Großes Interesse an NS-Geschichte : Gedenkstätten verzeichnen deutlich mehr Besuche und Anfragen
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Das NS-Dokumentationszentrum Köln, die NS-Dokumentation Vogelsang und die Ge-Denk-Zellen Altes Rathaus Lüdenscheid - auch in NRW besteht ein großes Interesse an Ausstellungen und Veranstaltungen zur NS-Zeit. Zudem stiegen die Anfragen zur Geschichte von Familienmitgliedern.
Das schildert zum Beispiel der Arbeitskreis "Ge-Denk-Zellen Altes Rathaus Lüdenscheid". Vor allem junge Leute interessierten sich demnach für eine Ausstellung über die Verfolgung von Homosexualität in der Nazi-Zeit. Aber auch eine Lesung des Journalisten Lorenz Hemicker aus "Mein Großvater, der Täter" Ende April (2026) sei auf sehr großes Interesse gestoßen.
Schulen schätzen Burg Vogelsang
Die Burg Vogelsang - eine ehemalige NS-Ordensburg - beobachtet ebenso ein gestiegenes Interesse. Insbesondere unter Schülerinnen und Lehrern. Zuletzt habe etwa das Kollegium einer Schule aus Aachen die Burg besucht. Der Ort diente einst als NS-Schulungsstätte für den Nachwuchs der NSDAP. Grund für das gestiegene Interesse sei der gewachsene Antisemitismus an Schulen, heißt es in der Pressestelle der Burg Vogelsang. Gerade deshalb erachteten es Lehrerinnen und Lehrer für wichtiger denn je, über die Geschichte des Nationalsozialismus aufzuklären und mit ihren Schulklassen in die Eifel zur Gedenkstätte zu kommen.
Mehr Anfragen beim NS-DOK in Köln
Einen ähnlichen Trend beobachtet auch das NS-DOK in Köln. Hier habe es vor allem mehr Anfragen zur Geschichte von Familienangehörigen gegeben. Dabei fragen Enkel oder Urenkel inzwischen nicht mehr nur nach dem Schicksal von Opfern der NS-Verfolgung, sondern stärker auch nach der Geschichte der Täter. Sie wollen nicht nur wissen, ob ihre Großeltern Mitglieder in der NSDAP gewesen sind. Vielmehr interessiert es viele, welche Verbrechen die Angehörigen möglicherweise während des Nationalsozialismus begangen haben oder wie sich deren Verhalten geschichtlich einordnen lässt. Einige Historikerinnen und Historiker im NS-DOK Köln untersuchen solche Anfragen und helfen dabei, die Vergangenheit der Täter aufzudecken.
Arolsen Archives bestätigt Trend
Das Interesse an der Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung ist auch nach Angaben der Arolsen Archives stark gestiegen. Das Archiv im nordhessischen Bad Arolsen bewahrt Dokumente zu verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes. Der neue Direktor Moritz Wein sagte dem WDR, das Archiv habe im letzten Jahr 20 Prozent mehr Anfragen erhalten. Auch in diesem Jahr sei die Zahl der Anfragen bereits hoch. Besonders Angehörige und Nachkommen von NS-Verfolgten suchten nach Informationen über ihre Familiengeschichte.
Digitalisierung macht Recherche leichter
Die Gen-Z hat ein erhöhtes Interesse an Geschichte und stellt Fragen viel unvoreingenommener als vorangegangene Generationen. Moritz Wein, Leiter der Arolsen Archives
Warum kommen diese Anfragen gerade jetzt? Ein Grund sei - so Moritz Wein - die Digitalisierung. Sie mache die Anfragen einfacher. Zudem sei das Thema NS-Verfolgung in vielen Ländern gerade sehr präsent in den Medien. Eine Studie der Arolsen Archives habe zudem gezeigt, dass sich Jugendliche stärker für die Geschichte der NS-Verfolgung interessierten als frühere Generationen. Insbesondere die sogenannte Gen-Z gehe an das Thema unvoreingenommener ran als andere Generationen.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Moritz Wein von Arelson Archives
- NS-Dokumentationszentrum Köln
- Ge-Denk-Zellen Altes Rathaus Lüdenscheid
- NS-Dokumentation Vogelsang
Sendung: WDR 3 Resonanzen, 18.05.2026, 18.15 Uhr