Das Schwarz-Weiß-Foto zeigt einen Hörsaal, viele junge Männer in Sakkos sitzen darin, vorne steht ein Mann an einem Pult

Als vor 60 Jahren die Ruhr-Universität Bochum eröffnet

Heimatliebe

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1965 eröffnet in Bochum die erste neu gebaute Uni der Bundesrepublik - ein Teil davon noch als Baustelle. Was mit Studierenden in Gummistiefeln begann, ist heute eine der größten Hochschulen Deutschlands. Ein Blick auf die Entstehung der Ruhr-Universität Bochum.

Von Cordula Krell

30. Juni 1965: Im Schauspielhaus Bochum herrscht feierliche Stimmung. Ein Orchester spielt, Redner treten auf. Unter den 700 Gästen sitzen Hochschulrektoren in Ornat, NRW-Ministerpräsident Franz Meyers und Vertreter aus Politik und Gesellschaft.

Sie feiern die Eröffnung der ersten neu gebauten Hochschule der Bundesrepublik Deutschland, der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Der Campus in Querenburg ist im Juni 1965 noch eine Baustelle. Nur wenige Monate später beginnen Anfang November die ersten Vorlesungen - inmitten der Bauarbeiten. Einige der 15.000 Studierenden tragen damals sogar Gummistiefel.

So sah es an der RUB vor 60 Jahren aus

00:42 Min. Verfügbar bis 30.06.2027

Bis die RUB komplett fertiggestellt wird, dauert es noch zehn Jahre.

Warum das Ruhrgebiet eine Hochschule brauchte

In den 60er-Jahren fehlt es an Fachkräften, gleichzeitig steigt die Zahl der Studierenden. Deshalb plant das Land den Bau neuer Universitäten. Eine von ihnen soll im bevölkerungsreichen Ruhrgebiet entstehen. Lange gilt Dortmund als möglicher Standort.

Doch 1961 entscheidet sich der Landtag mit 102 zu 87 Stimmen für Bochum. Das Ziel: Der geplante Campus verbindet klassische Fachrichtungen mit modernen Studiengängen, wie zum Beispiel Ingenieurs-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Zudem sollen mehr Kindern aus Arbeiterfamilien studieren können.

Die größte Baustelle Europas

Anfang 1964 beginnen die Bauarbeiten. Jahrelang ist das Gelände die größte Baustelle Europas, mit einer Fläche von der Größe von 690 Fußballplätzen. Um möglichst schnell fertig zu werden, stellt auf dem Campus eine kleine Fabrik Fertigteile her.

Das Audimax-Gebäude auf dem Campus der Ruhr-Universität von außen

Das Wahrzeichen der RUB: der Audimax

Die eigenwillige Architektur sorgt allerdings für Gesprächsstoff. Die hohen Gebäudeblöcke gelten als futuristisch und sind rein auf das Funktionale ausgerichtet. Alle Gebäude stehen nah beieinander und sollen sich bei Bedarf erweitern lassen.

Universität der Superlative

Heute studieren fast 40.000 Menschen an der Ruhr-Universität Bochum. Das macht sie zu einer der größten Hochschulen Deutschlands - und mit 6.400 hauptamtlich Beschäftigten zu Bochums größtem Arbeitgeber. Die 21 Fakultäten bieten inzwischen über 180 Studiengänge an.

Der Campus hat sich seit der Eröffnung stark verändert. Seit einigen Jahren laufen Sanierungsarbeiten auf dem Campus, neue Gebäude entstehen, alte werden abgerissen. Das ist gar nicht immer so einfach. Denn seit 2015 steht der Universitätskomplex unter Denkmalschutz. In Gummistiefeln muss aber schon lange niemand mehr zur Vorlesung kommen.

Über dieses Thema haben wir auch am 18.06.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Ruhr, 19.30 Uhr.