Hausarztversorgung: Westfalen-Lippe bundesweit auf dem letzten Platz | Aktuelle Stunde
WDR. 00:27 Min.. Verfügbar bis 11.03.2027.
Hausarztversorgung: Westfalen-Lippe bundesweit auf dem letzten Platz
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In Westfalen-Lippe fehlen Hausärzte. Im Vergleich der Kassenärztlichen Vereinigungen landet die Region auf dem letzten Platz.
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Zu den Kommentaren [5]Die Nachwuchslage bei Hausärztinnen und Hausärzten in Westfalen-Lippe ist laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) schwierig. "Uns fehlen 200 Hausärzte, um flächendeckend von einer hundertprozentigen Versorgungsquote sprechen zu können", sagte der Vorstandsvorsitzende der KV Westfalen-Lippe, Dirk Spelmeyer, auf dpa-Anfrage. Rund 40 Prozent der Hausärzte seien älter als 60 Jahre. "Das zeigt die Dringlichkeit des Nachwuchsproblems", betonte die KVWL in Dortmund.
Deutlich wird diese auch beim Vergleich von Westfalen-Lippe mit den anderen Kassenärztlichen Vereinigungen in Deutschland. Das sind 15 Bundesländer und in NRW die zwei unterteilten KV-Bereiche Nordrhein und Westfalen-Lippe. Laut Daten aus dem Bundesarztregister kommen in Westfalen-Lippe 61 Hausärzte und -ärztinnen auf 100.000 Einwohner. Im bundesweiten Vergleich ist das das letzte Platz hinter Baden-Württemberg (63) sowie Bremen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland (je 64).
Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatten die Barmer Ersatzkasse und die Bertelsmann Stiftung vor einem großen Ärzte-Mangel in NRW in spätestens 15 Jahren gewarnt.
Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein liegt im Mittelfeld
Auch bei der gesamten Arztdichte liegt Westfalen-Lippe laut Bundesarztregister weit hinten. Demnach kommen knapp 208 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen sowie Psychotherapeutinnen und -therapeuten auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner in Westfalen-Lippe. Das ist der vorletzte Platz vor Brandenburg, wo rund 199 Ärzte und Ärztinnen auf 100.000 Einwohner kommen. Nur knapp vor Westfalen-Lippe liegen Rheinland-Pfalz (209) und Niedersachsen (214).
Die Versorgung im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein hingegen liegt in beiden Kategorien im Mittelfeld. So kommen dort rund 66 Hausärzte und Hausärztinnen auf 100.000 Einwohner. Bei Medizinern aller Fachrichtungen sowie Psychotherapeutinnen und -therapeuten sind es 245.
Um zu verhindern, dass sich die Situation bei den Fachärzten in Westfalen-Lippe weiter verschärft und die Zahl im Bereich der KV Nordrhein sinkt, hat NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) Anfang des Monats einen Plan vorgestellt. Demnach soll eine gezieltere Steuerung helfen, dass Patienten schneller bedarfsgerecht versorgt werden. Dabei sollen Primärversorgungspraxen eine zentrale Rolle übernehmen.
KV Westfalen-Lippe: So viele Hausärzte wie noch nie
Die vergleichsweise niedrige Arztdichte besteht laut KVWL schon seit Jahren in Westfalen-Lippe, es gebe aber dennoch eine gute ambulante Versorgung, hieß es. Die Praxen in Westfalen-Lippe seien "deutlich leistungsfähiger, behandeln unter dem Strich mehr Patienten". Auch wenn rund 200 Allgemeinmediziner fehlten, seien in Westfalen-Lippe so viele Hausärztinnen und Hausärzte wie nie zuvor in der Versorgung. "Und wir hatten auch noch nie so viele Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung zur Fachärztin und zum Facharzt für Allgemeinmedizin wie aktuell", so Spelmeyer.
Allerdings: Auch in Westfalen-Lippe seien jüngere und ältere Ärztinnen und Ärzte häufiger in Teilzeit tätig. Besonders der Nachwuchs achte auf "zeitgemäße" Arbeitsbedingungen. "Das Modell Einzelkämpfer mit 60-Stunden-Woche hat, wie in anderen Berufsgruppen auch, ausgedient", schilderte Spelmeyer mit Blick auch auf größere Gemeinschaftspraxen oder Medizinische Versorgungszentren. "Wir müssen uns als Gesellschaft von dem Bild lösen, dass die vertragsärztliche Versorgung ausschließlich im direkten Arztkontakt vor der eigenen Haustür stattfinden kann."
