Hospizdienstmitarbeiter Jan Meyer schiebt Hubertus Kaiser in einem Rollstuhl über einen Bürgersteig.

Wenn Hilfe mehr ist als Pflege: Über eine besondere Freundschaft

Füreinander

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Lachen, reden, malen - für Hubertus Kaiser sind die Stunden mit Jan Meyer ein Lichtblick. Der Ehrenamtliche schenkt ihm nicht nur Zeit, sondern auch Lebensfreude. Warum solche Begegnungen so wichtig sind und warum es mehr davon braucht.

Von Justine Rosenkranz

Hubertus Kaiser kämpft mit seinem Pullover. Seine Mutter zieht das Kleidungsstück gerade über seinen Arm, die Kapuze hängt ihm tief im Gesicht. Wegen seiner Krankheit fehlt ihm die Muskulatur dafür, sich alleine anzuziehen. "Hallo Hubertus", sagt Jan Meyer, als er das Zimmer betritt. Sofort dreht Kaiser seinen Kopf im Rollstuhl zu ihm. Ein breites Grinsen erfüllt sein Gesicht. Lange hat der 20-Jährige auf die nächsten drei Stunden gewartet.

Während Kaiser mit drei Jahren noch laufen und springen und später sogar radfahren konnte, ist er inzwischen seit vielen Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen. Er spricht wenig und sehr undeutlich. Grund ist eine unheilbare Krankheit, eine sehr seltene Form der hereditären spastischen Spinalparalyse (HSP). Eine erbliche Erkrankung, die zu einer Muskelschwäche führt und immer weiter voranschreitet. Aber nicht nur die Krankheit setzt ihm zu, sondern auch fehlende soziale Kontakte.

Warum es mehr Ehrenamtler für den Hospizdienst braucht

Umso wichtiger sind für ihn deshalb die Besuche von Jan Meyer. Der 29-Jährige engagiert sich neben seinem Job als Bereichsleiter in einem Logistikunternehmen ehrenamtlich beim ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst des Kreises Unna. Dort besucht er Hubertus Kaiser seit drei Jahren jeden zweiten Mittwoch. Meyer ist damit einer von fast 13.000 Menschen, die sich laut dem Verband der Ersatzkassen ehrenamtlich als Begleitperson für Sterbenskranke einbringen. Der Bedarf ist dabei noch größer - auch beim ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst im Kreis Unna. 80 Ehrenamtliche reichen für die lange Warteliste mit Familien mit unheilbar erkrankten Kindern nicht aus.

Für diesen Besuch hat sich Kaiser eine Fahrt durch die Nachbarschaft gewünscht. "Wie war es auf der Arbeit heute?", fragt Meyer, während er den Rollstuhl des 20-Jährigen über den Bürgersteig schiebt. Kaiser arbeitet tagsüber in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Er lächelt und zeigt einen Daumen nach oben. Er braucht nicht viele Worte, damit Meyer ihn versteht. Die beiden kennen sich inzwischen gut.

Jan Meyer lässt sich auf Hubertus Kaisers Bedürfnisse ein

00:10 Min. Verfügbar bis 10.10.2027

Die Besuche des Ehrenamtlichen sind nicht nur Hubertus Kaiser wichtig, sondern auch seiner Mutter Doris. Sie pflegt ihren Sohn gemeinsam mit ihrem Ehemann. Für sie bedeutet der Termin ein paar Stunden Entlastung. Und sie weiß, wie einsam ihr Sohn manchmal ist. Deshalb genieße er die gemeinsamen Momente und Erlebnisse mit Jan Meyer sehr.

"Beim Kinderhospizdienst wird zu 90 Prozent gelacht"

"Ihn zu treffen, macht mich dankbar. Dankbar, selbst gesund zu sein. Dadurch weiß ich, wie gut ich es eigentlich habe. Gleichzeitig gibt es mir auch sehr viel, wenn ich sehe, wie er Spaß hat", sagt Meyer. Aber nicht immer geht es nur um Spaß. Wenn es Kaiser nicht gut geht, sprechen sie auch darüber. Meyer hält das aus. Manchmal nimmt ihn das auch mit. Schließlich wird er immer wieder auch mit den Themen Tod und Trauer konfrontiert.

Sich mit seinen Kolleginnen und Kollegen vom Kinder- und Jugendhospizdienst austauschen zu können, hilft Meyer. Auch die Qualifizierungsmaßnahmen vom ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst haben ihn auf diese Themen vorbereitet - und darauf, eventuell irgendwann Abschied von Kaiser nehmen zu müssen. Die Qualifizierung dauert etwa ein halbes Jahr und beinhaltet rund 200 Stunden Fortbildung.

Warum Jan Meyer den Hospizdienst als erfüllende und fröhliche Arbeit erlebt

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Meyer und Kaiser sind von ihrer Spazierfahrt zurück. Mit langsamen, abgehackten Bewegungen trägt Kaiser mit einem Pinsel Farbe auf einer Leinwand auf. Als Meyer dessen Hand für einen Abdruck mit Farbe bemalt, kitzeln die Borsten. "Viele verbinden diese Arbeit mit dem Tod. Aber eine meiner Koordinatorinnen hat gesagt: Beim Kinderhospizdienst wird zu 90 Prozent gelacht", sagt Meyer.

Über dieses Thema haben wir auch am 22.09.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Dortmund, 19.30 Uhr