Das letzte Schiff seiner Art: Die Sanierung der "Oscar Huber" in Duisburg
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Rost, Geschichte und ganz viel Patina: Die "Oscar Huber" ist das letzte Schiff ihrer Art. In Duisburg wird sie jetzt aufwendig saniert. Ein Blick hinter die Kulissen eines spektakulären Rettungsprojekts.
Von Sara Wendhack
Der Himmel ist wolkenlos. Die Luft flimmert über dem Stahlkoloss, der nun in der Werft in Duisburg steht. Mit schmal zusammengekniffenen Augen inspiziert Sebastian Winter den gewaltigen Rumpf der "Oscar Huber", dem letzten erhaltenen Seitenraddampfer-Schlepper auf dem Rhein. In der Nähe dröhnt und zischt ein Hochdruckreiniger, Vorbereitungen für die dringend nötige Sanierung.
"Wir wollen so viel wie möglich mit Hochdruck abstrahlen", erklärt Projektleiter Sebastian Winter. Der Lärm übertönt fast seine Worte. Feine Lackpartikel fliegen durch die Luft. "Wenn die Beschichtung einmal ganz runter ist, sehen wir endlich, was da drunter los ist", sagt der Ingenieur. Er und sein Team setzen hier in der Neuen Ruhrorter Schiffswerft alles daran, die Oscar Huber als maritimes Denkmal zu bewahren. Geplant ist die größte Generalüberholung seit Jahrzehnten mit einem Investitionsvolumen von mehreren Hunderttausend Euro, vor allem für Korrosionsschutz- und Blecharbeiten.
Mit 103 Jahren braucht die "Oscar Huber" dringend Pflege
00:10 Min.. Verfügbar bis 06.06.2027.
Der Radschleppdampfer ist nicht nur ein Schiff aus einer längst vergangenen Zeit, die Oscar Huber ist auch ein Unikat. Heute schweigt die Maschine, das große Schaufelrad ruht. Und doch scheint der Stahlkoloss Geschichten zu flüstern. Mit seinen 103 Jahren ist das Schiff ein technisches Denkmal mit Symbolkraft für NRW.
Die Oscar Huber: Ein Stahlriese mit Geschichte
Gebaut 1922, schleppte der Seitenraddampfer jahrzehntelang Kohle, Stahl und Erz über den Rhein. Mit seinen 77 Meter Länge, 9,60 Metern Breite und 1800 PS pflügte er mit donnerndem Getöse durch das Wasser und zog Lastkähne stromaufwärts. Ein Rückgrat des industriellen Aufschwungs im Revier.
Die Oscar Huber ist das letzte erhaltene Schiff dieser Art in ganz Deutschland. Heute gehört sie zum Deutschen Binnenschifffahrtsmuseum und erinnert an eine Zeit, in der Duisburg das logistische Herz der Montanregion war. Ihre Rettung ist mehr als Nostalgie - sie bewahrt ein Kapitel Infrastrukturgeschichte, das NRW geprägt hat wie kaum ein anderes.
Projektleiter Sebastian Winter erklärt, welche Arbeiten noch anstehen
00:21 Min.. Verfügbar bis 06.06.2027.
"Die Außenhaut des alten Dampfers ist über ein Jahrhundert alt", erklärt Projektleiter Winter. Der historische Stahl zeigt deutliche Spuren der Zeit: Korrosion, Roststellen, abgeplatzte Farbe. Die Generalüberholung ist ein sensibler Eingriff. Vieles muss dokumentiert, vorsichtig freigelegt, konserviert oder rekonstruiert werden, sagt der 33-Jährige. "Doch wenn wir sie nicht erhalten, verlieren wir ein lebendiges Kapitel unserer Geschichte."
Vom Wasser in die Werft - ein Spektakel
Seit Kurzem steht die Oscar Huber in der Werft. Normalerweise liegt sie seit den 1970er Jahren an einem eigens dafür geschaffenen Liegeplatz im Ruhrorter Hafen. Als schwimmendes Exponat des Museums der Deutschen Binnenschifffahrt. Die Verholung vom Wasser zur Werft war ein Ereignis. Schiffsfreunde und Technikenthusiasten standen am Ufer und beobachteten, wie der alte Raddampfer langsam in Bewegung gesetzt wurde. Zwei kräftige Schubboote manövrierten das historische Schwergewicht durch den Hafen: eins vorne ziehend, eins hinten steuernd.
Verholung der fahruntüchtigen Oscar Huber mit Hilfe von Schubschiffen
Eine Zentimeterarbeit, die nicht nur bei Projektleiter Winter für Anspannung sorgte. Auch der neue und noch junge Museumsleiter Dennis Niewerth war nervös. "Wenn man es zum ersten Mal miterlebt, schwitzt man doch ein bisschen und hofft, dass nichts passiert und sie nirgendwo entlang scheuert." Der Dampfer ist nicht gerade wendig.
- Zum Beitrag: "Das ist die schwimmende Tankstelle auf dem Dattelner Meer"
Jetzt wird die Oscar Huber in der Werft für die Zukunft fit gemacht. In ein paar Wochen soll sie dann zurückkehren - wieder begleitet von der Wasserschutzpolizei und ganz vielen, die mit Kamera und Klappstuhl am Ufer auf sie warten.
Über dieses Thema haben wir auch am 16.05.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Duisburg, 19.30 Uhr.