Maura Porrmann vor einem Regal, gefüllt mit dutzenden Pokalen

"Kickern ist wie Meditation": Wie Warburg von einer Weltmeisterin lernt

Heimatliebe

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In einem unscheinbaren Raum mit Kickertischen gibt eine Frau eine Trainingsstunde, die Europa und die Welt besiegt hat. Dabei begann Maura Porrmanns Karriere ungewöhnlich: mit einer Verletzung. Wie sie heute in Warburg ihre Erfolgsgeheimnisse weitergibt.

Von Kolja Selker

Wer sich in dem unscheinbaren Trainingsraum mit der holzvertäfelten Schrägdecke umschaut, würde es nicht erwarten: Aber hier spielt eine echte Weltmeisterin. Ihr Gegenüber: Ein Junge im Alter von etwa zehn Jahren. Maura Porrmanns Augen zucken hin und her, während sie dem Ball auf dem Spielfeld folgen. Auf ihrem Gesicht wechseln sich innerhalb von Sekunden Spannung und Vorfreude ab. Blitzschnell knallt sie den Ball ins gegnerische Tor.

Tischfußball: Voll im Trend

Porrmann ist 37 und seit Sommer Tischfußball-Weltmeisterin im Damen-Doppel. Der Sport hat in den vergangenen Jahren merklichen Aufwind erlebt. Denn erst seit 2008 gibt es überhaupt einen Tischfußballverband in Nordrhein-Westfalen. Er vertritt aktuell fast 50 Vereine. Das Alter der Spieler reicht von unter 13-Jährigen bis zu Seniorinnen und Senioren über 60 Jahren. Immer mehr klassische Sportvereine gründen inzwischen Kicker-Abteilungen. So auch der Warburger Sportverein. Hier trainiert Weltmeisterin Maura Porrmann jeden Dienstag zwischen 18 und 19.30 Uhr mit Amateuren.

Die Neulinge sollen dabei Spaß am Tischfußball haben. Das ist Porrmann wichtig. "Bleib locker! Der härteste Schuss kommt nur aus einem lockeren Handgelenk. Die Daumen seitlich mit allen anderen Fingern an die Griffe - sonst hast du weniger Bewegungsspielraum", erklärt die Trainerin.

Maura Porrmann erklärt den "Pinshot"

00:25 Min. Verfügbar bis 30.11.2027

Für das Training mit den Amateuren im Warburger Sportverein hat Porrmann bei Sponsoren extra Kickertische organisiert. Erwachsene spielen mit, aber auch Zehnjährige. "Sie spielt super! Und sie erklärt richtig gut. Wenn ich früher zu Hause mit meinem Papa gespielt habe, dann habe ich immer verloren. Ich trainiere mit ihr seit einem Jahr, und mittlerweile verliert mein Papa immer gegen mich", sagt Kicker-Schüler Philip.

Welchen Kicker-Tipp gibt eine Weltmeisterin?

Porrmann weiß, wie wichtig gute Tipps sind. Vor 13 Jahren musste sie wegen einer Verletzung mit dem Fußballspielen aufhören. Damals zog sie häufig mit ihren Freundinnen durch Kneipen. Während ihre Freundinnen tanzten, spielte sie am Kickertisch. "Da waren Profis, die mir immer mehr beibrachten. Irgendwann ging ich zu Turnieren. Und da lernst du noch mehr. 2016 wurde ich mit der deutschen Nationalmannschaft Europameisterin. Und ab da ging es richtig rund. Alles nur durchs Kickern", erzählt Porrmann.

Wie Maura Porrmann zum Kickern kam

00:18 Min. Verfügbar bis 30.11.2027

Der wichtigste Tipp: Nicht ablenken oder provozieren lassen. "Total viel passiert im Kopf. Manchmal machen Gegner absichtlich Schmatzgeräusche oder rollen mit den Augen. Je gelassener du bleibst, desto besser wirst du. Gutes Kickern ist wie Meditation", sagt Maura Porrmann, grinst und schiebt hinterher: "Und es macht richtig glücklich."

Kann man vom Kickern leben?

Inzwischen lebt die Profi-Musikerin immer mehr auch von Preisgeldern bei Turnieren, von Einzelcoachings und Kicker-Events, für die sie gebucht wird. Die Gruppe beim Warburger SV trainiert sie gemeinsam mit ihrem Mann László Porrmann, der in der Tischfußball-Bundesliga für den Hamburger SV spielt.

Maura Porrmann und László sind an einem Tischkicker im Keller. Im Hintergrund ein Regal mit Pokalen.

Maura Porrmann und Ehemann László bei einem Übungsspiel

Zuhause haben sie einen kompletten Raum mit zwei Kickern und einer ganzen Wand voller Pokale. Sie haben sich - wo sonst - beim Kickern in der Kneipe kennengelernt. Der Rest lief so gut, dass sie vor ein paar Wochen geheiratet haben.

Über das Thema haben wir am 14.10.2025 auch im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit OWL, 19.30 Uhr.