Mit 13 in der Physik-Vorlesung: Hochbegabter studiert an Uni Duisburg-Essen
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Er zählt gerade so zu den Teenagern und besucht dennoch eine Uni: Jonathan Bork, 13 Jahre alt, ist der jüngste Student an der Uni Duisburg-Essen. Jonathan ist hochbegabt, geht noch zur Schule und studiert "nebenbei" Physik. Er hat nicht nur Freude an Bildung, sondern will auch das Bildungssystem verändern.
Von Yunus Gündüz, (Text) und Christian Zimmer (Multimedia)
Im Hörsaal "MC 122" der Universität Duisburg-Essen findet gerade eine Physik-Vorlesung statt. Die Studierenden sind konzentriert. Der Vortrag des Dozenten wird von dem ständigen Klackern von Stiften auf Tablet-Bildschirmen und Fingern auf Laptop-Tastaturen begleitet. Viele schreiben die Vorlesung eifrig mit. Eigentlich der typische Uni-Alltag, wäre da nicht Jonathan Bork.
Uni Duisburg-Essen: Mit 13 Jahren in die Vorlesung
Wie die anderen Studierenden notiert er sich Fragen zum Stoff und Begriffe, die er nicht kennt. Noch sind es einige, denn im Gegensatz zu seinen Kommilitonen hat er keinen Schulabschluss. Kein Wunder, denn Jonathan ist gerade mal 13 Jahre alt. Er ist hochbegabt und absolviert ein Frühstudium.
Was hat Jonathan Bork dazu gebracht, so früh zu studieren?
00:22 Min.. Verfügbar bis 16.06.2027.
Laut dem Landesbetrieb für Statistik gab es in NRW im vergangenen Wintersemester rund 700.000 Studierende. Zwar werden keine genauen Zahlen erhoben, dennoch sind minderjährige Frühstudierende wie Jonathan extrem selten. Mit einem IQ von 145 gilt Jonathan als hochbegabt - das trifft deutschlandweit gerade mal auf etwa zwei Prozent der Bevölkerung zu.
Trotzdem ist Jonathan, wie er selbst sagt, kein "Abgesonderter". Vielmehr möchte er gegen das Vorurteil eines "Young Sheldon" vorgehen, also eines hochbegabten Sonderlings aus der gleichnamigen Serie.
Hochbegabt und Außenseiter?
00:22 Min.. Verfügbar bis 16.06.2027.
Eigentlich geht Jonathan noch zur Schule. Das Frühstudium ermöglicht es ihm, über den schulischen Lernstoff hinaus zu lernen. Mittlerweile ist er im zweiten Semester Physik. Nachmittags besucht Jonathan die 10. Klasse eines Gymnasiums. Der 13-Jährige durfte zwei Klassenstufen überspringen. Dazu musste er eine weitere Fremdsprache lernen. Jonathan brachte sich gleich zwei bei: Japanisch und Latein. Theoretisch kann Jonathan Studium und Abitur gleichzeitig abschließen.
Nicht allwissend, aber schnell
Jonathan liebt das Lernen. "Er ist angekommen und wusste nicht, was eine Ableitung ist. Das lernt man erst im Abitur", sagt Doktorand Michael Dittler. Aber Dittler beobachtete, dass Jonathan Wissenslücken schnell schießen kann, "in einem Tempo, das man sich kaum vorstellen kann."
Jonathan denkt weit über den eigenen Wissensdrang hinaus. Besonders das deutsche Schulsystem hat es ihm angetan: Es sei zu starr und würde sich zu wenig auf individuelle Begabungen einstellen.
Jonathan wünscht sich ein anderes Schulsystem
Als Lösung hat er ein Konzept ausgearbeitet: "Hybride Schule". "Hybrider Unterricht bedeutet, dass die Kinder entscheiden können, welche Stunden sie im Selbstlernmodell von zuhause aus bearbeiten wollen und welche weiterhin in Präsenz", schreibt Jonathan auf seiner Website. Dadurch sollen Lehrkräfte mehr Kapazitäten haben, sich individuell um schwächere Kinder zu kümmern. Das helfe nicht nur Hochbegabten wie ihm: "Vor allem hilft es Kindern mit ADHS, Autismus, Mobbingopfern, Hochbegabten und kranken Kindern", schreibt er weiter. Präsenz- und Selbstlernzeiten würden kombiniert, soziale Kontakte blieben durch regelmäßige Schulbesuche erhalten.
Für seine Idee hat Jonathan bereits Entscheider aus Politik und Wissenschaft getroffen und ist bei Podiumsdiskussionen wie auf der Bildungsmesse "Didacta" aufgetreten. Mit etwas Glück absolviert Jonathan nicht nur Schule und Studium in Rekordzeit, sondern könnte sogar das Bildungssystem nachhaltig ändern.
Über dieses Thema haben wir auch am 06.06.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Duisburg, 19.30 Uhr.