Zu laut, zu gefährlich, zu dreckig: Ärztepräsident fordert Böllerverbot | WDR Aktuell
02:25 Min.. Verfügbar bis 27.12.2027.
Verletzungsgefahr: Ärztepräsident fordert Böller-Verbot
Stand:
Ärztepräsident Reinhardt hat kurz vor Silvester ein Böllerverbot wegen Verletzungsgefahr gefordert. Doch wie hoch ist eigentlich die Zahl der Verletzungen durch Böller in der Silvesternacht? Konkrete Angaben gibt es noch wenige.
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Zu den Kommentaren [36]Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat kurz vor dem Jahreswechsel eindringlich ein Böllerverbot an Silvester gefordert. Sein Argument: Jedes Jahr erlitten zahlreiche Menschen Verletzungen durch explodierende Feuerwerkskörper. Kinder und Jugendliche seien häufig von Knalltraumata betroffen. Hinzu kämen Augenverletzungen und Verbrennungen.
Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer und Arzt in Bielefeld
"Das sorgt für volle Notaufnahmen in den Kliniken und kostet die gesetzliche Krankenversicherung Millionen", sagte Reinhardt, der als Arzt in Bielefeld arbeitet, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Zudem würden Knallkörper immer wieder Unbeteiligte treffen und als Waffen gegen Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte eingesetzt werden.
"Niemand hat etwas gegen organisierte Feuerwerke an zentralen Plätzen, doch die wilde Böllerei muss untersagt werden." Klaus Reinhardt
Wie hoch war die Zahl der Verletzten durch Böller beim letzten Jahreswechsel?
Laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) wurden am 1. Januar 2025 bundesweit 100 Schwerverletzte stationär aufgenommen.
Bei den Zahlen handele es sich allerdings nur um Daten zu besonders schweren Verletzungen. Die DKG geht davon aus, dass in den Notaufnahmen in der Silvesternacht ein Vielfaches der stationären Fallzahl ambulant versorgt wird. Die Fallzahlen der Notaufnahmen werden aber nicht nach Diagnosen spezifiziert ausgewertet.
Welche feuerwerksbedingten Verletzungen gibt es?
Neben erlaubten Böllern gibt es auch illegales Feuerwerk.
Neben Handverletzungen durch das Anzünden oder Verbrennungen durch fehlgeleitete Böller, wird häufig auch das sogenannte Knalltrauma als typische Verletzung an Silvester beschrieben - eine Verletzung des Innenohrs zum Beispiel durch explodierende Feuerwerkskörper. Ein Knalltrauma kann auch den dauerhaften Hörverlust zur Folge haben. Aktuelle Zahlen, wie oft es in der Silvesternacht dazu kommt, gibt es allerdings nicht.
Immer wieder zitiert werden hingegen ältere Angaben von HNO-Ärzten. In einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) heißt es: "Geschätzt 8.000 Deutsche erlitten zu Silvester 1999/2000 eine Verletzung des Innenohrs durch explodierende Feuerwerkskörper - das sogenannte "Knalltrauma". Verlässliche aktuelle Daten zur Inzidenz fehlen derzeit."
Dabei hatte die DGHNO-KHC bereits 2021 ein Deutsches Knalltrauma-Register eingeführt und Ärzte gebeten, Fälle dort zu melden.
Wer gehört zu den Verletzten?
"Zwei Drittel der gemeldeten Verletzten sind Zuschauer und keine Akteure", so Veronika Flockerzi, HNO-Ärztin am Universitätsklinikum Homburg, die das Deutsche Knalltrauma-Register 2021 ins Leben gerufen hat.
Die Verletzten waren beim letzten Jahreswechsel 2024/2025 laut DKG zu über 80 Prozent männlich. 68 Prozent der Schwerverletzten waren zwischen 16 und 59 Jahre alt. Aber auch einige schwerverletzte Kinder brauchten eine stationäre Behandlung.
Warum gibt es immer wieder Unfälle mit Pyrotechnik?
Dazu hat der Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk (bvpk) gleich zwei Gründe ausgemacht:
Schwere Unfälle mit Pyrotechnik ereigneten sich "praktisch ausschließlich durch illegales Feuerwerk", erklärt Bundesgeschäftsführer Christoph Kröpl. "So ist es etwa nicht möglich, sich mit einem legalen Silvesterböller eine Hand zu zerstören oder gar Gliedmaßen abzutrennen", sagte Kröpl. Allerdings sei der Zugang zu illegalen und hochgefährlichen Knallkörpern "so leicht wie nie zuvor". Hier müsse die "Politik ansetzen und für den Vollzug der bestehenden Gesetze sorgen".
