Thea Zöller und Hanna Bause stehen nebeneinander und lächeln in die Kamera.

Jung hilft Alt: Wie die Wuppertaler Taschengeldbörse Generationen verbindet

Füreinander

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Hanna Bause ist für die Schülerin Thea wie eine "Ersatz-Oma". Die beiden verbindet eine besondere Freundschaft, entstanden durch die Wuppertaler Taschengeldbörse.

Von Inke Köster

"Hallo Frau Bause, ich bin's", ruft Thea Zöller. Hanna Bause ist schon startbereit, nur die Jacke fehlt noch. Die Schülerin hilft der 89-Jährigen beim Anziehen. Dann geht es mit dem Rollator Richtung Aufzug und drei Stockwerke hinunter bis ins Erdgeschoss und von dort nach draußen. Das Altenheim, in dem Bause ein Appartement gemietet hat, liegt ganz zentral in der Wuppertal-Elberfelder Innenstadt - und nah am Deweerthschen Garten, ein Park mit Springbrunnen und Eiscafé. Der ist heute ihr Ziel.

Ganz gemütlich spazieren die beiden vorbei an zahlreichen Geschäften. Immer wieder müssen sie auch kleine Straßen überqueren. Alleine traut sich die Seniorin das nicht mehr zu, denn sie ist fast blind. Deshalb ist sie froh, dass Thea seit rund einem Jahr jeden Donnerstag nach der Schule vorbeikommt.

Hanna Bause freut sich über Thea Zöllers Besuch

00:12 Min. Verfügbar bis 12.08.2027

Kennengelernt haben sich Hanna Bause und Thea über die Taschengeldbörse des Nachbarschaftsheims Wuppertal. In NRW gibt es laut Verein noch in rund 20 weiteren Städten Taschengeldbörsen. Das Konzept ist überall das gleiche: Jung hilft Alt und bessert sich damit das Taschengeld auf. In Wuppertal können sich Menschen ab 55 Jahren bei der Börse melden, wenn sie hin und wieder Hilfe im Alltag brauchen, etwa bei der Gartenarbeit oder beim Einkaufen. Sie werden dann an Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren vermittelt.

  • In Engelskirchen hilft man sich gegenseitig und verdient dabei Engelstaler. Mehr zum Projekt liest du hier.

Die Hilfesuchenden und auch die Jugendlichen müssen zunächst ein Vorstellungsgespräch mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Nachbarschaftsheims Wuppertal führen. Laut Johanna Niedermüller, die dort für die Taschengeldbörse zuständig ist, will man so schauen, dass die beiden gut zusammenpassen. Auch das Stadtviertel, in dem sie wohnen, ist für die Jobvermittlung wichtig. "Die Schüler sollen ja nicht quer durch die Stadt fahren müssen", sagt Niedermüller.

Viel mehr als ein Nebenverdienst

Ein Ziel der Wuppertaler Taschengeldbörse ist es auch, "Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen für Menschen, die sich sonst nie begegnet wären, und die das dann als Bereicherung sehen", erklärt Niedermüller. Sie arbeitet schon viele Jahre in der Vermittlung und freut sich jedes Mal, wenn sie das Feedback bekommt, dass wieder eine gut geklappt hat. So wie bei Thea und Hanna Bause.

Anfangs ging es der Schülerin in erster Linie darum, ihr Taschengeld aufzubessern, gibt sie zu. Zehn Euro pro Stunde bekommt sie. Doch inzwischen sind die Besuche für sie längst mehr als eine reine Geschäftsbeziehung.

Für Thea Zöller sind die Treffen mit Hanna Bause mehr als ein Nebenverdienst

00:12 Min. Verfügbar bis 12.08.2027

Sie haben sich immer etwas zu erzählen, sagt Bause. Lachend sitzen sie und Thea sich am Tisch vor dem Eiscafé gegenüber. "Meist geht es um Alltägliches, zum Beispiel, was wir die Woche über so erlebt haben. Dann mal über die Schule, über die schäbigen Lehrer, die Zensuren", sagt Bause und lacht. "Wenn wir über die Schule sprechen, dann denke ich so an meine Schandtaten von früher", erzählt die Rentnerin und isst genüsslich noch einen Löffel Erdbeereis.

Über dieses Thema haben wir auch am 04.06.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Bergisches Land, 19.30 Uhr.