Claudia Herzog und Gerd Müller stehen gebeugt über einem Wandersteg. Beide haben einen Akkubohrer in der Hand, um die Holzplanken auf dem Weg zu befestigen.

Im Einsatz für Natur und Mensch: Ein Verein und seine Mission im Siebengebirge

Füreinander

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Mehrmals pro Woche sind die Ehrenamtler vom "Verschönerungsverein für das Siebengebirge" in dem Naturschutzgebiet unterwegs. Mit einer kniffligen Mission: Die Natur schützen und gleichzeitig für Menschen erlebbar machen.

Von Annette Holtmeyer

Claudia Herzog setzt den Akkubohrer an und zieht eine Schraube ein Stück zurück aus dem Holz. Schon wieder hatte sich die Schraube festgedreht. Seit dem Morgen befestigt die 65-Jährige zusammen mit Gerd Müller, dem Leiter der Arbeitsgruppe Technik vom "Verschönerungsverein für das Siebengebirge" (VVS), neue Holzplanken auf einem Wandersteg im Siebengebirge. Eine der vielen uralten Buchen im Tretschbachtal war umgestürzt und hatte einen großen Teil des Stegs zertrümmert.

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Nach gut zwei Stunden ist der Steg repariert und es geht weiter. Herzog und Müller prüfen auch den restlichen Wanderweg entlang des Tretschbachs. Schließlich sollen sich Spaziergänger nicht verletzen. "Die umgestürzten Buchen, die hier kreuz und quer auf dem Weg liegen, lassen wir aber ganz bewusst liegen", erklärt Herzog, während sie sich unter einem mächtigen Stamm hindurch duckt. Der Grund: Zwei Drittel des Wildnisgebiets, das dem Verein gehört, werden der Natur überlassen. Seltene und bedrohte Arten sollen sich hier ungestört wieder ansiedeln können.

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Das Siebengebirge ist rund 4800 Hektar groß und reicht vom rechtsrheinischen Bonner Stadtgebiet über Sankt Augustin und Königswinter bis nach Bad Honnef. Das Gebiet des Verschönerungsvereins umfasst mehr als 500 Hektar. Ursprünglich wollte dieser bei seiner Gründung im Jahr 1870 die Berge vor allem für die wachsenden Touristenscharen erschließen. Doch schon bald sei der Naturschutz immer wichtiger geworden.

Eine Lotterie, um Berge zu kaufen

Um Steinbrüche zu kaufen und die Natur vor weiterer Zerstörung zu bewahren, ließ sich der Verein sogar von Kaiser Wilhelm II. eine deutschlandweite Lotterie genehmigen. Mit dem eingenommenen Geld kaufte der Verein zunächst unter anderem den Ölberg und den Lohrberg für 610.000 Reichsmark, später weitere Flächen.

Im Jahr 1923 wurde das Siebengebirge als eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands ausgezeichnet. Mittlerweile engagieren sich 2000 Vereinsmitglieder für dessen "Verschönerung". "Bis heute wollen wir beides: Den Menschen ermöglichen, sich im Siebengebirge zu erholen, aber auch die grandiose Landschaft wie hier im Wildnisgebiet Tretschbachtal schützen", sagt Müller. "Deshalb darf man hier nicht Fahrrad fahren und auch nicht querfeldein laufen." Den Spagat findet der 73-Jährige manchmal schwierig, "weil manche Besucherinnen und Besucher die Auflagen als störend empfinden."

Vom Schreibtisch an die Kettensäge

In den nächsten Stunden rütteln Müller und Herzog an Bänken, schneiden mal einen spitzen Ast zurück, der auf den Weg ragt, und prüfen die Balken der Holzbrücken, die über den Tretschbach führen. Die 65-jährige Herzog aus Bad Honnef hat bis zu ihrer Pensionierung als Gymnasiallehrerin gearbeitet. Nun ist sie für den VVS zweimal die Woche ehrenamtlich im Einsatz.

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"Ich habe mein Leben lang am Schreibtisch verbracht und dachte: Jetzt mache ich mal ein neues Kapitel auf", sagt Herzog. Für ihr Ehrenamt hat sie sogar einen Kettensägenführerschein gemacht.

Exkursionen und Wanderungen im Siebengebirge

Der Verein kontrolliert nicht nur Wege. In den ersten Monaten des Jahres hat er 5000 Bäume gepflanzt. Auch um die Renovierung des Gasthauses auf dem Ölberg hat sich der Verein gekümmert. Er organisiert Wildniscamps und Wald-Ralleys für Kinder, bietet Vogelexkursionen und geführte Wanderungen an.

Gegen Mittag erreichen Herzog und Müller das Ende des Weges. Alle Schrauben für lose Holzplanken sind aufgebraucht. Morgen geht es weiter mit einer neuen Aufgabe - denn ein Ende des Engagements für das Siebengebirge ist noch lange nicht in Sicht.

Über das Thema haben wir am 16.05.2025 auch im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Bonn, 19.30 Uhr.