Petra Deutsch sitzt in ihrem Bauwagen und lächelt in die Kamera.

Der Jakobsweg in Werne: Wie ein alter Bauwagen zum Unterschlupf für Pilger wird

Unterwegs

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Viele Wege führen nach Rom oder eben auch nach Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens. Das Ziel vieler Pilger, die den Jakobsweg laufen. Einer dieser Wege führt durch Werne - direkt bei Petra Deutsch vorbei. In einem alten Bauwagen finden hier Pilger einen Ort zum Ausruhen. Wie sie auf die Idee gekommen ist und warum sie nun sogar selbst auf dem Jakobsweg laufen möchte.

Von Jana Musiol (Text) und Martin Wilger (Multimedia)

Petra Deutsch setzt sich an den runden Esstisch und greift zu dem darauf liegenden grau-weiß gestreiften Heft. Mit einem Lächeln voller Vorfreude blättert sie die ersten Seiten auf - bis zu dem neuesten Eintrag. Sie liest langsam die ersten handschriftlichen Zeilen. Und die letzten: "Schön, dass es dich gibt. Danke von Susanne aus Wuppertal". Das Gästebuch ist immer das Erste, was Deutsch in die Hand nimmt, wenn Pilgergäste den kleinen Bauwagen auf ihrem Grundstück in Werne wieder verlassen haben. Denn was die Unterkunft für die Pilger ist, ist dieses Gästebuch für Deutsch: Glück und Freude. "Wenn ich diese Worte lese, bin ich beseelt", sagt sie.

Jakobsweg führt mitten durch NRW

In Nordrhein-Westfalen gibt es mehrere Jakobswege. Einer der bekanntesten ist der westfälische Jakobsweg. Er verläuft von Osnabrück über das Ruhrgebiet bis nach Wuppertal. Pilger legen auf dieser Strecke etwas mehr als 200 Kilometer zurück. Etwa auf halber Strecke führt sie der Weg durch das Städtchen Werne im Kreis Unna. Hier, mitten im Grünen, lebt Deutsch. Auf ihrem Grundstück bietet die 61-Jährige seit einiger Zeit Pilgern einen Schlaf- und Rastplatz der besonderen Art: einen alten DDR-Bauwagen.

So kam Petra Deutsch die Idee zu dem Pilger-Bauwagen

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Bei Familie Deutsch gibt es eine klare Arbeitsteilung. Deutschs Ehemann ist für den handwerklichen Part zuständig. Er baute den alten rot-gelben Bauwagen in vielen Arbeitsstunden mühevoll um. Sie selbst ist für den kreativen Part verantwortlich: Gardinen nähen, einrichten und dekorieren - alles mit Liebe zum Detail. Das Ergebnis: Ein kleiner Wohlfühlort für Menschen, die oft schon lange unterwegs sind. Beine ausruhen und hochlegen, wenn auch meist nur für eine Nacht.

Pilger-Komfort auf kleinem Raum

Der umgebaute Bauwagen bietet alles, was dafür nötig ist. Links ist der Wohnbereich. Unter den Fenstern steht ein gemütliches Doppelbett. Ein Schlafplatz mit Blick auf Bäume und Wiesen. Direkt daneben befindet sich ein offenes Holzregal und gegenüber ein Heizofen. Die rechte Seite des Bauwagens ist als Essbereich eingerichtet. Für die Pilgergäste stehen auf einem kleinen Servierwagen unter anderem eine Mikrowelle, zwei mobile Kochplatten und das nötige Geschirr bereit. Gegessen wird an einem runden Holztisch, auf den Deutsch immer das Gästebuch und eine Vase mit frischen Blumen platziert. Heute sind es Glockenblumen.

In dem alten DDR-Bauwagen finden Pilgergäste alles, was sie brauchen

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Ihre Gäste sollen es schön haben, sagt Deutsch. Denn besonders seit der Corona-Zeit weiß sie, wie wichtig so ein Ort für Pilger sein kann. "Die Leute waren teilweise so verzweifelt, dass sie am Kloster an der Mauer geschlafen haben. Dass ich denen hier einen warmen Raum geben konnte, das war gut."

Die Pilgerzahlen sind in den letzten Jahren stark gestiegen und erreichten 2024 einen neuen Rekord. Knapp 500.000 Menschen aus der ganzen Welt pilgerten im vergangenen Jahr auf dem Jakobsweg. Der knapp 800 Kilometer lange Camino Francés mit Ende in Santiago de Compostela war die beliebteste Route mit rund 176.000 Pilgern. 

Gäste, die inspirieren

Wenn Deutsch über ihre Gäste spricht, dann strahlt sie. Jede Begegnung sei einzigartig. Eine ist ihr besonders in Erinnerung geblieben: die mit Pilgerin Katja. Wenn Deutsch daran zurückdenkt, kommt sie ins Schwärmen. "Sie ist mit Pferd und zwei Hunden über Hamburg und Münster hergekommen. Wenn man auch das Pferd hier beherbergen kann auf der Wiese, das ist natürlich Luxus." Auf ihrem Smartphone zeigt sie Fotos von Katja und ihren Tieren. Sie streicht mit dem Finger über das Display, um das nächste Foto anzuzeigen. Deutsch hält inne, ihre Augen strahlen und sie lächelt.

Das alles macht etwas mit ihr. Es inspiriert sie. Deswegen will sich Deutsch nächstes Jahr selbst die Wanderschuhe anziehen. Statt im heimischen Werne soll es in Portugal rund 250 Kilometer über den Jakobsweg gehen, gemeinsam mit ihrer Tochter. Darauf freut sich Deutsch schon sehr - und auch auf die verschiedenen Unterkünfte unterwegs.

Über dieses Thema haben wir auch am 24.06.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Dortmund, 19.30 Uhr.