Es ist frisch an diesem Morgen. Dicke Wolken hängen über dem Raesfelder Schloss, vereinzelt regnet es auch mal. Es weht ein kaltes Lüftchen. Gerald Plenter trägt trotzdem eine kurze Hose. Wie eigentlich jeden Tag, wenn er zur Baustelle kommt. Bevor es mit der Arbeit losgeht, muss der Münsteraner erst mal den Lastenaufzug nehmen. Der bringt ihn entlang der 25 Gerüstetagen hoch auf den 50 Meter hohen Schlossturm.
Plenter ist Dachklempner. Der 46-Jährige beschäftigt sich also mit der Montage von Metallbauteilen für Dächer und Fassaden. Fassadenverkleidungen, Dachrinnen, Fallrohre, Fensterbänke. In den letzten Jahren hat sich der Handwerker auf denkmalgeschützte Bauwerke spezialisiert, arbeitet oft in der Höhe. "Höhenangst darf man hier nicht haben", sagt er lachend und nimmt einen Hammer in die Hand. Am Schloss Raesfeld müssen Kupferbleche ausgebessert oder ausgetauscht werden.
Was die Arbeit des Dachklempners ausmacht
00:24 Min.. Verfügbar bis 19.09.2027.
Die Geschichte des Raesfelder Schlosses ist ein jahrhundertelanges Auf und Ab. Seine Ursprünge liegen im 12. Jahrhundert. Im 17. Jahrhundert wurde die damalige Burg zum Residenzschloss umgebaut, rund 100 Jahre später wurde das Gebäude nur noch unregelmäßig bewohnt und verfiel. Noch einmal rund 100 Jahre später wurden Teile des Schlosses abgerissen.
Turm des Schlosses Raesfeld wird saniert
Ursprünglich hatte die Burg vier Flügel. Heute steht davon noch einer, mit einem markanten stufenförmigen Turm. Oder Trompetenturm, wie er wegen seiner Form auch genannt wird. Er ist heute der höchste Schlossturm in Westfalen. Nach Sturmschäden aus den 1990er-Jahren wurde das Dach des Turms immer nur notdürftig repariert. Mit der Zeit lösten sich Schrauben und Kupferplatten, Regenwasser drang in den Dachstuhl ein.
Da musste gehandelt werden, erklärt Architekt Eberhard Berg, der kurz auf der Baustelle vorbeikommt, um mit Plenter einige Sachen zu besprechen. "Schloss Raesfeld ist ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung, das heißt, alles, was wir hier haben, hat einen besonderen Wert. Den gilt es zu erhalten", sagt Berg. Der Sinn von Denkmalpflege. Die Gemeinde Raesfeld lässt sich die Sanierung des Turms 700.000 Euro kosten. Mit Förderung von Bund und Land.
Am Ende werden Plenter und seine Mitarbeiter mehr als 2500 Arbeitsstunden investiert haben. Damit der alte Turm in Raesfeld im neuen, aber eben doch im alten Glanz erstrahlt. "Wenn am Ende keiner bemerkt, dass am Turm gearbeitet wurde, dann haben wir unser Ziel erreicht", sagt der Dachklempner.
So arbeitet der Dachklempner
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Bei der Arbeit am Denkmal kommt es auf jedes Detail an. Bei den verwendeten Kupferplatten zum Beispiel. "Wir haben hier eine alte Kupferplatte eines alten Kirchendaches in Rees. Diese ausgetauschte Platte ist hier aus der Region. Sie wurde bei einer anderen Kirche abgetragen, wurde nicht mehr gebraucht. Weil sie der gleichen Witterung ausgesetzt ist, also ähnlich ausschaut, haben wir sie hier eingesetzt."
Ein Kupferblech von der Nordsee würde zu den anderen Blechen am Turm nicht passen, sagt Plenter. Auch ein industriell gefertigtes hätte nicht die passende Patina. Über 400 Bleche hat Plenter schon ausgebessert und einige eben auch ausgetauscht.
Dachklempner: Arbeiten mit Ausblick über das Münsterland
Plenter liebt seine Arbeit. Das liegt vor allem am ungewöhnlichen Arbeitsplatz. "Die Aussicht hier oben ist gigantisch", schwärmt er, während sein Blick über das Münsterland schweift. Außerdem freut sich der Dachklempner darüber, dass er mit seiner Arbeit historische Bauwerke erhält. Wie das Schloss Raesfeld.
Das Raesfelder Schloss bekommt ein neues Dach, das wie das alte aussehen soll
Noch ist seine Arbeit hier nicht abgeschlossen. Aber Plenter freut sich schon darauf, in fünf oder zehn Jahren mit seinen Kindern nach Raesfeld zu kommen. Dann will er mit ihnen zusammen nach oben schauen und sagen: "Guckt mal, das hat Papa gemacht."
Über dieses Thema haben wir auch am 22.07.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr.