Dennis und Danny lächeln in ihrem Zuhause.

"Wir können nicht darüber sprechen, ohne Tränen zu vergießen"

Heimatliebe

Stand:

Was passiert, wenn man ein Paar auf zwei Stühle setzt und mit ihnen eine Stunde über ihre Beziehung redet? Wir haben Dennis und Danny Meier nach ihrem Kennenlernen gefragt, nach den Highlights ihrer Beziehung - und nach den großen Hürden: Dannys Krebserkrankung und der Wunsch nach einem Kind.

Von Jan-Ole Niermann und Christian Saftig

Dennis Meier greift nach der Hand von Danny Meier - er braucht den Kontakt zu seinem Mann. "Ich kann das nicht erzählen, ohne in Tränen auszubrechen", sagt er, schluchzt und wischt sich die Tränen von den Wangen. 2014 haben Dennis und Danny sich kennengelernt, 2016 geheiratet. Für die Serie "Herzenssache" sprechen die beiden mit uns über ihre Liebe.

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Kennenlernen: Knistern und Schmetterlinge im Bauch

Lokalzeit: Wie habt ihr euch kennengelernt?

Dennis Meier: Bei einem Fotoshooting, das Danny bei mir gebucht hat. Wir haben uns direkt gut verstanden. Es war eine positive Aura, wir hatten Spaß.

Danny Meier: Wir haben schnell gemerkt: Das ist etwas Besonderes. Da ist dieses Knistern und Schmetterlinge im Bauch.

Lokalzeit: Inzwischen seid ihr verheiratet - wie war denn der Antrag?

Danny: Es war im November in Cuxhaven und schweinekalt. Dennis war anders als sonst. Ich hatte Panik, dass er mit mir Schluss machen möchte. So kannte ich ihn gar nicht.

Dennis: Ich musste ja vorsichtig sein. Ich war noch nie in meinem Leben so nervös. Ich hatte in der Jackentasche die Verlobungsringe und zwei Dosen Prosecco. Die sollten nicht aneinander stoßen, damit es nicht klimpert.

Danny: Er wollte meine Hand nicht nehmen, wir sind die ganze Zeit stumpf nebeneinander hergelaufen. Dann sind wir an der Brücke angekommen, der alten Liebe in Cuxhaven. Er hat mich angesehen, saß plötzlich auf den Knien und fragte mich, ob ich ihn heiraten möchte. Ich habe einen Moment gebraucht, weil es so unwirklich war.

Dennis: Du hast ja auch erstmal Nein gesagt!

Danny: Ich habe gesagt: "Nein! Das ist jetzt nicht dein Ernst." Und dann hast du gesagt: "Doch." Und dann hab ich gesagt: "Natürlich will ich dich heiraten."

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Durch Höhen und Tiefen: Krebs-Diagnose erschüttert Paar

Lokalzeit: Was macht eure Beziehung aus?

Danny: Offene Gespräche. Ich glaube, das ist das Allerwichtigste. Einfach immer offen miteinander kommunizieren, bei allem Schönen, was man erlebt und bei allen Hürden, die man überwinden muss.

Dennis: Wir wissen wirklich häufig, was der andere gerade denkt. Wir antworten auch oft wie aus einem Mund - im gleichen Wortlaut. Das zeigt, wie nah wir uns sind. Trotz der Unterschiede zwischen uns.

Danny: Wir sind schon sehr verschieden. Aber Gegensätze ziehen sich an. Das ist von Tag eins an so gewesen. Aber natürlich haben wir wie alle anderen unsere Höhen und Tiefen.

Lokalzeit: Ein Tief war deine Hodenkrebs-Erkrankung, Danny. Wie habt ihr das zusammen durchgestanden?

Danny: Ein Dreivierteljahr nach unserer Hochzeit habe ich die Diagnose bekommen. Da brach für mich eine Welt zusammen. Ich bin vom Arzt direkt ins Fotostudio gelaufen und wir haben Arm in Arm geweint. Dann war schnell klar, dass ich eine Chemotherapie brauchte. Die Ereignisse haben uns erschlagen, sowohl als Einzelpersonen als auch als Paar. Ich weiß nicht, ob ich das ohne Dennis durchgestanden hätte. Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass er an meiner Seite war.

Dennis: Am Ende sind wir gestärkt daraus hervorgegangen. Wir wissen, dass wir solche Tiefen überstehen können. Ich sage immer: Es gibt Wege, die gehen einfach geradeaus, sind breit und asphaltiert. Unser Weg ist hier und da sehr holprig, steinig und es lagen auch schon echt große Brocken im Weg. Aber wir haben das immer gemeinsam gemeistert und da bin ich sehr stolz drauf.

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Endlich eine Familie

Lokalzeit: 2019 habt ihr euch um eine Adoption beworben. Es war ein langer Weg, bis 2021 dann endlich der entscheidende Anruf kam. Wie war dieser Moment für euch?

Dennis: Das Handy klingelte und ich hatte das Jugendamt an der Strippe. Die Dame sagte nur: "Hier ist heute morgen ein kleiner Junge geboren worden und der möchte euch gerne kennenlernen."

Dennis und Danny lächeln in ihrem Zuhause.

Seit viereinhalb Jahren sind Dennis und Danny Väter eines Jungen

Danny: Das ging Schlag auf Schlag. Auf einmal sitzt du da und hast dieses Baby auf dem Arm. Dennis hockte sich neben mich und in dem Moment macht dieses Kind die Augen auf. Er lächelt uns an und auf einmal war es nicht mehr dieses Kind, sondern unser Kind. Da waren wir eine Familie. Nach viereinhalb Jahren können wir nicht darüber sprechen …

Dennis: … ohne Tränen zu vergießen.

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Papas im Glück

Lokalzeit: Euer Sohn ist jetzt vier Jahre alt und ihr selbst seid in den Sozialen Medien als "Papas im Glück" aktiv und postet über euren Alltag als Regenbogen-Familie. Was für Reaktionen bekommt ihr?

Danny: Wirklich alles. Manche werfen uns Pädophilie vor. Wir hätten ein Kind aus einer Familie gerissen, oder wollen unser Kind schwul machen, weil wir schwul sind.

Lokalzeit: Warum macht ihr trotzdem weiter?

Dennis: Wir wollen laut sein. Wir wollen der Welt draußen zeigen, dass es heutzutage normal ist und gut funktioniert.

Danny: Der Zuspruch ist der Ansporn dafür, weiterzumachen. Unterstützend zu sein, eine Hilfestellung zu sein und auch für ganz viele potenzielle Adoptionsbewerber da zu sein. Es ist einfach eine Erfüllung, Eltern sein zu dürfen. Am Ende sollte uns alle das Gleiche am Herzen liegen. Und zwar, dass Kinder in Familien groß werden, die ihnen ein schützendes, liebevolles und ehrliches Zuhause geben.

Über dieses Thema berichten wir voraussichtlich am 04.11.2025 auch im WDR-Fernsehen: Lokalzeit OWL, 19.30 Uhr.