Junge Dortmunderin bringt Nachbarn im Union Salon zusammen
Stand:
Die Nachbarn kennenlernen und sich regelmäßig treffen? Für viele Großstädter eine ungewohnte Vorstellung. Eine junge Dortmunderin will das ändern und hat den Union Salon gegründet. Dort treffen sich Menschen aus dem Viertel zum gemeinsamen Austausch, Plaudern und Essen. Kim Deutschmann stiftet so ein Stück Gemeinschaftsgefühl.
Von Rebecca Hoven und Henrike Utsch (Multimedia)
Langsam füllt sich das Eckhaus im Dortmunder Unionsviertel. Die ersten Anwohnerinnen und Anwohner kommen rein, holen sich Kaffee und Kuchen. Schnell starten die ersten Gespräche am gedeckten Tisch. Mittendrin: Kim Deutschmann. Die 25-Jährige wohnt im Unionsviertel und hat vor einem Jahr gemeinsam mit anderen jungen Menschen den "Union Salon" gegründet, um mit ihren Nachbarn in Kontakt zu kommen.
Was ist Kim Deutschmanns Motivation für den Union Salon?
00:10 Min.. Verfügbar bis 30.03.2027.
Der Union Salon finanziert sich durch Spenden, vor allem am Anfang haben Deutschmann und ihre Mitstreiter aber auch Geld aus eigener Tasche in das Projekt gesteckt. Über ein Jahr haben sie vor der Eröffnung eine alte Kneipe renoviert und so aus dem dunklen Lokal einen einladenden Ort für alle geschaffen: "Das hat schon gedauert, aber das war es wert", findet Deutschmann. Regelmäßig gibt es neue Angebote, vom gemeinsamen Café über Spieleabende bis zum Mädelstreff. Einmal wöchentlich wird auch eine kostenlose Sozialberatung angeboten.
Wir möchten einen Raum schaffen, durch den sich Leute nicht mehr alleine fühlen und wo sie sich selbst organisieren können. Kim Deutschmann
Bis die Nachbarn kamen, hat es zwar gedauert, mittlerweile ist der Union Salon ein Selbstläufer. Viele kommen regelmäßig und bringen sich ein. "Wenn die Leute sagen: 'Ich hab Bock, einen Mundharmonika-Workshop zu machen', dann machen wir hier einen Mundharmonika-Workshop", erklärt Deutschmann.
Ein Ort gegen die Einsamkeit
Deutschmann und ihren Mitstreitenden ist wichtig, dass sich die Nachbarn im Unionviertel besser kennenlernen. Dafür verteilen sie auch selbstgemachte Zeitungen mit Themen aus dem Unionsviertel in der Nachbarschaft. Sie wollen die Leute ins Gespräch bringen. Denn viele Menschen fühlen sich einsam.
Beim Uniondinner kommt die Nachbarschaft zum gemeinsamen Abendessen zusammen
So zeigt das Einsamkeitsbarometer 2024 des BMFSFJ, dass Menschen über 75 Jahre am stärksten von Einsamkeit betroffen sind. Aber auch viele jüngere Menschen gaben an, einsam zu sein. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen lag die Einsamkeitsbelastung bei 14,1 Prozent. Das hat Folgen, denn Einsamkeit führt zu einem erhöhten Risiko für gesundheitliche Probleme und chronische Krankheiten.
Gemeinsamer Kuchen und gemeinsame Zeit
Auch Michael Schroeter kommt regelmäßig in den Union Salon. Jeden Freitag treffen sich die Nachbarn beim Unionstreff auf Kaffee und Kuchen. Essen spendet jeder, so viel wie er kann und möchte. Der 73-jährige Schroeter kommt mit seinem frischgebackenen Kuchen sogar extra aus dem angrenzenden Kreuzviertel rüber.
Am Unionstreff gefällt Schroeter besonders, dass er mit den unterschiedlichsten Leuten ins Gespräch kommt. Ob Fußball, Arbeit oder Politik: "Die Leute sind alle nett. Vor allem junge Leute. Ich war mal in einer alten Gruppe, aber die Themen sind nicht so meine Welt."
Michael Schroeter freut sich über die Gespräche im Unionstreff
00:41 Min.. Verfügbar bis 30.03.2027.
Am Abend verwandelt sich das Café dann in eine Dinnertafel. Hier sitzen Nachbarn, die immer wiederkommen, neben neuen Gesichtern und es wird gemeinsam gegessen. Für die Zukunft haben Deutschmann und die anderen Mitglieder viel geplant: mehr Nachbarschaftsfeste, noch mehr Treffen und vor allem, dass noch mehr Menschen im Unionviertel ihre Nachbarn kennenlernen.
Über dieses Thema haben wir auch am 25.02.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Dortmund, 19.30 Uhr.