Olli ist tot: Wuppertaler trauern um Obdachlosen
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Der Obdachlose Oliver H. starb mit Anfang 50 am Tag vor Heiligabend in Wuppertal. Unterkühlt und krank. Ein ganzer Stadtteil trauert.
Von Wolfram Lumpe
Die Basilika Sankt Laurentius in Wuppertal-Elberfeld ist zur Sonntagsmesse nicht nur deutlich voller als sonst. Die Menschen, die gekommen sind, könnten unterschiedlicher nicht sein. Eine Frau mit Sonnenbrille und Designerkleidung steht neben drei Männern, die von der Platte gekommen sind. Zwei Beigeordnete der Stadt sind da, Gastronomen, Geschäftsleute, Anwohner. Alle vereint eins: die Trauer um Olli.
Oliver H., von allen nur Olli genannt, lebte auf der Straße. Er gehörte zu den etwa 122.000 Menschen im Westen, die laut NRW-Sozialministerium 2024 als wohnungslos galten. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2011. Genaue Zahlen zu Obdachlosen, die wie Olli auf der Straße und nicht etwa in Notunterkünften oder bei Bekannten leben, gibt es nicht. Gerade im Winter sind sie besonders gefährdet - die Kälte kann lebensbedrohlich sein.
Der Obdachlose "Olli" ist tot: Ein Nachruf
Lokalzeit Bergisches Land. 19.01.2026. 03:58 Min.. Verfügbar bis 19.01.2028. WDR. Von Annette Hager, Wolfram Lumpe.
Über Ollis Tod kursieren verschiedene Darstellungen. Herzprobleme haben wohl eine Rolle gespielt, Drogen auch. Und die Kälte und der Zug in dem heruntergekommenen Parkhaus, in dem er oft schlief. Sicher ist sein Todesdatum, der 23. Dezember 2025. Bekannt wurde das erst Anfang Januar. Daher auch die erst einige Wochen später angesetzte Trauermesse.
Große Trauer um Olli aus Wuppertal
Die Schlange am ausgelegten Kondolenzbuch ist lang. Mehrfach steht hier, wie liebenswert Olli war, wie sehr er vermisst wird. Das wird auch bei einem Gang durch das Luisenviertel offensichtlich. Es ist die Ausgehmeile der Stadt.
Olli war täglich im Luisenviertel unterwegs und hat gebettelt, freundlich, ohne Aggression. So heißt es hier überall. Den obligatorischen Euro quittierte er mit freudiger Stimme und einem "Danke, Sie glauben gar nicht, wie sehr Sie mir damit helfen". Der Metzger reichte ihm schon mal ein Schnitzel raus, im Szene-Café bekam er einen Kaffee in die Hand gedrückt. Der Betreiber möchte zu Ollis Tod nichts sagen, besser gesagt, er kann es nicht, ohne in Tränen auszubrechen. Deckungsgleiche Worte und Emotionen vom Leiter des Bio-Supermarktes nebenan.
Im Dezember 2023 war Olli Teil eines WDR-Beitrags über wohnungslose Menschen. Zu sehen war er da unter einem Busch neben der Sparkassen-Zentrale. Im strömenden Regen lag er nachts unter einer Plane. Die Helfer von Lichtschmiede e.V. besuchten ihn damals und reichten ihm eine heiße Suppe. "Ich find das unheimlich nett, dass jemand vorbeikommt, der nach mir sieht", sagte Olli.
Wuppertaler Obdachloser wollte keine Hilfe
Sabine Wiegand-Steffan von der Lichtschmiede ist auch zur Messe gekommen. "Er ist zuletzt immer weniger geworden, hat weniger geredet." Man könne sich das auch nicht vorstellen, wie das ist, über Jahre Tag und Nacht auf der Straße zu leben. Und das tat Olli. Weil er es wollte. Alle weiteren Hilfsangebote - und davon gab es viele - lehnte er ab. "Wenn ich ihn gefragt habe, willst du nicht in einer anderen Weise leben und wohnen können, dann hat er gesagt: 'Ich bin zufrieden, mir geht es gut'", sagt der örtliche evangelische Pfarrer Johannes Nattland. Bei ihm war Olli oft im Kirchencafé zu Gast.
Olli wurde im engsten Familienkreis beerdigt, in aller Stille. Hilfsangebote von hier nahm er dem Vernehmen nach auch nicht an. Die Menschen in seiner "Heimat", dem Luisenviertel, dürfte er für das Schicksal der Menschen ohne Dach über dem Kopf ein großes Stück sensibler gemacht haben.
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 19.01.2026, 19.30 Uhr.