Nach 40 Jahren am Steuer der "Michaela II": Die letzte Fahrt der Rheinfähre
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Hajo Schäfer ist quasi auf der Rheinfähre Meerbusch-Düsseldorf-Kaiserswerth aufgewachsen, seit 40 Jahren steht er hier am Steuer. Doch nun ist Schluss: die Verbindung wird eingestellt. An seinem letzten Tag kommen viele Pendler und Ausflügler, um sich zu verabschieden.
Von Helge Drafz
Hajo Schäfer schaut vom Steuerhaus hinunter auf das ungewohnte Treiben auf seiner Fähre. "Jetzt kommt doch Wehmut auf", sagt der 60-Jährige: "All diese Leute, die ich zum Teil schon ewig kenne, sind hier, um sich zu verabschieden." Wie an jedem Werktag pendelt der Besitzer der Rheinfähre Meerbusch-Düsseldorf-Kaiserswerth seit sieben Uhr zwischen dem linken und rechten Rheinufer hin und her.
Schulkinder aus den Meerbuscher Rheindörfern, die in Kaiserswerth das Gymnasium besuchen, und Berufspendler mit ihren Autos bringt er morgens über den Fluss. Doch seit es richtig hell ist an diesem Freitagmorgen im Winter, kommen auch immer mehr Passagiere auf die Fähre, die gleich mehrfach hin und her fahren und das beliebte Verkehrsmittel offenbar gar nicht mehr verlassen wollen.
Nach 800 Jahren: Aus für Rheinfähre zwischen Düsseldorf und Meerbusch
Lokalzeit aus Düsseldorf. 19.12.2025. 03:15 Min.. Verfügbar bis 19.12.2027. WDR. Von Helge Drafz.
Der Fährmann hat vor einigen Wochen angekündigt, dass nun Schluss sei mit dem Fährbetrieb. Die Entscheidung hat er schweren Herzens getroffen. "Ich finde kein Personal mehr, monatelang habe ich gesucht, aber offenbar gibt es niemanden mehr mit einem Binnenschifferpatent oder wenigstens mit einem Fähr-Führerschein." Ein Mitarbeiter sei in den Ruhestand gegangen, ein anderer höre nächstes Jahr auf, und allein könne er die Fähre nicht fahren, täglich von morgens bis abends und auch am Wochenende. So habe der Betrieb keine Zukunft mehr.
Fährbetrieb schon seit dem Mittelalter
Das Ende der Fähre ist das Ende einer Epoche. Mindestens seit 900 Jahren hat es an dieser Stelle am Rhein eine Fähre gegeben, seit der deutsche Kaiser Friedrich Barbarossa die auf einer Rheininsel errichtete und zunächst kaum genutzte Kaiserpfalz zu einer Festung und Zollstätte ausbauen ließ. Sie war der Ursprung des Städtchens Kaiserswerth, heute ein nördlicher Stadtteil von Düsseldorf.
Anfangs waren es Holzboote für den Personenverkehr, später transportierte die Fähre auch Pferdefuhrwerke und Vieh über den Fluss. Vor 60 Jahren, erzählt Hajo Schäfer, während er die Fähre gekonnt zwischen den Rheinschiffen hindurch steuert, übernahmen seine Eltern die Motorfähre, die auch Autos über den Rhein brachte. Er und seine Schwester seien auf der Fähre aufgewachsen.
Passagiere verabschieden die Rheinfähre "Michaela II"
Schäfer, der selbst seit 40 Jahren am Steuer steht, wirkt gerührt, als immer mehr Männer und Frauen die schmale Stahltreppe hinauf zu ihm ins Steuerhaus kommen. Alle drücken ihr Bedauern aus und sagen, wie sehr sie die "Michaela II" geliebt hätten: die Sommerabende, an denen man am Anleger die hin- und herpendelnde Fähre beobachtet, oder die Wochenenden, an denen man die Fähre auch für Wanderungen und Radtouren genutzt hätte. Oder auch nur für Ausflüge zu den Gaststätten am jeweils anderen Rheinufer. Aber es kommen auch Leute, die in ihrem Alltag auf die Fähre angewiesen sind.
Anstrengungen für den Erhalt der Fährverbindung
"Ich habe die Büros der Bürgermeister von Meerbusch und Düsseldorf angerufen und Druck gemacht", sagt eine Frau. Denn die Spitzen beider Städte verhandeln darüber, ob und wie man den Fährbetrieb weiterführen könne. Die Rheinfähre ist nicht nur ein Magnet für Ausflügler und Freizeitsportler, die zwischen Frühjahr und Herbst zu Hunderten hier den Rhein überqueren. Schüler und Berufspendler sind auf den schnellen Weg über den Rhein angewiesen.
Auch Fährmann Hajo Schäfer hofft, dass es irgendwie weitergeht. Vielleicht, wenn - so eine Idee - das Nahverkehrsunternehmen Rheinbahn die Fähre weiter betreibt. Im Januar gebe es dazu weitere Gespräche, sagt er, während er mit den letzten Fahrgästen über den Rhein setzt. Jetzt bringe er sein "Boot" wie jeden Dezember erstmal ins Winterquartier im Düsseldorfer Hafen. Nach Weihnachten seien die üblichen Wartungsarbeiten zu erledigen und dann sehe er weiter.
Nun aber legt "Michaela II" zum letzten Mal im Meerbuscher Ortsteil Langst-Kierst ab. Hajo Schäfer lässt die Dieselmotoren dröhnen und lenkt die Fähre rheinaufwärts. Zweimal hupt der Fährmann zum Abschied noch mit dem Nebelhorn und winkt seinen Freunden am Ufer zu. Dann verschwindet "Michaela II" am Horizont.
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 19.12.2025, 19.30 Uhr.