Auch Themen wie Digitalisierung in der Medizin würden künftig eine zunehmende wichtige Rolle spielen. Die Bundespolitik habe in den vergangenen Jahren vielen Problemen in der ambulanten Versorgung nicht die dringend nötige Aufmerksamkeit geschenkt, monierte die KVWL.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- Statistisches Bundesamt
- Bundesarztregister der Kassenärztlichen Bundesvereinigung
- Landschaftsverband Westfalen-Lippe
Sendung: WDR 5, Nachrichten, 15.03.2026, 12.00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 15.03.2025, 18.45 Uhr
5 Kommentare
Kommentar 5: Anonym schreibt am 16.03.2026, 18:01 Uhr :
Teilzeit der Ärzte heißt: Es reicht auch so für ein gut situiertes Leben. Der überwiegende Teil der Patienten kommt doch meist mit Lappalien in die Praxis. Da fehlt den Ärzten wahrscheinlich auch die Motivation.
Kommentar 4: Hannah schreibt am 16.03.2026, 16:33 Uhr :
Vielleicht sollte man im Fach Humanmedizin einfach mal den NC heraufstufen oder ganz entfernen und entschieden mehr Studienplätze bereitstellen. So, wie das im europäischen Ausland auch der Fall ist. Gute Noten in der Schule bedeuten ja nicht automatisch, dass man auch ein guter Arzt werden könnte. Da geht bei uns sicherlich viel Potential verloren.
Kommentar 3: Bürger aus NRW schreibt am 16.03.2026, 07:38 Uhr :
Jedes Jahr schließen ca 12000 Absolventinnen und Absolventen das Humanmedizinstudium ab (auf Deutschland bezogen). Davon gehen 85% in die Krankenversorgung, 15% wandern primär in die Forschung oder Industrie ab oder studieren nochmal. 2019/20 führte das Land NRW die Landarztquote ein. Diesbezüglich werden nun die ersten ca 130 Studierenden fertig. Nach dem Studium folgt nun die Facharztweiterbildung, die ca 5-6 Jahre dauert. Also ab 2031/32 müsste es ja besser werden, auch in Westfalen-Lippe. Am Niederrhein in Nordrhein sieht es übrigens nicht viel besser aus. Und selbst in städtischen Regionen finden Hausärzte/innen nicht die gewünschten Nachfolger. KV Sitze werden am Ende nicht mehr vergeben oder von Investoren aufgekauft, womit Medizin mehr zum Spielobjekt vom Finanzmarkt wird und auch der Arzt als freier Beruf, leider von der Politik auch gewollt, zunehmend in Abhängigkeit und Beeinflussung gerät. Der demografische Wandel wird es zudem noch viel extremer werden lassen.
Kommentar 2: Anonym schreibt am 16.03.2026, 07:15 Uhr :
Tja, Konsequenzen der Migrationsfeindlichkeit hat auch negative Konsequenzen. Meine frühere Hausärztin ist wieder ausgewandert.
Antwort von Hypochonder , geschrieben am 16.03.2026, 13:33 Uhr :
Sie ist bestimmt mit vollem Portemonnaie gegangen und genießt jetzt als Privatier ihre finanzielle Unabhängigkeit.
Kommentar 1: Ben schreibt am 15.03.2026, 15:43 Uhr :
Ist doch überhaupt kein Problem. Problem ist gelöst. Ab zur Tierklinik in Stommeln. Die wurde doch gerade für über 3 Millionen Euro erneuert. Da rühmen wir uns doch. Sie ist mit den modernsten Geräten ausgestattet worden. Ist doch super. Für unsere Menschen haben wir kein Geld. Um richtig verstanden zu werden. ich bin auch für das Wohl der Tiere. Aber der Mensch sollte noch im Vordergrund stehen. Der Tierhalter kann ruhig krank werden. Wozu braucht der Hilfe. Hauptsache dem Tier geht es gut.
Antwort von Britta , geschrieben am 15.03.2026, 16:27 Uhr :
Die Hausarzt Praxen werden nicht weiter geführt, weil es kaum Ärzte gibt, die den Job machen wollen. Tiermediziner werden weniger gebraucht und sind bei Bedarf vorhanden.Deshalb lohnt sich auch eher die Tierversorgung als die der Menschen. Sehr schade!