Dog-Sharing: Wie sich Freundinnen aus Recklinghausen Hündin Wally teilen
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Hündin Wally hat nicht nur ein Zuhause, sie hat gleich mehrere. Nadin Duberg und Susi Schmücker aus Recklinghausen geht es wie vielen Menschen: Sie möchten gern einen Hund, haben aber eigentlich nicht genügend Zeit. Also entschieden sie: Wir teilen uns einen. Welche Vorteile hat das Dog Sharing?
Von Sophie Conrad
Nadin Duberg, Susi Schmücker und Schmückers Mutter Hanne brüten über einem Notizbuch. Wer nimmt Wally am Wochenende? Wer danach? Bei der "Wally-Family", wie sich die drei Frauen nennen, ist alles genau abgestimmt. Die vierjährige Hündin selbst schaut währenddessen unter der bunten Tischdecke im Kleingarten hervor. Von Duberg bekommt sie noch ein Leckerchen gereicht, ehe sie sich nebenan auf die Steinterrasse legt.
Wally kam während Corona-Pandemie
"Wally kam, als es uns gerade sehr schlecht ging", sagt Duberg. "Wir wollten beide einen Hund, aber hatten keine Zeit. Wir arbeiten beide Vollzeit und wir wollten keinen Hund, der acht Stunden unter dem Schreibtisch liegen muss." Also entschieden sie sich dafür, sich gemeinsam um Wally zu kümmern.
Wally kam in einer schwierigen Zeit zu Nadin Duberg und Susi Schmücker
00:24 Min.. Verfügbar bis 20.08.2027.
Mit dem Wunsch nach einem Hund sind die 47-jährige Duberg und ihre 56-jährige Freundin Schmücker nicht allein. Laut dem NRW-Landwirtschaftsministerium waren Ende 2022 allein in NRW rund eine Million Hunde gemeldet, seitdem wurden keine neuen Zahlen veröffentlicht. Gleichzeitig schlagen viele Tierheime Alarm, weil sie maßlos überfüllt sind. Denn Besitzer unterschätzen den Zeitaufwand und die Kosten für Versicherung, Futter oder Arztbesuche für ein Haustier häufig. Beim Dog-Sharing wird die Last auf mehrere Schultern verteilt.
Duberg und Schmücker entscheiden sich, sich einen Hund zu teilen. Zusammen mit Schmückers Mutter Hanne, die vormittags die Betreuung übernimmt. Sie geht mit Wally in den Wald, wenn Duberg und Schmücker arbeiten. Das ist jetzt seit rund drei Jahren ihr Alltag. "Wally ist wirklich eine große Bereicherung für mich. Ich habe viele neue Leute kennengelernt, auch beim Spazierengehen. Es ist schön, dass sie immer dabei ist", sagt die ehemalige Langläuferin. Und wenn die Drei mal nicht können, gehen auch Freunde mit dem Hund spazieren.
Wie funktioniert Dog-Sharing?
Damit so ein Projekt funktionieren kann, sind sich Duberg und Schmücker sicher, muss viel geplant werden. "Wir sind beide kleine Organisationsfreaks", sagt Schmücker. Einmal pro Woche treffen sie sich und sprechen die nächste Woche durch. Arzttermine, Früh- und Spätdienste, Futtereinkauf.
Nadin Duberg und Susi Schmücker planen, wer sich wann um Hündin Wally kümmert
00:14 Min.. Verfügbar bis 20.08.2027.
Die offizielle Besitzerin ist Duberg. Bei ihr flattern die Briefe für die Hundesteuer oder die Versicherung rein. Auch ein eigenes Wally-Bankkonto gibt es. Davon werden alle Tierkosten bezahlt.
Konzept Dog-Sharing hat zwei Seiten
Dass das Konzept nicht mit jedem Hund möglich ist, wissen Duberg und Schmücker. "Natürlich hängt das auch vom Hund ab." Dennoch argumentieren beide: "Mit Kindern klappt es außerdem auch. Wie viele Trennungskinder gibt es denn?"
Inzwischen kümmern sich fünf Menschen um Wally - und sind dabei zu einer Familie zusammengewachsen
Jörg Bartscherer, der Geschäftsführer des Verbands für das Deutsche Hundewesen sagt: "Grundsätzlich spricht auch viel dagegen. Ein Hund braucht klare Bezugspersonen. Wenn der aber damit klarkommt und ihm das nicht zu viel wird, er nicht gestresst ist, dann kann das natürlich funktionieren."
Und Hündin Wally?
Wally begrüßt beim Grillen fröhlich alle Mitglieder der Wally-Family. Sie weiß genau, bei wem sie im Bett schlafen darf, und bei wem nicht. Ruhig liegt sie an dem Nachmittag unter dem Tisch, bei all ihren Besitzerinnen und Besitzern. Mittlerweile feiern die Freunde Weihnachten und Geburtstage miteinander und fahren zusammen in den Urlaub. "Wally hat uns wirklich zu einer richtigen Familie gemacht", sagt Duberg.
Über dieses Thema haben wir auch am 15.07.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Dortmund, 19.30 Uhr.