Ein Mann im Rollstuhl vor einem großen Fenster

Haus Maria Veen: Wo Obdachlose und Suchtkranke alt werden können

Füreinander

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Ein Pflegeheim zu finden, war für Carsten Hendriock nicht leicht. Das Haus Maria Veen in Reken war für ihn ein Glücksfall. Viele der pflegebedürftigen Bewohner hier haben eines gemeinsam: Sie lebten auf der Straße oder sind suchtkrank.

Von Niklas Sticht

"Ich hätte mich zu Tode gemagert." Die Frage, wo er ohne das Haus Maria Veen wäre, kann Carsten Hendriock schnell beantworten. Bevor er hierherkam, konnte ihm niemand so wirklich helfen. Er aß nicht, verlor immer mehr Gewicht und hatte mit verschiedensten Krankheiten zu kämpfen. Die Folge waren mehrere Krankenhausaufenthalte.

Mehr als nur Pflege

Dass er zudem von Alkohol und Cannabis abhängig ist, machte alles komplizierter. Als ihm dann auch noch die Obdachlosigkeit drohte, nahm ihn eine Suchtberatungsstelle in Rheine auf. Doch auch hier konnte man ihm nicht helfen. Es wurde klar: Er braucht ein Pflegeheim. Doch welches Heim nimmt ihn auf? Mit seinen Krankheiten, Suchtproblemen und seinem Alter? Immerhin ist Hendriock gerade einmal 49 Jahre alt.

Maria Veen: Ein Zuhause für pflegebedürftige Suchtkranke

Lokalzeit Münsterland 21.01.2026 04:00 Min. Verfügbar bis 21.01.2028 WDR Von Niklas Sticht

Genau auf solche Fälle hat sich das Haus Maria Veen in Reken spezialisiert. Von den 122 Bewohnern waren 90 entweder obdachlos oder, wie Hendriock, kurz davor. Einige sind suchtkrank. Eine reguläre Pflegeeinrichtung zu finden, wäre für viele hier geradezu unmöglich. Sie sind oft deutlich jünger als die Bewohner in üblichen Pflegeheimen, finden sich in den starren Strukturen des Alltags nur schwer zurecht und brauchen andere Unterstützung. Hilfe beim Anziehen von Thrombosestrümpfen benötigen die wenigsten, dafür vielleicht umso öfter ein offenes Ohr.

Es geht nicht nur darum, diese Menschen medizinisch zu versorgen, sondern ihnen Hilfsangebote und eine Tagesstruktur zu bieten. Die Bewohner können sich zum Beispiel in der hauseigenen Schreinerei, Metallwerkstatt oder im Kuhstall betätigen.

Zwei Männer gehen in einer Werkstatt entlang

Die Metallwerkstatt ist nur eines der Angebote für die Bewohner

Hendriock verbringt seine Zeit gerne damit, anderen Bewohnern zu helfen. Er kauft zum Beispiel für sie ein. Mit einer Einkaufstüte auf dem Schoß geht es von Zimmer zu Zimmer. "Dass ich den Leuten einen Gefallen getan habe, daran habe auch ich Spaß", sagt Hendriock. Er fühlt sich hier wohl und möchte etwas zurückgeben. Und sei es nur, jeden Abend die Spülmaschine auszuräumen. Wie ihm ergeht es hier vielen Bewohnern. Perspektivlosigkeit war für sie lange ein Begriff, doch hier können sie neuen Halt finden.

Cannabis und Alkohol: Selbstbestimmung im Pflegeheim

Was genau das Haus Maria Veen richtig macht, ist schwierig zu sagen, und von Bewohner zu Bewohner unterschiedlich. Ein wichtiger Grundsatz ist aber immer: Der Bewohner entscheidet. Das Pflegepersonal richtet sich komplett nach dem Einzelnen. Wer nicht arbeiten will, arbeitet nicht. Wer sein Zimmer nicht aufräumen will, lebt im Chaos. Wer legale Drogen nehmen will, der konsumiert eben.

Die Novellierung des Betreuungsrechts von 2023, die den Patientenwillen ins Zentrum stellt, wird hier konsequent gelebt. Das mag auch ein Balanceakt zwischen den Bedürfnissen des Einzelnen und denen der Gruppe sein. Jeder darf beispielsweise kiffen, aber sobald der Konsum andere stört, muss eine Lösung gefunden werden. Zudem bietet das Personal immer wieder Hilfe an und versucht gemeinsam mit dem Einzelnen, die jeweilige Situation zu verbessern.

Ohne den Einsatz der Mitarbeitenden im Haus Maria Veen hätte Hendriock wohl keinen Ort gefunden, um alt zu werden. Für ihn ist klar: Er wird hierbleiben. Der Grund dafür ist simpel: "Ich werde hier aufgefangen und die Leute kümmern sich!"

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 21.01.2026, 19.30 Uhr.