbote in NRW? Und ist ein generelles Verbot nur noch eine Frage der Zeit?

Bielefeld, Bochum, Düsseldorf: Auch diesmal werden dort zu Silvester Böllerverbotszonen eingerichtet, wie die drei Städte am Dienstag dem WDR mitteilten. Und es werden nicht die einzigen Städte in NRW sein. Über die private Silvester-Böllerei wird seit Jahren gestritten. In den Niederlanden ist privates Feuerwerk ab 2026 komplett verboten. Und genau das fordert ein Bündnis namens #böllerciao, dem nun schon 55 Organisationen angehören, auch für Deutschland.

Böllerverbot gefordert - für Mensch, Tier und Umwelt

Ein Kunde fährt mit einem Einkaufswagen voller Feuerwerk durch einen Supermarkt.

Kunde mit Einkaufswagen voller Feuerwerkskörper

Zu dem Bündnis gehören die Deutsche Umwelthilfe, die Gewerkschaft der Polizei, Tierschutzorganisationen wie PETA, Ärzteverbände und seit Kurzem auch das Deutsche Kinderhilfswerk. Aus Anlass der Innenministerkonferenz in dieser Woche hat die Initiative noch einmal ihre Forderung bekräftigt, zum Schutz von Mensch, Tier und Umwelt das private Böllern und Raketen-Zünden bundesweit zu verbieten.

Das will auch die Partei Die Linke. Im November erst brachte die Bundestagsfraktion einen Antrag ein, wonach Kommunen mehr Rechte für Böllerverbote bekommen sollen, stieß damit aber auf wenig Resonanz.

Umfragen zeigen viel Zustimmung für ein Böllerverbot

Dabei ist die Haltung in der Bevölkerung ziemlich eindeutig: Die Mehrheit spricht sich für ein privates Böllerverbot aus. Das zeigt zum Beispiel eine repräsentative Forsa-Umfrage vom Juli für den "Stern". Demnach sprechen sich 59 Prozent der Menschen in Deutschland dafür aus, privat gezündetes Silvester-Feuerwerk zu verbieten. 39 Prozent sind dagegen.

Noch deutlicher ist die Meinung in Berlin, wo es in den Silvesternächten der vergangenen Jahre zu heftigen Angriffen mit Feuerwerkskörpern auf Einsatzkräfte kam. Ähnliches gab es in mehreren NRW-Städten. Laut einer repräsentativen Infratest-Umfrage für den rbb vom November sprechen sich drei Viertel der Berlinerinnen und Berliner für ein Verbot von privatem Feuerwerk zu Silvester aus.

Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des DKHW

Holger Hofmann, Deutsches Kinderhilfswerk

"Wir haben uns das jetzt lange genug angeschaut. Und wir sehen eben, dass auch die bisherigen Selbstverpflichtungen der Industrie nichts weiter bringen", sagt Holger Hofmann, Geschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks, dem WDR.

Er betont vor allem die Gefahren für Kinder und Jugendliche: Bei ihnen gebe es "überproportional viele Geschädigte" durch Silvesterböller, selbst wenn sie nur passiv dabei seien. Auch mit Blick auf die Umwelt sei jetzt der Zeitpunkt zu sagen:

"Es reicht mit der Böllerei. Wir brauchen das nicht mehr." Holger Hofmann, Geschäftsführer Deutsches Kinderhilfswerk

Als Alternative zum Feuerwerk rücken zunehmend Lichtershows mit Drohnen in den Fokus der Aufmerksamkeit - zu erleben zum Beispiel im Sommer bei der Düsseldorfer Rheinkirmes. Organisierte, große Lichterspektakel gibt es in vielen NRW-Städten auch zu Silvester. Allerdings leuchten dabei nur selten LEDs, sondern auch weiterhin Feuerwerkskörper wie Raketen.

Umsatzrekord beim Feuerwerksverkauf

Im vergangenen Jahr verzeichnete die pyrotechnische Industrie in Deutschland sogar einen Rekord: Zum Jahreswechsel auf 2025 machte sie einen Gesamtumsatz von 197 Millionen Euro - das ist mehr denn je.

