Ralf Spilles, ein Mann mit Kappe und leichtem weißem Bart und Gehstock in der Hand. Im Hintergrund ein dicht bewachsenener Wald.

Abenteuer Heimat: Ralf Spilles umrundet NRW zu Fuß

Unterwegs

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Ralf Spilles ist ein Grenzgänger. Wortwörtlich. Seit acht Jahren geht er die NRW-Landesgrenze zu Fuß ab. 1662 Kilometer. Nun ist er kurz vor dem Ziel. Was er auf seinem Weg erlebt hat, füllt mehr als nur ein Buch.

Von Sebastian Tittelbach

Das Glück von Ralf Spilles passt beinahe komplett in seinen Rucksack: Butterbrote, Wasser, Handy, Fernglas, sein Aufnahmegerät und - ganz wichtig - die Landkarte. Seine wachen Augen streifen über die Felder und Wiesen, während er über sanft geschwungene Hügel und Feldwege im kleinen Ort Hilberath in Rheinbach wandert. In den letzten Jahren hat Spilles viel ländliche Idylle gesehen. Und doch entdeckt der 66-Jährige aus Kreuzau im Kreis Düren auf jeder Etappe etwas Neues.

Auf großer NRW-Umrundung: 1662 Kilometer Grenzwanderung

Seit 2017 ist Spilles unterwegs. Ohne großes Aufsehen startete er in Aachen das Abenteuer "NRW-Umrundung". Seitdem läuft er Etappe für Etappe die 1662 Kilometer lange Grenze des Bundeslandes entlang. Wegen kleiner Umwege dürften es am Ende für Spilles eher 1800 Kilometer werden. Verlaufen habe er sich nie. "Ich geh' nur anders", sagt er und lächelt verschmitzt.

Wie Ralf Spilles NRW Schritt für Schritt umrundet

00:14 Min. Verfügbar bis 27.05.2027

Spilles fand es selbst überraschend, dass vor ihm wohl noch niemand dieses Abenteuer gewagt hat. Jedenfalls ist ihm noch kein NRW-Umrunder begegnet. Seine Freunde dachten, dass auch aus ihm keiner werden würde. Doch Spilles hielt an seinem Plan fest. Nach acht Jahren ist der 66-Jährige jetzt fast wieder da, wo er angefangen hat: Im Süden von NRW, auf seiner 111. Etappe.

"NRW ist auf der linken Seite und rechts ist Rheinland-Pfalz", sagt Spilles und zeigt mit dem Finger in die Richtungen. Hätte er keine Karte dabei, wäre der Feldweg zwischen Wiese und Bäumen im kleinen Ort Hilberath nicht als Landesgrenze erkennbar. Seine Routen hat er im Vorfeld penibel ausgearbeitet, denn der Rand des Landes ist leicht zu übersehen.

In Hilberath ist für den Wanderer schon fast das Ende in Sicht - zumindest auf der Landkarte. Doch sie kann auch in die Irre führen. Zwar sind es von hier bis zu seinem Zielort bei Aachen nur rund 80 Kilometer Luftlinie, entlang der Grenze vergrößert sich die Strecke aber auf etwa 200 bis 250 Kilometer.

Das Wandern liegt bei Spilles in der Familie. Seinen Eltern gehörte ein Holzhaus in der Eifel. Auf gemeinsamen Touren lernte er die Landschaft kennen und das Wandern lieben. Den großen, hölzernen Wanderstock in seiner Hand hat er von seinem Vater übernommen. Spilles ist Schönwetter-Wanderer, auf Regen hat er keine Lust.

Unvergessliche Wander-Erinnerungen

Und so nutzte der 66-Jährige jeden sonnigen, freien Tag, um sein Ziel zu erreichen. Urlaub nahm sich der frühere Anzeigenleiter nicht. Stattdessen zog er an Wochenenden mit Hund Luke von Etappe zu Etappe, jedes Mal bis zu 25 Kilometer. Es kamen tausende Kilometer zusammen, zahlreiche abgelatschte Wanderschuhe und denkwürdige Momente. Am nördlichen Rand von NRW übernachtete Spilles im Auto, er wanderte ein Stück mit WDR-Moderatorin Sabine Heinrich und schaffte es sogar bis nach Rom. Klingt fernab von der Route, ist aber ein kleiner Fleck im Oberbergischen bei Morsbach.

  • Zum Beitrag: "Deutschlands schönster Fernwanderweg: Bergischer Weg holt den Titel"

Viel ist in den Jahren passiert: Hund Luke ist verstorben und Spilles inzwischen im Ruhestand. Auf Instagram dokumentiert er seine Tagesausflüge. Nur den schönsten Ort von NRW habe er auf seiner Strecke bisher nicht gefunden.

Warum Ralf Spilles nicht seinen Lieblingsort findet

00:11 Min. Verfügbar bis 27.05.2027

Umgeben von grünen Wiesen packt Spilles in Hilberath sein Fernglas aus. So etwas sollten Eltern ihren Kindern eher schenken als ein neues Handy, findet er. Was er entdeckt und wen er trifft, hält er sorgfältig fest. Ein erstes Buch von seinen Touren hat er bereits fertig geschrieben. Weitere sollen folgen, damit auch andere Wanderer auf den Geschmack kommen.

"Ich würde jedem, der einigermaßen gut zu Fuß ist, empfehlen: Versuch es mal." Nach der NRW-Umrundung will Spilles übrigens weiterlaufen. Vielleicht auf den Teilen des Jakobsweges in NRW, überlegt er.

Über dieses Thema haben wir auch am 24.04.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit Aachen, 19.30 Uhr.