Margret Bodemann in Arbeitskleidung am OP-Tisch

"Das hält mich fit": 83-Jährige arbeitet als OP-Schwester

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Während andere längst ihre Rente genießen, arbeitet Margret Bodemann auch mit 83 Jahren noch als OP-Schwester in der Hohenzollern-Klinik in Münster. Und genau das hält sie so fit.

Von Helen Erdbrügge

Schutzmaske, OP-Haube, die Klemme in der rechten Hand - auf den ersten Blick fällt Margret Bodemann im Operationssaal nicht weiter auf. Eine kleine, agile Schwester, immer auf Zack. Erst wenn sie die Maske abnimmt, erkennt man ihre Falten im Gesicht. Spuren von 83 Jahren Lebenserfahrung. Körperlich fühlt sich die Münsteranerin aber gar nicht so. "Es ist genau so, als wäre ich 20, 30 Jahre jünger. Meine Kenntnisse werden nicht nach Alter beurteilt, sondern nach Können", sagt Bodemann.

OP-Schwester mit 83 Jahren aus Münster

Lokalzeit Münsterland 18.02.2026 03:16 Min. Verfügbar bis 18.02.2028 WDR Von Helen Erdbrügge

Bodemann machte ihre Ausbildung zur Krankenschwester in Hamburg, arbeitete jahrelang in einer chirurgischen Ambulanz und war dort leitende OP-Schwester. Vor 20 Jahren dachte sie noch, sie würde ganz normal in Rente gehen, und blieb sogar ein Jahr lang zuhause. Ihr Mann war zu dem Zeitpunkt in Behandlung bei HNO-Arzt und Nasenchirurg Ulrich Möckel. Der suchte eine OP-Schwester und holte Bodemann ins Team.

Minijob als OP-Schwester bessert Rente auf

Heute arbeitet sie nicht mehr in Vollzeit, sondern einmal in der Woche in der Hohenzollern-Klinik in Münster. Auf Minijob-Basis verdient sie sich so etwas zur Rente dazu. Sie macht es aber nicht des Geldes wegen: "Dieses Eintauchen in die normale Berufswelt hält mich fit." Laut Statistischem Bundesamt sind 13 Prozent aller Rentner zwischen 65 und 74 Jahren noch erwerbstätig. Margret Bodemann ist mit 83 Jahren wohl eher die Ausnahme.

Nasenchirurg Ulrich Möckel trägt die Verantwortung für ihre Arbeit. Schon seit 20 Jahren stehen die beiden zusammen am OP-Tisch, verstehen sich meist sogar ohne Worte. "Frau Bodemann ist eine extrem verlässliche Person. Und sie ist vor allen Dingen eins: enthusiastisch bei ihrer Arbeit", sagt Möckel über seine Mitarbeiterin.

Er suchte jemanden, der nicht nur im OP assistiert, sondern auch organisatorische Aufgaben übernimmt: Vor- und Nachbereitungen für den OP-Saal, Besteck sterilisieren und sortieren sowie Tupfer und Kompressen nachbestellen. Bodemann schreibt sich nicht auf, was sie noch erledigen muss, sondern behält alles im Kopf.

Margret Bodemann, Nasenchirurg Ulrich Möckel und ein weiterer OP-Helfer inmitten einer Operation.

Margret Bodemann und Ulrich Möckel sind ein eingespieltes Team

Derzeit leitet die OP-Schwester sogar einen Medizinstudenten an. Sie gab schon früher Kurse über Nahttechniken und brachte jungen Assistenzärzten verschiedene Knotentechniken bei. "Wenn ich das Wissen weitergeben kann, ist es für mich einfach eine Freude", so Bodemann.

Münsteranerin will solange arbeiten wie möglich

Die restlichen sechs Tage in der Woche verbringt Bodemann zuhause mit ihrem Mann, ihrem Neufundländer-Hund oder den vier Kindern und 15 Enkelkindern. Sie hat einen 100 Jahre alten Webstuhl, eine Töpferwerkstatt und eine Sauna im Garten. Holz für den Kamin hackt sie selbst. Langweilig wird es für sie also auch zuhause nicht.

Trotzdem hat Bodemann für sich und ihre Arbeit im OP beschlossen: "So lange es für mich so reibungslos läuft, wie es läuft, und ich keine andere Rückmeldung kriege, bleibt das auch so. Das ist einfach für mich ein Fitnesstraining." Schließlich haben sie und ihr Chef Ulrich Möckel, der 20 Jahre jünger ist, einen Plan. Sie wollen gemeinsam aufhören zu arbeiten. Das wären jetzt noch drei Jahre.

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland18.02.2026, 19.30 Uhr.