Schaustellerin in vierter Generation: Das Leben auf der Düsseldorfer Rheinkirmes
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Auf der Rheinkirmes in Düsseldorf leben und arbeiten über 300 Schaustellerfamilien. So wie Familie Lemoine. Tochter Lisa gibt einen Einblick in ihren Alltag zwischen Brathaus, Pizzabude und Wohnwagen.
Von Vivienne Zahel, (Text) und Ina Reuter (Multimedia)
Noch ist kein einziger Besucher da. Trotzdem herrscht auf der Düsseldorfer Rheinkirmes am frühen Vormittag schon ein reges Treiben. Transporter liefern Getränke und Essen an. Schausteller arbeiten an ihren Fahrgeschäften. Überall klappert und klopft es, laufende Motoren dröhnen.
Mitten in diesem Gewusel zieht Lisa Lemoine die Rollläden des Brathauses hoch. Einige locker per Knopfdruck, bei anderen muss die 24-Jährige kräftig kurbeln. Danach geht es rüber in die Pizzabude. Beide Buden gehören der Familie. Ihre Eltern Ute und Daniel sind auch schon wach und helfen. Doch bevor der Kirmesalltag für die Schaustellerfamilie richtig beginnen kann, gibt es erstmal ein gemeinsames Frühstück. Eine Tradition, die den Lemoines besonders wichtig ist. "Quality-Time", sagt Vater Daniel Lemoine.
Die Düsseldorfer Rheinkirmes aus Sicht der Schausteller
00:20 Min.. Verfügbar bis 19.07.2027.
Die Lemoines mit Hund Buddy sind eine von insgesamt 302 Familien, die während der Kirmes auf dem Platz am Rheinufer wohnen. Neben den Buden und Fahrgeschäften steht hier eine ganze Wohnwagenstadt.
Die Düsseldorfer Rheinkirmes als Zuhause
Die Düsseldorfer Rheinkirmes ist eines der größten Volksfeste in Deutschland und neben der Cranger Kirmes eine der größten Kirmessen in NRW. Rund vier Millionen Besucher kommen jedes Jahr über die zehn Kirmestage auf die Festwiese nach Düsseldorf. Die Highlights sind für die meisten ganz klar: Riesenrad, Wildwasserbahn, Freier Fall, Kettenkarussell und Autoscooter.
Dazu kommen über 900 Wagen: Kühlwagen für die vielen Lebensmittel, die täglich aufgestockt werden müssen, Mannschaftswagen für die Mitarbeiter und Wohnwagen. Auch die Lemoines haben mehrere Wagen. Tochter Lisa hat mittlerweile ihren eigenen. Früher hat sie sich einen mit ihrem Bruder geteilt, aber das gab zu viel Streit. Ihr Wagen steht direkt an der Rückwand des Weinzeltes. "Das wird wahrscheinlich etwas lauter", sagt sie mit einem Grinsen auf dem Gesicht, doch sie kennt es nicht anders. Sie ist bereits Schaustellerin in vierter Generation.
Mama Ute und Papa Daniel wohnen direkt nebenan. In einem älteren Modell mit goldverzierten Umrahmungen. "Wahrscheinlich das älteste Modell von diesem Platz hier", meint Ute Lemoine mit einem Augenzwinkern. Ihr Wohnwagen hat schon 50 Jahre hinter sich und stammt aus ihrer Kindheit. Denn schon ihre Eltern waren damit unterwegs.
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Klein und eng ist es hier, aber alles da. Sogar eine voll ausgestattete Küche mit Spül- und Waschmaschine. Kein Wunder, denn die Lemoines leben sechs bis sieben Monate im Jahr in ihrem Wohnwagen. Er hat, wie alle Wagen auf der Rheinkirmes, fließendes Wasser und Strom von den Stadtwerken. Komfortabler als beim Camping, sagt die Familie. Tochter Lisa hat sogar noch einen besonderen Luxus in ihrem Wagen: einen großen Fernseher. Und sie kocht auf der Rheinkirmes mit einem exklusiven Blick auf den Rheinturm.
Extralange Tage für die Schausteller
Ein Tag auf der Kirmes beginnt für die Schaustellerfamilie meistens zwischen 8 und 9 Uhr. Dann schneiden sie Gemüse und reiben Käse für ihre Pizza, räumen auf, was am Abend liegen geblieben ist, und bereiten sich auf die ersten hungrigen Besucher vor. Dann geben sie den ganzen Tag Vollgas. Bis Mitternacht oder noch später hat die Kirmes in Düsseldorf geöffnet. Auch dann ist der Tag für die Lemoines noch nicht zu Ende.
Warum für Ute Lemoine und ihre Familie zum Feierabend nicht Schluss ist
00:19 Min.. Verfügbar bis 19.07.2027.
Mindestens 14 Stunden, aber meistens mehr, hat der Tag der Schaustellerfamilie auf der Rheinkirmes in Düsseldorf. Doch anders geht es nicht. Die Familie muss das Geld in kurzer Zeit verdienen. Und sie kennt es auch nicht anders. Seit vier Generationen.
Über dieses Thema haben wir auch am 16.07.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Düsseldorf, 19.30 Uhr.