Man dürfe privates Feuerwerk nicht generell verbieten, meint Felix Martens, Geschäftsführer des Bundesverbands für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk. Das ist nach eigenen Angaben die mitgliederstärkste Vereinigung in diesem Bereich und der Verband sei "unabhängig von kommerziellen Interessen".

Felix Martens, Geschäftsführer BVPK

Felix Martens, Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk

Feuerwerk sei ein "Kulturgut", ein "Kunsthandwerk", ein verbindendes, "demokratisches Element", sagt Martens dem WDR. Und das gelte auch für das private Feuerwerk:

"Da entsteht im Prinzip ein öffentliches Großkunstwerk, was sich über ganz Deutschland beziehungsweise über ganz Europa zieht." Felix Martens, Geschäftsführer Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk

"Und da kann jeder, jede von uns daran teilhaben. Sei es durchs Zuschauen oder sei es eben durchs Selbermachen", so Martens. Eine hohe Verletzungsgefahr gebe es durchaus, sagt er, aber vor allem durch illegale Feuerwerkskörper. "Mit einem Silvesterböller der Kategorie F2, der legal und zertifiziert ist, ist es physikalisch schlicht und ergreifend unmöglich, sich Gliedmaßen zu zerstören oder zu amputieren."

Studie: Notaufnahmen in der Silvesternacht stärker belastet

Trotzdem haben Krankenhäuser in der Silvesternacht stets viel zu tun. Das bestätigt auch eine neue Studie der Uni Magdeburg, für die ein Forscherteam Daten zahlreicher Notaufnahmen aus den Jahren 2019 bis 2023 analysiert hat. Eines der Ergebnisse: Jedes Jahr verzeichnen Notaufnahmen in der Silvesternacht zwischen 0 und 6 Uhr eine Mehrbelastung durch Verletzungen, die auf Feuerwerkskörper schließen lassen.

Die Studie zeigt aber auch: Während des Feuerwerksverbots in der Corona-Zeit war die Mehrbelastung der Notaufnahmen nicht geringer.

Böllerverbote in NRW

Studie zu Belastungen und Stresserleben bei der Kripo: Minister Herbert Reul beim Pressegespräch

NRW-Innenminister Herbert Reul

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) verfolgt derzeit jedenfalls kein generelles Böllerverbot wie in den Niederlanden. Aus praktischen Gründen: "Dann müssen sie an jeder Ecke einen Polizisten stehen haben, der dafür sorgt, dass keiner einen Böller wirft. Das schaffen wir ja nicht mal im Fußballstadion", sagte Reul im Januar dem WDR.

Aber es wird in vielen Städten auch diesmal wieder Böllerverbotszonen geben, wie eine WDR-Umfrage vom Dienstag zeigt: Außer in Bielefeld, Bochum, und Düsseldorf zum Beispiel auch wieder in Münster und Köln. In Duisburg wird es nur rund um den Zoo wieder ein Verbot geben. Bonn, Essen und Dortmund verzichten auf Böllerverbotszonen. In unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern oder auch Kinder- und Altenheimen ist Feuerwerk sowieso verboten.

"Mittel- bis langfristig erwarte ich ein bundesweites Böllerverbot", sagt Münsters Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer und appelliert: "Bis dahin kann jeder durch einen individuellen Verzicht auf das private Böllern einen Beitrag zum Schutz der Umwelt und zum Brandschutz leisten."

Unsere Quellen:

  • Bundestag: Antrag der Linken zu Böllerverboten
  • WDR-Interview mit Holger Hofmann, Geschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks, Morgenecho, 02.12.2025
  • WDR-Interview mit Felix Martens, Geschäftsführer Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk, Morgenecho, 02.12.2025
  • Studie der Uni Magdeburg zur Belastung von Notaufnahmen in Silvesternächten
  • WDR-Interview mit NRW-Innenminister Herbert Reul im Januar 2025
  • WDR-Umfrage unter den zehn größten NRW-Städten am 02.12.2025
  • Pressemitteilung des Bündnisses #böllerciao

Sendung: WDR 5, WDR 5 Morgenecho, 02.12.2025, 6:00 und 9:00 Uhr

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