Social-Media Aktion der Bahn: Wie lange geht das noch gut?

Aktuelle Stunde 09.10.2025 24:11 Min. Verfügbar bis 09.10.2027 WDR Von Tim Köksalan

Kampagne der Deutschen Bahn mit Anke Engelke: Passt das zusammen?

Stand:

Die Social-Media-Kampagne der Bahn mit Anke Engelke wird massenhaft geteilt. Doch ist die witzige Mini-Serie zu viel des Guten?

Die neue Social-Media-Kampagne der Deutschen Bahn mit Comedienne Anke Engelke als Zug-Chefin sorgt für viel Aufmerksamkeit. In mehreren kurzen Episoden der Mini-Serie unter dem Titel "Boah, Bahn!" nehmen Engelke und ihre Crew viele der Alltagsprobleme in den Zügen ironisch aufs Korn.

Von defekten Türen über verstopfte Toiletten bis hin zu liegengebliebenen Zügen - Engelke und ihren Mitarbeitenden bleibt in den jeweils nur einige Minuten langen Folgen nichts erspart. Bereits in der Vergangenheit hat der Bahn-Konzern mehrere erfolgreiche Kampagnen in ähnlicher Weise präsentiert. Doch wie lange wirken diese noch angesichts der vielen Probleme im Zugbetrieb?

Deutsche Bahn zeigt humorvollen Umgang mit Widrigkeiten

Im Zentrum der jeweils mehrminütigen Folgen steht ein humorvoller Umgang der Bahn-Mitarbeitenden mit Problemen im Zug-Alltag: Bordgastronom Serdar schafft es zum Beispiel in einer Episode, im Bordbistro vielen Reisenden den Wunsch nach einem Kaffee mit abenteuerlichsten Argumenten auszureden, weil nämlich die Kaffeemaschine kaputt ist.

Ein blonde, schwarz gekleidete Frau neben einem großen Plakat, das sie in Bahnkleidung zeigt

Anke Engelke mit Bahnvorstand Michael Peterson

In einer anderen Folge verschüttet Zugchefin Tina - gespielt von Anke Engelke - mehrere Tassen Kaffee, durch ein Gedränge, wegen einer kaputten Tür oder ausgestreckter Beine als Stolperfalle im Gang. Als sie es schließlich schafft, eine Tasse zur Zugführerin zu bringen, will diese keinen Kaffee mehr. Stattdessen genießt Tina den inzwischen kalten Kaffee selbst. Wegen einer - wieder mal - größeren Verspätung ist dafür genug Zeit.

Auch in der Realität versuchen viele Zug-Mitarbeitende auftretenden Problemen mit Humor zu begegnen, zum Beispiel mit amüsanten Durchsagen.

Deutsche-Bahn-Kampagne mit Engelke: Reisende mit geteilter Meinung

Viele Bahnreisende am Düsseldorfer Hauptbahnhof haben durchaus Spaß an den Bahn-Videos, sparen aber trotzdem nicht an Kritik. Eine Frau auf dem Bahnsteig: "Das kommt schon ganz sympathisch rüber, aber es ist auch superlang. Privat hätte ich schon weitergescrollt. Und mir fehlt ein bisschen die Pointe."

Ein älteres Paar, beide mit Brille und in beigen Jacken in der Bahnhofshalle

Reiner Krambröckers findet Selbstironie durchaus gut

Reiner Krambröckers ist mit seiner Frau gerade auf dem Weg zu ihrem Zug: "Es kann nicht schaden, wenn die Bahn ein bisschen selbstironisch ist. Aber noch besser wäre, wenn wir immer pünktlich ankommen würden." Philipp Rott in der Bahnhofshalle sieht die neue Kampagne eher kritisch: "Die Bahn sollte das lieber nicht machen, sondern das Thema ernst behandeln."

Werbefachfrau zur Kampagne der Deutschen Bahn: Kann Bumerang werden

Jutta Wenger von der Düsseldorfer Werbeagentur HWL findet es grundsätzlich gut, öffentliche Sympathieträger wie Anke Engelke für Kampagnen einzuspannen. Die Probleme selbstironisch aufs Korn zu nehmen, sei jedoch "ein schmaler Grat. Das kann auch nach hinten losgehen", so Wenger.

Eine ältere blonde Frau mit schwarzer runder Brille in einem Büro

Werbefachfrau Jutta Wenger

Es bestehe unter anderem die Gefahr, dass sich Bahnreisende, die oft mit den dargestellten Problemen zu kämpfen haben, nicht mehr ernstgenommen fühlten. "Ich würde das nicht machen, werbetechnisch halte ich das für schwierig. Gerade wenn man daraus einen Dauerbrenner macht. Dann müsste die Bahn auch direkt Lösungen anbieten", sagt Wenger.

Anke Engelke: Will der Bahn helfen

Anke Engelke

Anke Engelke fährt viel mit der Bahn

Anke Engelke hatte jedenfalls großen Spaß bei der Arbeit an der Mini-Serie, wie sie am Donnerstag im WDR-Interview erzählte: "Das ist wirklich ein Herzensprojekt. Ich bin vor zwei Jahren auf die Bahn zugegangen und habe gefragt, ob man irgendwie helfen kann." Als regelmäßige Bahn-Fahrerin mache sie sich Sorgen, so Engelke, dass die Mitarbeitenden immer mehr die Freude an ihrem Job verlieren, weil das Image der Bahn so schlecht sei.

"Wenn die deswegen irgendwann aufgeben, wäre das der totale Untergang. Dann ginge nämlich gar nichts mehr", so Engelke weiter. Sie selbst besitzt eine Bahncard 100 und hat in der Vergangenheit in verschiedenen Bereichen der Bahn Praktika absolviert und mitgearbeitet.

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Anke Engelke
  • WDR-Interviews mit Bahnreisenden am Düsseldorfer Hauptbahnhof
  • WDR-Interview mit Jutta Wenger, Werbeagentur HWL
  • Deutsche Bahn
  • Videos der Bahn auf YouTube/Instagram

Über dieses Thema berichten wir am 09.10.2025 auch im WDR Fernsehen in der Aktuellen Stunde, 18.45 Uhr.

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