Mehrere Menschen sitzen auf Bänken und Steinen und essen gemeinsam.

Angestaubt? Von wegen! Wie ein Heimatverein seinen Ort belebt

Heimatliebe

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In Neunkirchen-Struthütten weht ein frischer Wind durch den Heimatverein. Hier hat eine Gruppe junger Menschen das Ruder übernommen und beweist, dass Ehrenamt im Heimatverein durchaus modern sein kann.

Von Janine Simon

Auf den ersten Blick wirkt der Raum im Vereinsheim des Heimatvereins Struthütten in Neunkirchen wie eine kleine Baustelle: Nackte Sperrholzwände, Pappkartons und Holzleisten auf dem Boden. Florian Lindlein steht mit Werkzeugkiste und Akkuschrauber mittendrin. Gemeinsam mit weiteren Helfern möchte der 38-Jährige heute Stromkabel für eine neue Steckdose verlegen. Die brauchen sie für die neue Grillecke. Nebenan bauen zwei Mitglieder währenddessen neue Küchenschränke für einen Pausenraum auf. Draußen bahnt sich ein brummender Rasenmäher seinen Weg vorbei an hakenden Helfern und Kindern, die Äpfel sammeln. An jeder Ecke wird gearbeitet.

Heimatvereine in NRW: Wo Nachwuchs manchmal Mangelware ist

Tage wie dieser freuen den Heimatverein-Vorsitzenden Florian Lindlein. Sie zeigen: Seine Vision vom modernen Heimatverein funktioniert. Immer mehr junge Menschen bringen sich ein. Das ist alles andere als selbstverständlich. Allein in NRW gibt es laut Branchenbuch mehr als 930 Heimatvereine. Nicht wenige von ihnen haben Nachwuchssorgen. Heimatvereine gelten für viele als angestaubt, veraltet oder Seniorenclub. Seit Florian Lindlein in Struthütten den Vorsitz übernommen hat, sei das anders, sagen die Mitglieder.

Die Mitglieder des Heimatvereins lassen sich gerne vom frischen Wind mitreißen

00:24 Min. Verfügbar bis 19.10.2027

Mit viel Eigeninitiative renovierten die Mitglieder ihr Vereinsheim in den letzten Jahren Stück für Stück. Doch neue Projekte wie den Pausenraum und die Grillecke gibt es trotzdem genug. Die Ehrenatmlichen kümmern sich dabei nicht nur um ihr Vereinsheim. Sie helfen auch, ihren Ort zu verschönern und zu pflegen.

"Ehrenamt ist keine Strafe"

Der Heimatverein habe laut Lindlein schließlich noch immer die Aufgabe, die Dorfgemeinschaft zu stärken und Traditionen im Ort zu erhalten. Sie übernehmen zum Beispiel den Grünschnitt an etwa 50 Bänken im Ort. "Wir gehen das locker an. Jeder kann, keiner muss. Wenn wir mit dem Trecker rausfahren, um an den Bänken zu mähen, haben wir oft das Problem, dass wir zu viele Leute haben", erzählt Lindlein.

Florian Lindlein will das Image des Ehrenamts aufpolieren

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Der 1929 gegründete Heimatverein veranstaltet auch Heimatabende, Tagesfahrten für Senioren oder nimmt an Märkten und Festen in der Region teil. In der 1500-Einwohner-Gemeinde spielt das Vereinsleben eine große Rolle. Zu den Veranstaltungen des Vereins kommen auch viele Nicht-Mitglieder dazu - egal ob beim Backesfest, Oktoberfest oder beim gemeinsamen Angrillen. Außerdem vermietet der Verein seine Anlage auch regelmäßig für Feiern.

Während die Helfer noch in den verschiedenen Räumen im Vereinsheim arbeiten, belegt der zweite Vorsitzende Stefan Bender zusammen mit seinem Sohn schon mal den selbst gemachten Pizzateig. Nachher gibt es für alle Pizza aus dem Backes, einem gemauerten Steinbackofen. Die Mischung aus Gemeinschaft und Spaß bei der Arbeit muss eben stimmen in Struthütten.

Über dieses Thema haben wir auch am 04.09.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Südwestfalen, 19.30 Uhr.