Jan Berkemeyer, ein junger blonder Mann im grünen Pullover, sitzt hinter einem weißen Tisch und schaut auf sein Smartphone, das er in den Händen hält.

"Gemeinsam gegen Einsam" aus Münster bringt junge Menschen zusammen

Münster | Füreinander

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Jan Berkemeyer ist, genau wie viele andere, frisch nach Münster gezogen. Um Anschluss zu finden, trifft er sich zum Spieleabend mit einer Gruppe von Fremden.

Von Helen Erdbrügge

Wo setze ich mich hin? Wer sitzt da neben mir? Worüber soll ich reden? Das sind die ersten Gedanken der meisten, die hier im Raum der Fachhochschule Münster ankommen. Einige waren noch nie dabei. Einige kennen sich schon von anderen Events der Initiative. Manche kommen zu zweit. Die meisten sind allein da.

So auch Jan Berkemeyer. Er ist im August für sein Wirtschaftsinformatik-Studium nach Münster gezogen. Ursprünglich kommt er aus Bremervörde und kannte in Münster anfangs niemanden. Über einen Social-Media-Post hat er von der Initiative "Gemeinsam gegen Einsam" erfahren und war schon bei drei Events zum Tischtennisspielen und Kaffeetrinken dabei. "Am Anfang ist natürlich eine gewisse Hemmschwelle da, weil man Leute trifft, die man nicht kennt, oft an einem Ort, den man nicht kennt. Aber man verbindet sich recht schnell, man schnackt recht schnell", sagt der 20-Jährige.

Initiative aus Münster: Gemeinsam statt Einsam

Lokalzeit Münsterland 27.01.2026 02:13 Min. Verfügbar bis 27.01.2028 WDR Von Helen Erdbrügge

Nach einer Vorstellungsrunde und den ersten Spielen ist die Unsicherheit bei allen verflogen. Die meisten haben eigene Spiele mitgebracht: Hitster, Cabo, Activity, Phase 10, The Mind. Sie müssen im Team spielen und teilweise sogar ohne Worte kommunizieren. Gar nicht so leicht, wenn man sich kaum kennt. Aber im Vordergrund steht sowieso die Gemeinsamkeit. Über Einsamkeit wird hier nicht gesprochen - und das soll auch so sein.

Dominik Weismayr ist zusammen mit seiner Arbeitskollegin Zoe Körner gekommen. Beide arbeiten als Köche in Münster. "Ich finde einfach, dass es schwierig ist, neue Leute kennenzulernen, wenn man 40 Stunden die Woche arbeitet. Wenn du die Leute nicht in der Schule oder im Studium kennenlernst oder Arbeitskollegen über die Arbeit - wo trifft man denn sonst noch Leute? Deswegen gehe ich gerne zu diesen Treffen", sagt Dominik Weismayr. Gedacht sind die Treffen für junge Menschen - egal ob im Studium oder Job.

Fast die Hälfte aller jungen Erwachsenen fühlt sich einsam

Statistisch gesehen sind alle hier in ihrer Primetime für Einsamkeit. Fast die Hälfte aller 18- bis 35-Jährigen fühlt sich manchmal oder sogar häufig einsam - trotz intakter Familie und Freundesgruppe. Das hat zuletzt eine WDR-Umfrage für Nordrhein-Westfalen ergeben.

Diese Ergebnisse hat die Studentin Chayenne Hepper gesehen und kurzerhand "Gemeinsam gegen Einsam" gegründet. Mitte Dezember fing alles an mit einer WhatsApp-Gruppe. Mittlerweile sind fast 500 Leute dort beigetreten. Alle paar Wochen ist ein gemeinsames Event geplant. Im Februar gibt es eine Klassenfahrt nach Hamburg.

Chayenne Hepper, eine Frau mit brustlangen blonden Haaren im grauen Kapuzenpullover sitzt aufrecht hinter einem Tisch und schaut zwei andere Menschen links neben sich an.

Mit einer WhatsApp-Gruppe hat Chayenne Hepper (r.) die Initiative gegründet

Chayenne Hepper führt einen Instagram-Kanal und es gibt seit kurzem sogar einzelne Untergruppen, um sich für verschiedenste Hobbys zu treffen: Bouldern, Fotografieren, Haustiere, Konzerte, Fitnessstudio, Kegeln, Sprachen lernen. Dass die Idee in so kurzer Zeit so viel Zuspruch findet, hätte die 22-Jährige nie gedacht.

Auf der Suche nach echten Verbindungen

Die Initiative organisiert sich zwar über Social Media, alle dort sind aber auf der Suche nach echten Verbindungen außerhalb vom Smartphone. "Ich glaube, was auf Social Media immer dargestellt wird, dass jeder eine Riesen-Freundesgruppe hat und jeden Tag beschäftigt ist, entspricht bei den wenigsten Leuten der Realität. Und da kann so eine Aktion wunderbar dagegen wirken", sagt Jan Berkemeyer. "Man trifft mal andere Leute. Vor allem auch Leute, die außerhalb seiner eigenen Bubble sind. Und langfristig bessere Freundschaften zu Leuten aufzubauen, wäre natürlich schön."

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 27.01.2026, 19.30 Uhr.