Notaufnahmen seien an Silvester "nicht wegen Feuerwerkskörpern voll", so Kröpl weiter. Nach Studien seien diese "zum Jahreswechsel insbesondere wegen des bundesweit intensiven Alkoholkonsums überfüllt". Kröpl verwies auch auf eine Studie der Magdeburger Universitätsmedizin vom November 2025. Sie habe belegt, dass die Feuerwerksverbote während der Corona-Zeit keinerlei messbare Entlastung der Notaufnahmen bewirkt hätten.
Welche Feuerwerk-Regeln gelten in Deutschland und den Nachbarländern?
Erlaubt sind in Deutschland nur Feuerwerkskörper der Kategorie F1 und F2.
- Kategorie F1: Kleinstfeuerwerk wie Knallerbsen, Tischfeuerwerk oder Wunderkerzen darf ab 12 Jahren gekauft werden - das ganze Jahr über.
- Kategorie F2: Kleinfeuerwerk, wie i. d. R. das klassische Silvesterfeuerwerk, ist ausschließlich zur Verwendung im Freien vorgesehen und man muss volljährig sein. Außerhalb von Silvester/Neujahr wird eine Ausnahmegenehmigung benötigt.
- Kategorie F3: Mittelfeuerwerk darf nur von Personen verwendet werden, die im Besitz einer Erlaubnis nach Sprengstoffgesetz sind. Auch hier ist das Mindestalter 18 Jahre.
- Kategorie F4: Großfeuerwerk wie Kugelbomben darf ebenfalls nur mit Erlaubnis und ab 21 Jahren gezündet werden.
Wie aber sieht es in den angrenzenden Ländern aus?
In den Niederlanden darf Feuerwerk nur am 31. Dezember von 18:00 Uhr bis 1. Januar 02:00 Uhr gezündet werden. Mehrere Raketen- und Knallkörperarten sind landesweit verboten. Viele Gemeinden haben Feuerwerksverbotszonen oder vollständige Verbote, auch an Silvester. Ab kommendem Jahr ist Böllern in den Niederlanden verboten.
Reste eines Feuerwerks
In Belgien gibt keine landesweite Silvester-Erlaubnis. Ob Feuerwerk erlaubt ist, entscheidet in der Regel die jeweilige Gemeinde. Wo Feuerwerk verboten ist, sind alle privaten Feuerwerksarten untersagt. Entscheidend sind lokale Regeln. In der Region Brüssel-Hauptstadt gilt ein umfassendes Feuerwerksverbot, auch auf Privatgrundstücken.
In Österreich ist Feuerwerk der Kategorie F2 im Ortsgebiet grundsätzlich verboten, auch an Silvester. Ausnahmen sind nur per Bürgermeister-Verordnung möglich. Feuerwerk der Kategorien F3 und F4 ist nur mit spezieller Berechtigung erlaubt; sensible Orte sind immer tabu.
In Dänemark sind zahlreiche Produkte verboten, darunter Böller mit überwiegend explosiver Wirkung, Mini-Raketen, Bodenläufer, Feuerwerk mit Reibzündung sowie handgehaltenes Feuerwerk (Ausnahme: Wunderkerzen und Bengalfeuer). Gemeinden können zusätzliche Verbote, Zonen oder Abstandsregeln festlegen und bestimmte Teilgebiete freigeben oder weiter einschränken.
Unsere Quellen:
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 27.12.2025, 16:00 Uhr
36 Kommentare
Kommentar 36: 29.12.2025, 14:58 Uhr :
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Kommentar 35: Franziska 1 schreibt am 29.12.2025, 13:46 Uhr :
Feuerwerk gehört zu unserer Kultur, mit seinen Folgeschäden wie Brände , Verletzte und Tote, steht als Kommentar im Netz. Bekloppt diese Ansicht. „ Der Bundesverband für Pyrotechnik, Kunstfeuerwerk wies am 7. Dezember 2025 hin, dass Feuerwerk zum Jahreswechsel ein wichtiger Bestandteil des Jahreswechsels bleibt, wer privates Feuerwerk pauschal untersagt, nimmt vielen Menschen einen wichtigen kulturellen und künstlerischen Ausdruck und treibt unnötig einen Keil in die Gesellschaft". Zitat Ch. Kröpl Geschäftsführer. Stört es ihn nicht dass Kinder am Neujahrstag nach Blindgängern suchen, wo mancher Böllerplatz wie ein Minenfeld ausschaut? Ist diese Suche gesund und eine annehmbare Fortsetzungs- Kultur für Kinder? Wer nicht mit böllert wäre somit eine Kultur-Banause? Der Gestank, Feinstaub, Mikroplastik, der Müll danach, der noch mit Giftstoffen versetzt ist bei illegalen Waren, ist für viele ein wichtiger kultureller und künstlerischer Ausdruck? Was ist da wichtig?
