Unterwegs mit Klaus Lange und Esel Fritz

00:30 Min. Verfügbar bis 29.06.2027

Im Eseltempo eine fremde Welt erkunden

Unterwegs

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Wenn Klaus Lange aus Körbecke im Kreis Höxter wandern geht, dann nur mit tierischer Begleitung. Esel Fritz ist immer an seiner Seite. Wir haben das ungewöhnliche Wanderpaar auf einem Abschnitt ihrer 200 Kilometer langen Reise begleitet.

Von Luca Peters

Ein einsamer Haltepunkt, irgendwo im Grenzgebiet zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Der Zug kommt. Ein paar Leute steigen aus, andere ein. Darunter Klaus Lange. Der 61-Jährige ist aber nicht alleine unterwegs. Er hat einen Esel dabei. Stoisch zwängt sich und seinen 250-Kilo-Kaltblüter Fritz in die kleine Regionalbahn, als hätte er in seinem Leben noch nie etwas anderes gemacht.

Verwunderte Fahrgäste starren auf das ungewöhnliche Duo, das sich dort im Gang breitgemacht hat. Auch die Zugbegleiterin scheint nicht recht zu wissen, wem oder was sie hier eigentlich ein Ticket ausstellen soll. "Kein normaler Arbeitstag, oder?", ruft Lange der verdutzten Frau gut gelaunt entgegen. Der Eselwanderer ist wieder unterwegs - und seine Reise fängt gerade erst an.

Mit dem Esel 200 Kilometer gen Norden

Vor fünf Jahren holte der Landwirt zum ersten Mal Esel Fritz von der heimischen Weide und ist einfach losgelaufen. "Irgendetwas brennt in mir", meint Lange. "Irgendwas treibt mich an, Dinge einfach zu tun, einfach durch die Landschaft zu gehen und zu merken, dass da eine fremde Welt ist, die ich eben noch nicht so oft gesehen habe."

Klaus Lange steht neben seinem Esel in der Natur. Lange trägt einen Hut und einen Wanderrucksack.

Klaus Lange und Esel Fritz starten ihre bislang längste Tour

Seitdem ist das Wandern mit dem Esel fester Bestandteil seines Lebens. Die aktuelle Tour ist die längste bisher: über 200 Kilometer. Von der eigenen Haustür im kleinen Dorf Körbecke im äußersten Osten Nordrhein-Westfalens geht es bis in die Nähe des Steinhuder Meers in Niedersachsen. Fast zwei Wochen wird ihre Reise dauern - über Feldwege und Waldlichtungen, durch winzige Weiler und kleine Städtchen. Alles selbstverständlich im Eseltempo. "Mit Fritz bin ich nur halb so schnell, wie ich normalerweise reise. Aber das ist in Ordnung. Es ist ja auch seine Reise", sagt Lange.

Eine Reise zu sich selbst

Die beiden haben gerade ein kleines Wäldchen hinter sich gelassen, als plötzlich der Wind aufzieht. Lange zieht seinen Strohhut tiefer in das wettergegerbte Gesicht und gibt dem Esel Leine. Die beiden sind seit dem frühen Morgen unterwegs und brauchen dringend eine Pause.

In solchen Momenten setzt sich Lange unter einen Baum, kramt sein Tagebuch aus dem Rucksack und beginnt zu schreiben - über das, was ihn bewegt, und die Menschen, die ihm und Esel Fritz auf ihrer Wanderung begegnen. Für Lange ist die Eselreise auch eine Reise, um sich selbst besser zu verstehen. "Zweimal wurde ich schon gefragt, was ich über Gott denke - von einem sechsjährigen Kind und einer achtzigjährigen Oma. Alles innerhalb von 24 Stunden. Das war sehr intensiv", erinnert sich der 61-Jährige.

Wie aus Begegnungen Geschichten werden

00:22 Min. Verfügbar bis 29.06.2027

Lange und Fritz sind beste Kumpels, seit dem Moment, als Lange den Esel vor über zwanzig Jahren mit der Flasche großgezogen hat. Die Vorurteile über die vermeintlich störrischen Vierbeiner teilt Lange nicht. "Ob es Eselliebe gibt, das weiß ich auch nicht so genau. Ich will es nicht übertreiben mit den Gefühlen, aber es ist auf jeden Fall eine Freundschaft."

Ein auffälliges Duo

Die Eselwanderung ist auch eine Reise ins Ungewisse. Die beiden kennen das Ziel, doch wo sie abends die Nacht verbringen, wissen sie längst nicht immer. Doch mit Fritz an seiner Seite, davon ist Lange überzeugt, öffnen sich Türen, die anderen Wanderern verschlossen bleiben. "Für manche Kontakte braucht man eben einen Esel."

Ganz egal, in welches Dorf es Lange und seinen Esel auch verschlägt: Wo die Eselwanderer auftauchen, sind sie für einen kurzen Moment die Hauptattraktion. Dann kommen fremde Kinder angelaufen, in der Hoffnung, ein kleines Stück mitreiten zu dürfen. Dann kommen wieder die Fragen nach dem Wieso und Warum der Reise.

Warum auch Selbstzweifel zur Reise gehören

00:34 Min. Verfügbar bis 29.06.2027

Lange wandert, weil es ihn in die Ferne zieht - und weil er einen Begleiter hat, der jeden Weg mit ihm teilt. Wenn alles gut geht, will Lange in ein paar Jahren seine Esel-Erlebnisse in einem Buch verpacken: Über zweisame Wanderungen im Regen, Smalltalks über Gott. Und einen Esel in der Regionalbahn.

Über dieses Thema haben wir auch am 06.06.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit OWL, 19.30 Uhr.