Die Karriere von Teeniestars ist normalerweise kurz, die von Robbie Williams dauert aber mehr als drei Jahrzehnte. In den 90ern ist Robbie Williams der Bad Boy von Take That, der kommerziell erfolgreichsten Boyband der 90er. Mit gerade einmal 16 Jahren ist er das jüngste und beliebteste Mitglied der Gruppe. Doch das Management will lieber seinen Kollegen Gary Barlow nach vorne stellen.
Robbie tanzt zu dessen Songs, aber fühlt sich eingeengt. Will selbst Songs schreiben und singen, rebelliert, streitet, feiert ein bisschen zu wilde Drogen-Partys. 1995 steigt er schließlich aus - was kaum ein Jahr später dann auch das Aus für Take That bedeutet. Für die am Boden zerstörten Fans der Boyband werden in Deutschland zwischenzeitlich Seelsorge-Hotlines eingerichtet.
Vom Teenie-Idol zum eigenständigen Künstler
Und Robbie? Der wird vom Boyband-Badboy zum eigenständigen Künstler. Das liegt vor allem an seinen wirklich fantastischen Songs, auch wenn er diese wieder nicht alleine schreibt. Besonders erfolgreich ist die Zusammenarbeit mit dem studierten Komponisten und Pianisten Guy Chambers. Zusammen schreiben die beiden die Hymnen "Angels" und "Let me entertain you" und starten so Robbies Karriere als weltweiter Popstar.
Entertainer mit Pathos und Augenzwinkern
Von Anfang an scheint Williams für die großen Stadien geboren. Er ist ein begnadeter Entertainer mit Humor, Timing, Spontanität und Selbstironie, manchmal einem Quäntchen Provokation, und einer immer ungeheuren Energie. Zu alldem noch die Fähigkeit zu großem Pathos - nur bis zum nächsten Augenzwinkern, versteht sich
Das Talent hat er wohl vom Vater, wie man diversen Robbie-Biografien entnehmen kann. Der war Comedian und Varieté-Künstler, und als der kleine Robert Peter Williams am 13. Februar 1974 im englischen Stoke-on-Trent geboren wird, ist ihm das Showtalent damit quasi schon in die Wiege gelegt. Der Vater begeistert seinen Sohn auch für die Musik und den Stil von Swing-Größen wie Frank Sinatra, Sammy Davis Jr. und Dean Martin. Robbie Williams widmet den Klassikern der 50er und 60er Jahre im Verlauf seiner Karriere zwei Cover-Alben, auf denen er auch als Crooner eine ziemlich gute Figur macht
Popstar der Superlative
Mittlerweile ist Williams längst ein Künstler der Superlative: Seine Konzerte, wie die legendären Shows in Knebworth 2003 vor 375.000 Zuschauern, bieten monumentale Live-Unterhaltung. Und neben seinem Rekord von schlappen 18 Brit Awards hat er mit seinem neuen Album "Britpop" einen wirklich historischen Charts-Rekord gebrochen: Er hat jetzt mehr Platz-1-Alben in den britischen Charts als die Beatles.
Zugegeben, Williams ist mittlerweile auch schon deutlich länger im Geschäft. Seine Karriere dauert nun schon 36 Jahre, seine Popularität ist ungebrochen.
Nahbarer Sympathieträger im Rampenlicht
Robbie, das ist der nahbare Sympathieträger: der Superstar, aber auch der ganz normale Kerl von nebenan. Egal ob Erfolge, Drogensucht, Affären, die Hochzeit mit Ayda Field 2010 oder seiner neuen Rolle als Vater von vier Kindern: Immer ist man irgendwie mit dabei. Leidet ein bisschen mit, freut sich für Robbie, gönnt ihm Glück und Erfolg, vielleicht gerade weil er sich nicht scheute, öffentlich über seine Selbstzweifel zu sprechen, über Depressionen und die Flucht in die Drogen.
Kein Durchbruch in Amerika
Und so ist Robbie Williams musikalisch und medial bis heute präsent – sei es durch vielbeachtete Reunions mit Take That, als Juror bei "The X Factor", durch eine recht intime Netflix-Dokumentation oder sein Biopic "Better Man".
Und nun kehrt Robbie Williams wieder nach Deutschland zurück. Gleich zwei Konzerte hintereinander spielt er am 5. und 6. Juni in der Düsseldorfer Merkur-Spiel-Arena. Eigentlich sollte es nur eines sein. Aber das war sofort ausverkauft, also kam schnell ein zweites hinzu. Nur einmal "gigantisch" ist für Robbie einfach zu klein.
Bei all dem Erfolg bleibt dann zum Glück aber doch noch etwas, was dieser Mann nicht geschafft hat: auch in den USA ein Star zu werden. In den USA haben Take That keine nostalgische Fan-Basis, so dass er dort nur ein britischer Sänger unter vielen ist. Vielleicht ist es aber auch nur sein sehr britischer Humor. Im Grunde hat Robbie Amerika aber auch einfach nicht so richtig nötig gehabt. Er hat in Europa bis heute genug zu tun. Dort ist und bleibt er, was er immer sein wollte: der ultimative Entertainer.
Unsere Quellen:
- Meldung des Deutschlandfunk: "Robbie Williams bricht historischen Charts-Rekord"
- Chris Heath: "Feel: Robbie Williams" Rowohlt 2017.
- ARD-Bericht in "titel, thesen, temperamente": "Robbie Williams über ‘Better Man’" (15 .12.2024)
- ARD-Interview bei "Maischberger": “Zwischen Selbstzweifel, Depression und Weltruhm: Robbie Williams im Gespräch” (11.12.2024)
Sendung: WDR 2, Lokalzeit, 05.06.2026, 8:31 Uhr