"Diese Wertschätzung für die Musik, das war der Funke"
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Was passiert, wenn man ein Paar auf zwei Stühle setzt und mit ihnen eine Stunde über ihre Beziehung redet? Wir haben Barbara Knappe und Harald Maxa aus Coesfeld nach ihrem Kennenlernen gefragt, ihrem Alltag als Rentner und der Musik, die sie beide verbindet.
Von Fatima Talalini
Barbara Knappe und Harald Maxa aus Coesfeld haben sich erst spät kennengelernt, erst als beide schon aus ihren ersten Ehen geschieden waren. Beide sind sehr selbständige Menschen, jeder braucht seinen eigenen Raum. Aber eine große Gemeinsamkeit gibt es: die Musik. Und Harald wusste gleich, dass er Barbara mag. Für die Serie "Herzenssache" sprechen die beiden mit uns über ihre Liebe.
"Mein Motto: Die Suche nach der richtigen Frau"
Lokalzeit: Wie habt ihr euch kennengelernt?
Barbara Knappe: Über die Musik - genauer gesagt in einem Chorprojekt. Eine gemeinsame Bekannte, eine Kollegin von Harald, wollte einen inklusiven Chor gründen. Ich sollte helfen, weil ich viel singe, und Harald war auch dabei.
Harald Maxa: Genau, und ich habe direkt gedacht: Das ist eine gestandene Frau.
Barbara: Ich wollte damals eigentlich keinen neuen Mann. Ich hatte genug um die Ohren, meine Söhne waren am Studieren, ich war beruflich eingespannt.
Lokalzeit: Und wann war klar, dass es doch was wird?
Harald: Das war mein Motto: Die Suche nach der richtigen Frau. Da hab ich sogar ein Buch drüber gelesen.
Barbara: Davon wusste ich aber nicht, dass du das als Plan siehst, richtig?
Harald: Ja. Nö, als Plan nicht. Aber ja. (lacht) Da war diese Wertschätzung für die Musik des anderen.
Barbara: Und irgendwann hat es dann doch gefunkt - wir sind ins Gespräch gekommen und nicht irgend so ein Smalltalk. Wir haben uns wirklich etwas erzählt.
Alltag: Jeder macht sein Ding
Lokalzeit: Wie sieht euer Alltag heute aus?
Harald: Ich bin seit Kurzem Rentner. Ich fahre morgens mit dem Rad in die Stadt, trinke Kaffee, besuche Kollegen. Das ist mein kleines Ritual.
Barbara: Und ich genieße dann, dass er mal weg ist (lacht). Ich bin gerne allein, bastle an einem Fotoalbum oder sitze oben unterm Dach, wo meine Nähmaschine und Farben stehen.
Harald: Und hier unten spiele ich Musik - manchmal etwas lauter.
Barbara: Das höre ich dann schon, wenn ich von der Chorprobe heimradle: "Ah, er ist noch wach!"
Mal zusammen, mal getrennt: Hauptsache Musik machen und Musik hören
Lokalzeit: Wie kriegt ihr das hin, so viel Zeit miteinander zu verbringen?
Barbara: Wir sind 24/7 zusammen - das ist eine Herausforderung. Er sagt: "Ich habe den Joghurt immer da an die Stelle in den Kühlschrank gestellt." Ich sage: "Und ich habe meinen da hingestellt. Was machen wir jetzt?" Ich hab gelernt, dass es völlig okay ist, wenn jeder sein Ding macht. Dieses schlechte Gewissen, "jetzt müsste man doch zusammen sitzen", das hab ich mir abgewöhnt.
Harald: Wir achten darauf, dass wir jeden Tag wenigstens eine Mahlzeit gemeinsam haben. Der Rest darf sich frei entwickeln - das tut gut.
Ehe gibt Sicherheit
Lokalzeit: Was hat sich seit der Hochzeit verändert?
Barbara: Überraschend viel. Ich dachte immer, Heiraten sei nur Papierkram. Aber jetzt fühle ich mich aufgehoben. Verbindlich. Es gibt kein "vielleicht irgendwann Schluss machen". Wir gehören zusammen.
Harald: Ja, das gibt Sicherheit. Und auch ein Stück Verantwortung.
Barbara: Genau. Ich hab gemerkt, dass ich entspannter bin, Konflikte ruhiger angehe. Früher musste ich immer alles klären - sofort! Heute denke ich: "Okay, dann reden wir morgen."
Lokalzeit: Was würdet ihr jungen Paaren raten?
Barbara: Verliert euch nicht in der Beziehung. Jeder braucht sein eigenes Leben, seine eigenen Träume. Wenn einer sich völlig aufgibt, wird's gefährlich.
Harald: Geist und Seele, Verstand - das muss schon in eins fließen.
Liebe zur Musik verbindet
Lokalzeit: Musik scheint bei euch eine große Rolle zu spielen.
Harald: Absolut. Ich bin Musiker durch und durch - spiele Klavier, mache Bandprojekte. Momentan bin ich auf einem Pink-Floyd-Trip. Früher fand ich die gar nicht so toll, aber jetzt mit moderner Technik - wow.
Barbara: Ich singe seit Jahren im Chor, das ist mein Ventil. Über die Musik haben wir uns ja überhaupt erst kennengelernt.
Harald: Genau, das war dieser inklusive Chor. Wir haben Lieder gesungen wie "Der Mörder war immer der Gärtner" - und Leute, die vorher kaum einen Ton trafen, sind plötzlich aufgeblüht. Das war Wahnsinn.
Barbara: Ja, das war bewegend. Menschen, die sonst im Alltag kaum wahrgenommen werden, standen auf der Bühne und haben gestrahlt. Ich kriege heute noch Gänsehaut.
Lokalzeit: Was bedeutet Musik für eure Beziehung?
Harald: Diese Wertschätzung der Musik ist wichtig. Die hatte mir ein Stück weit auch in meinem vorherigen Leben gefehlt.
Barbara: Und für mich ist sie Verbindung. Selbst wenn wir nicht dieselbe Musik hören oder machen - das Verständnis füreinander, das ist da.
Über dieses Thema berichten wir voraussichtlich am 11.11.2025 auch im WDR-Fernsehen: Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr.