Im Einsatz für bessere Bahnhöfe: Das macht ein Stationstester beim VRR
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Wenn ein Bahnhof zur Tropfsteinhöhle wird und die Natur sich die Gleise zurückholt, ist etwas schiefgelaufen. Karl Vogt will eigentlich dafür sorgen, dass sich das ändert. Er ist Stationstester für den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr und erfasst regelmäßig Mängel an Bahnstationen. Warum viele Probleme trotzdem bestehen bleiben.
Von Lars Faulenbach
Am Bahnhof Gelsenkirchen Zoo ist es laut. Von der einen Seite rauschen die Autos der Autobahn 42, von der anderen Seite rattert einer der vielen Güterzüge, die hier regelmäßig fahren. Die meisten Fahrgäste, die ein Zug der RB 43 nach Dorsten gerade ausgespuckt hat, eilen schnell zum Ausgang des Bahnhofs. Nicht so Karl Vogt. Der 43-Jährige setzt erst mal seinen Rucksack auf dem Bahnsteig ab und zückt sein Smartphone: "Dann wollen wir mal gucken, was wir hier finden."
Stationstester beim VRR: Wissen, wo es hakt
Der Bahnhofstester schaut sich erst einmal auf dem kleinen Bahnhof um. Mit dem Handy fotografiert er Schäden oder herumliegenden Müll. Vogt macht gerade Fotos von einer Vitrine, in der wohl mal Fahrpläne hingen. Der Frontrahmen hängt lose herunter, an den scharfen Metallecken könnte sich jemand schneiden. Er entdeckt Schäden, Grünbewuchs und Graffiti. "Es ging schnell bei dieser kleinen Station, Mängel zu entdecken." Für seine Beobachtungen vergibt er in einer eigenen VRR-Smartphone-App Punkte. Er zieht welche ab, wenn zum Beispiel ein Aufzug oder eine elektronische Anzeigetafel fehlen. Ist der Bahnhof besonders gepflegt, bekommt er aber auch Pluspunkte.
Karl Vogt kann Schäden am Bahnhof auf den ersten Blick feststellen
00:37 Min.. Verfügbar bis 31.05.2027.
Solch einen Besuch eines Stationstesters bekommt jede der 296 Stationen im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr viermal im Jahr. Vogt ist dabei einer von insgesamt neun Stationstestern. Auf Grundlage ihrer Bewertungen veröffentlicht der VRR einmal pro Jahr seinen Stationsbericht. Der gibt zum Beispiel an, ob Stationen barrierefrei und sauber sind oder wie gut Fahrgäste über Verspätungen informiert werden. Im aktuellen Bericht werden vor allem Verschlechterungen bei der Aufenthaltsqualität bemängelt. Dem Bahnhof Gelsenkirchen Zoo wird dabei ein besonders schlechtes Zeugnis ausgestellt. Er schneidet mit zehn weiteren Stationen insgesamt am schlechtesten ab.
Tropfendes Wasser und dunkle Gänge
Vogt macht seinen Job seit 15 Jahren und hat in dieser Zeit zahlreiche Bahnstationen gesehen. Manche sähen immer noch so aus wie zu der Zeit als er angefangen hat: "Es gibt Probleme mit Vandalismus, dagegen kann die Bahn nichts tun. Sie können so oft sie wollen die Scheiben erneuern, die werden immer wieder zerschlagen. Aber es gibt andere Probleme, da könnte man schon etwas tun. Wie zum Beispiel der Boden hier", sagt Vogt und zeigt auf die Löcher, an denen das Gras teils knöchelhoch aus dem Beton wuchert.
Die schlechte Bewertung des Bahnhofs Gelsenkirchen Zoo wundert Bahnhofstester Vogt nicht. Er ist beim einzigen Zugang zum Bahnhof angelangt, einer langen, etwas baufälligen Treppe. Sie führt hinunter in eine dunkle Bahnhofsunterführung. Auch hier wuchert das Grün und es tropft kalkhaltiges Wasser von der Decke.
Barrierefreiheit ist an vielen Bahnhöfen ein Problem
00:19 Min.. Verfügbar bis 31.05.2027.
Tatsächlich ist das Thema Barrierefreiheit das größte Problem, vor allem an kleineren Bahnhöfen. Wie der aktuelle Stationsbericht des VRR zeigt, gibt es an rund einem Drittel der Stationen erhöhten oder sogar hohen Handlungsbedarf. Entweder fehlen Aufzüge oder die Bahnsteige sind zu niedrig. Bahnhofstester Vogt und seine Kollegen hoffen, mit ihrer Arbeit den Druck auf die Bahn hochzuhalten. Doch sie wissen auch, dass die Mühlen hier langsam mahlen. Auch weil dem VRR, anders als bei Problemen mit den Zügen, die Möglichkeit fehlt, finanziellen Druck auf die Deutsche Bahn auszuüben.
Über dieses Thema haben wir auch am 07.05.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit Dortmund, 19.30 Uhr.