Auf einer Plakette auf dem Gedenkstein steht "Zur Erinnerung an unseren am 25.06.1995 ermordeten Jagdkameraden Werner Senger, seine Jagdfreunde"

Cold Case Werner Senger: Gedenkstein erinnert bis heute an den Mord in Erkrath

Cold Case Werner Senger: "Der Papa, der kommt nicht mehr wieder" 

Stand:

1995 wird Alexandra Sengers Vater bei der Jagd ermordet. Warum und von wem, ist bis heute unklar. Jetzt spricht die Tochter zum ersten Mal öffentlich darüber, wie sie den Mord damals erlebt hat. Und warum sie immer noch hofft, den Mörder zu finden.

Von Helena Kaufmann
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Werner Senger: Ermordet auf der Jagd

Am frühen Morgen des 25. Juni 1995 bricht Werner Senger zu einer Jagd auf. Zu einer Jagd, von der er nicht mehr zurückkommen wird. Der damals 60-jährige Bäckermeister ist leidenschaftlicher Jäger. An diesem Sonntag geht er Kaninchen schießen. Am Römerweg in Erkrath, zwischen Düsseldorf und Mettmann. Später will er mit seiner Familie frühstücken. Doch er kommt nicht.

Seine Frau und seine Tochter suchen und finden ihn schließlich auch. Er liegt tot unter einem schnell zusammengeschobenen Haufen Erde und Brennnesseln. Getötet durch drei Schüsse, in Brust, Schulter und Kopf. Abgefeuert aus nächster Nähe. Neben der Leiche liegen mehrere tote Kaninchen. Hatte der Mörder mit dem ansonsten sehr beliebten Senger einen persönlichen Streit? Oder war es vielleicht ein Wilderer oder ein militanter Tierschützer? Bis heute fehlen Tatwaffe, Motiv und der Mörder selbst. Mehr zu diesem Cold Case zeigen wir bei WDR Lokalzeit MordOrte.

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Sengers Tochter Alexandra ist damals 18, als ihr Vater ermordet wird. Bis heute gibt sie die Hoffnung nicht auf, den Mörder noch zu finden. Mit der WDR Lokalzeit spricht sie zum ersten Mal öffentlich über den Mord.

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Frau und Tochter finden toten Vater

Lokalzeit: Eigentlich wollte ihr Vater nach der Jagd zusammen mit Ihnen frühstücken. Stattdessen bekommen Sie einen Anruf von der Polizei, ob der grüne Opel Astra Kombi Ihnen gehört. Darin sei ein Hund eingesperrt. Was haben Sie nach dem Anruf gemacht?

Alexandra Senger: Es gingen sofort die Alarmglocken an. Ich bin mit meiner Mutter direkt hingefahren. Ungefähr da, wo jetzt der Gedenkstein für meinen Vater steht, stand das Auto und der Hund war drin. Eine Freundin von mir wohnte ein Stück weiter, ihr Vater kam hinzu und fragte, was wir machen sollen. Ich beschloss, die Scheibe einzuschlagen, weil wir anders nicht an den Hund rangekommen wären. 

Alexandra Senger ist auf einem Feldweg unterwegs

Hat ihren toten Vater zusammen mit ihrer Mutter gefunden: Alexandra Senger

Lokalzeit: Der Hund war wieder frei, aber von Ihrem Vater fehlte jede Spur. Wie ging es dann weiter? 

Senger: Wir haben uns aufgeteilt. Ich bin mit dem Hund los, meine Mutter ist in Richtung der Felder gegangen. Da waren damals Rüben, das weiß ich noch. Irgendwann habe ich meine Mutter schreien gehört und bin sofort zu ihr hin. Mein Vater lag in so einer Art Feldfurche, war mit Erde und Brennnesseln bedeckt. Man sah nur Kopf und Füße. Ich glaube, er hatte keine Schuhe an.

Lokalzeit: Das muss doch sicherlich ein schlimmer Anblick gewesen sein? 

Senger: Ich fand nicht. Er sah aus, als würde er schlafen. Es war immer noch mein Papa, nur sah man, dass da nicht mehr viel Leben drin war.  

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Ermittlungen in alle Richtungen

Lokalzeit: Denken Sie oft an diesen Moment zurück? 

Senger: Eigentlich rede ich da ganz gerne drüber, weil ich Angst habe, irgendwas zu vergessen. Aber das Erzählen ist trotzdem unangenehm, weil ich das so surreal finde. Es ist so, als wenn man sich sonntags einen Tatort anguckt, weil man nie damit rechnen würde, dass einem so etwas widerfährt.  

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Lokalzeit: Haben sich die Menschen um Sie gesorgt, nachdem das Ganze passiert ist? 

Senger: Meine Mutter hatte meinen Vater ja als Erste gefunden. Deswegen war sie an dem Tag die Hauptverdächtige und musste mit der Polizei mit. Ich musste also allein nach Hause. Das war hart. Zuhause waren zwar Freunde, aber ich konnte nicht wahrhaben, was passiert ist. Ich habe die Hilfe erstmal weggedrückt. Doch ein Freund der Familie ließ nicht locker. Irgendwann realisierte ich es und sagte: "Der Papa, der kommt nicht mehr wieder".

Lokalzeit: Die Polizei ermittelte in viele Richtungen - private Kreise, Wilderer, Tierschützer. An welche Theorie glauben Sie? 

Senger: Ich habe das Gefühl, dass der Täter aus dem engsten Kreis kommt. Das ist komisch, aber ich habe das auch zu meiner Mutter gesagt. Ich glaube, dass das jemand ist, der uns sieht und der uns noch heute die Hand gibt.

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Hoffnung auf Aufklärung bleibt

Lokalzeit: Nach 30 Jahren sprechen Sie zum ersten Mal öffentlich darüber. Warum? 

Senger: Ich will die Hoffnung nicht aufgeben, dass der Fall doch noch aufgedeckt wird. Das würde endlich einen Abschluss bedeuten und ich könnte vielleicht besser verstehen, was passiert ist. Auch wenn ich den Menschen, der das getan hat, für immer hassen werde.

Lokalzeit: Es sind inzwischen 30 Jahre vergangen. Wie oft begleitet Sie der Mord an Ihrem Vater noch im Alltag? 

Senger: Nicht so häufig, aber die Erinnerungen kommen immer mal wieder zum Vorschein. Vor allem für meine Mutter ist es schwer. Es ist nicht der erste tragische Fall, der ihr widerfahren ist. 1965, da war ich noch nicht geboren und mein Bruder zehn Jahre alt, ist bei einer Fällaktion ein Baum auf meinen Bruder gefallen. Er ist in der Uniklinik an den Verletzungen verstorben. Das mit meinem Vater ist nicht weit davon passiert. Für meine Mutter wäre es einfach gut, wenn es einen Abschluss gibt. Klar, für mich auch, aber für meine Mutter noch wichtiger.   

Wenn du Hinweise zum Mord an Werner Senger hast, melde dich bei der Polizei Düsseldorf oder schreibe uns eine E-Mail an lokalzeithinweise.mordorte@wdr.de. Sachdienliche Hinweise leiten wir gerne weiter.  

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