Kommentar 34: 29.12.2025, 13:03 Uhr :
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Kommentar 33: Arzt aus NRW schreibt am 29.12.2025, 08:41 Uhr :
Wenn man Menschenleben schützen möchte, wäre eine deutlich mehr an Prävention und Gesundheitsförderung orientierte Gesundheits- und Krankenversorgung sinnvoller. Da ist viel Luft nach oben. Genauso wären die Besteuerungen von Alkohol und Nikotinprodukten (Zigaretten, E-Zigaretten) zu überdenken, nämlich im Sinne einer deutlichen Verteuerung. Auch ist Deutschland beim Thema Zuckersteuer weit zurück. Denn da scheut man sich der Industrie neue Regeln vorzulegen. Auch das generelle Tempolimit (120km/h) auf der Autobahn, was positive Effekte für die Umwelt, weniger Staus und weniger Verletzte/Tote zur Folge haben würde, auch das ist in Deutschland (bedingt durch den Lobbyismus) ein Tabu. Gut, das Böllern ist schon lästig, auch sehr schlecht für die Umwelt, die Tiere bekommen Stress, aber punktuell ist der Gesundheitsschäden durch Unfälle gering.
Antwort von Stefanie , geschrieben am 29.12.2025, 09:50 Uhr :
Sie haben eine Menge gute Ideen, aber warum ein Entweder-oder? Wenn jemandem ein Auge oder eine Hand fehlt, findet er den Gesundheitsschaden sicher nicht gering. Glauben Sie, dass Sie für Ihre anderen Ideen mehr Zustimmung erhalten, wenn Sie sie in diesem Zusammenhang äußern? Oder möchten Sie nur das hier behandelte Anliegen abschwächen?
Antwort von Brigitta S. , geschrieben am 29.12.2025, 11:43 Uhr :
@Arzt aus NRW, Sie haben die Psyche der unterschiedlichen Gemüter der Menschen vergessen, was ihnen im Leben große Probleme erzeugt. Designierte Probleme bei höhere Preise, die machen die Menschen nicht gesünder. Deutliche Verteuerung bringen nur der Staatskasse mehr Gewinn. Die Wirtschaft war bei Angebote schon immer stärker als der Konsument beim Verzicht. "Punktuell ist der Gesundheitsschaden durch Unfälle gering"? Zitat. Dann machen Sie Mal beim Rettungsdienst mit für alle Bereiche was sich an Unfällen tut. Beim Tempolimit (120km/h) auf der Autobahn, würde ich auf 130km/h setzen. Ärzte haben große Wünsche für ihre Patienten, verzichtet ein Arzt auf alles was der Markt an Schädigendes anbietet? Zum Bsp. bieten sie moralisch einen Raucherentwöhnungskurs an, selbst sieht man sie rauchen? Bei Kliniken und als Reha- Arzt! Nur der eigene eiserne Verzicht- Wille steht für jeden für die Gesundheit. Da wäre viel Luft nach oben, auch von Ärzten und Politiker. Wer macht den Anfang 2026?
Kommentar 32: 29.12.2025, 08:33 Uhr :
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Kommentar 31: 29.12.2025, 07:44 Uhr :
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Kommentar 30: 29.12.2025, 00:51 Uhr :
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Kommentar 29: Franziska 1 schreibt am 28.12.2025, 23:06 Uhr :
Am 1. Dezember hat Tschechien den Verkauf von Feuerwerkkörper Kategorie 2,3,4 an Märkten und bei den Asiaten-Märkten nah der Grenze verboten. Es darf nur noch die kleinsten Feuerwerke usw. verkauft werden. Gottseidank, Mal ein Schritt zum Verbot, was auch auf offener Straße etwas weg von der Grenze kontrolliert wird. Vielleicht hilft es heuer, dass weniger passiert! Auch Kugelbomben wurden schon entdeckt vom Zoll. Es tut sich etwas und ich hoffe, dass einige Käufer umsonst die Tour zu Tschechien machten, wenn sie sich vorher nicht informierten. Es klingt nach Schadenfreude? Nein, es geht um Schutz für sich selbst und für Andere.
Kommentar 28: Hans Dampf schreibt am 28.12.2025, 22:17 Uhr :
Frei nach Tina York (1975): "Ein bißchen Schinderassassa und Bums-Faldera - Gehörte doch schon allezeit zum Leben - Wir lassen uns das Böllern nicht verbieten - Das Böllern nicht und auch die Fröhlichkeit.".
Kommentar 27: Christoph Pohl schreibt am 28.12.2025, 20:50 Uhr :
Ich bin für ein Verbot, dieses Geld was sinnlos verballert wird kann man anders einsetzten. Ganz zu schweigen von den Unfällen die dadurch passieren ,weil die Leute dann noch besoffen sind. In anderen Ländern gibt es auch nur ein öffentliches Show Feuerwerk und sonst nix. Der Umwelt würde es auch guttun wenn es Verboten würde, und keine Tiere würden leiden.
Kommentar 26: Horst schreibt am 28.12.2025, 20:29 Uhr :
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