Carlo Vivalditrägt eine Brille, hat kurze braun-graue Haare, ein blau-weiß-kariertes Hemd, trägt blaue Handschuhe aus Gummi und hält die Hand einer Patientin mit Brille, blonden Haaren und schwarzem Tank-Top.

Die kleinste Praxis Kölns: Hier bekommen Obdachlose umsonst Hilfe

Füreinander

Stand:

Auf nur 20 Quadratmetern werden in der CAYA-Praxis in Köln-Mülheim obdachlose und bedürftige Menschen medizinisch versorgt. Das ehrenamtliche Team möchte mit der Arbeit denen helfen, die weniger privilegiert sind als sie selbst.

Von Mirjam Ratmann (Text) und Daniel Gowitzke (Multimedia)

Mit einem Ohrenspiegel untersucht Carlo Vivaldi den Gehörgang seines Patienten, ein älterer Mann mit grauem Haar und Bart. Er leuchtet mit einer Lampe in seinen Hals, tastet ihn ab. "Da ist eindeutig was entzündet," sagt Vivaldi. Er nimmt dem Mann Blut ab - das erste Mal seit sieben Jahren. Hier ist das nicht ungewöhnlich, denn wie die meisten Patienten an diesem Tag hat auch er keinen festen Wohnsitz.

Medizinische Grundversorgung für alle

Wohnungslose, obdachlose oder bedürftige Menschen bekommen in der CAYA-Praxis am Bergischen Ring in Köln-Mülheim seit drei Jahren fünf Tage die Woche kostenlose medizinische Grundversorgung. CAYA steht für "Come as you are" - komm, wie du bist. Der dahinterstehende Verein wird durch Spenden finanziert. In dem weißen, 20 Quadratmeter großen Container, in dem CAYA untergebracht ist, hat das ehrenamtliche Team bereits 457 Menschen versorgt.

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Laut dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) waren Stand 2023 10.315 Menschen in Köln wohnungslos. Ohne Krankenversicherung können sie sich in Praxen oder Krankenhäusern nicht behandeln lassen oder bleiben auf hohen Kosten sitzen.

Kölner Arzt behandelt ehrenamtlich Obdachlose

Nicht so bei CAYA: Hier erhalten Menschen unabhängig von Versicherungs- oder Aufenthaltsstatus eine Behandlung. Vivaldi arbeitet eigentlich als Proktologe am Neumarkt. Drei Tage im Monat hilft er als Arzt bei CAYA aus. "Ich hab das Gefühl ich muss etwas zurückgeben an die Gesellschaft. Wir sind Ärzte, wir verdienen gutes Geld. Aber es gibt andere Menschen, die ein anderes Leben führen und Hilfe brauchen."

So wie Milena, die einen entzündeten Splitter im Finger hat. Vivaldi hält ihre Hand in seiner, sagt "Einmal den Finger strecken", doch Milena zuckt vor Schmerzen zurück. "Das geht nicht." Durch die Entzündung ist ihr Finger geschwollen, das Strecken tut weh. Aber sie hat Glück: Der Splitter hat wohl keine Sehne verletzt und muss nicht operiert werden. "Das sind kleine Engel hier", sagt sie, als sie lächelnd und mit frisch verbundenem Finger den Container verlässt.

Über dieses Thema haben wir am 25.03.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Köln, 19.30 Uhr.