Donovan – Folk, Frieden, Flower Power

Von Ingo Neumayer

Er reiste nach "Atlantis" und verurteilte den "Universal Soldier", er meditierte mit den Beatles und fing Ratten in Rothenburg: Donovan, der Sänger mit dem sanften Timbre. Am 10. Mai 2026 feiert er seinen 80. Geburtstag.

Sänger Donovan mit Gitarre im Wald

Sanfte Stimme, kräftige Locken und ein stets etwas entrückter Blick, mit dem er das Gute im Menschen ins Visier nimmt: So kennt man Donovan seit Mitte der 60er Jahre. Geboren wurde der schottische Sänger am 10. Mai 1946 als Donovan Leitch.

Sänger Donovan 1966

Seine Anfänge als Musiker sind holprig: Mit 16 haut Donovan von zu Hause ab und schlägt sich als Straßenmusiker durch. Die Gagen damals? Hier ein warmes Essen, dort eine Übernachtungsmöglichkeit.

Sänger Donovan, 1975 bei einem Auftritt

Doch bald schon ist Donovan ein Teil der aufblühenden britischen Folk-Szene. Talentscouts werden auf ihn aufmerksam, 1965 bringt er sein erstes Album heraus: "What's Bin Did And What's Bin Hid".

Sänger Donovan am Strand, 1961

Mit sanft-besinnlichen Nummern wie "Catch The Wind", "Colours" oder "Universal Soldier" trifft er direkt den Nerv der Zeit und landet auf Anhieb mehrere Hits. Zu Beginn seiner Karriere wird Donovan allerdings noch oft als Dylan-Nachahmer abgetan – manche Medien versuchen, einen Konkurrenzkampf zwischen den beiden heraufzubeschwören.

Sänger Donovan, 1965 mit Mundharmonika und Gitarre

Tatsächlich finden sich viele Parallelen: Vom reduzierten Folk-Sound über die ähnlichen musikalischen Wurzeln wie Woody Guthrie bis zu den mal poetisch-persönlichen, mal politisch-pazifistischen Texten. Selbst der Look der beiden ähnelt sich phasenweise.

Donovan blickt in die Kamera mit einem Telefonhörer in der Hand

Und genau wie Dylan macht auch Donovan eine "elektrische Wende" durch. Mit dem 1966 erschienenen Album "Sunshine Superman" verabschiedet er sich von der reinen Folklehre und verarbeitet Einflüsse aus Rock, Jazz, Weltmusik und Psychedelic. Donovan gilt als einer der wichtigsten europäischen Akteure der aufkommenden Hippie-Ära.

Sänger Donovan und David John Mills, 1966

Donovan meditiert, sinniert und erweitert sein Bewusstsein mit allerhand Substanzen. 1966 werden er und sein Freund Gyp Mills mit Hasch erwischt. Eine zweifelhafte Ehre: Nicht Lennon, Jagger oder Richards, nein – Donovan ist der erste englische Popstar, der wegen Drogenkonsums vor Gericht erscheinen muss.

Sänger Donovan mit Jimi Hendrix, 1968

Mit Hits wie "Atlantis" oder "Hurdy Gurdy Man" etabliert sich Donovan Ende der 1960er endgültig unter den Topstars seiner Ära. Er plant Projekte mit Jimi Hendrix (li.), jammt mit Eric Clapton und Jimmy Page und bringt Paul McCartney und John Lennon spezielle Gitarrengriffe bei.

Beatles, Donovan und Mia Farrow bei Maharishi Mahesh Yogi

Apropos Beatles: Als die Fab Four 1968 nach Indien reisen, um sich von Maharishi Maresh Yogi in die Geheimnisse der transzendentalen Meditation einweihen zu lassen, ist auch Donovan Teil der Entourage.

Sänger Donovan

Tatsächlich scheint die Zeit im Ashram nachhaltig gewirkt zu haben: Donovan wird zum Flower-Power-Posterboy, seine Platten geraten immer esoterischer, spiritueller und experimenteller – und haben doch eine Botschaft: Wenn die Menschen in ihrem Inneren die Liebe finden, wird alles gut werden.

Sänger Donovan als "der Rattenfänger von Hameln", 1971

In den 70er Jahren verblasst Donovans Stern etwas. Also probiert er sich als Schauspieler: 1972 spielt er neben Hollywood-Stars wie John Hurt und Donald Pleasence den "Rattenfänger von Hameln". Gedreht wird der Film übrigens im pittoresken Rothenburg ob der Tauber.

Sänger Donovan

Spätestens mit dem Beginn der Punk-Ära ist Donovan abgemeldet. Sanfte Melodien und warme Worte über den Kosmos will in den späten 70ern und 80ern keiner mehr hören. Seine Platte "Neutronica" (1980), die sich zu poppigen Synthesizer-Sounds mit den Gefahren der Neutronenbombe beschäftigt, wird weder in den USA noch in seiner Heimat Großbritannien veröffentlicht.

Sänger Donovan 2001 bei einem Auftritt mit der Band No Angels

Nach einer längeren Pause nimmt Donovan 1996 mit Star-Produzent Rick Rubin die Platte "Sutras" auf. Rubin hatte kurz zuvor Johnny Cashs Karriere wiederbelebt und ihm zu einem viel beachteten Comeback verholfen. Doch was bei dem "Man In Black" klappte, bleibt Donovan verwehrt. "Sutras" floppt, und stattdessen muss er mit den "No Angels" auftreten.

 Donavan auf einem Konzert auf dem Reeperbahnfestival am 24.09.2010 in den Fliegenden Bauten in Hamburg

Doch Donovan lässt sich nicht beirren. Er spielt weiter engagierte Auftritte für seine treuesten Fans – die dann im Laufe des neuen Jahrtausends tatsächlich wieder mehr werden. Bands wie Mumford & Sons, Fleet Foxes oder City & Colour berufen sich auf seine Frühwerke, junge Musikliebhaber ergründen die erstaunliche stilistische Vielfalt seiner zahlreichen Alben.

Donovan Live in der Laeiszhalle in Hamburg, 2016

Vor allem in Deutschland hat Donovan nach wie vor viele Fans. Kurz vor seinem 70. Geburtstag geht er 2016 auf eine ausgedehnte Tour, begeistert mit einem Best-Of-Programm und den Donovan-typischen Gesten und Posen. Selbst den Schneidersitz kriegt er noch hin – auch wenn die Knie nicht mehr ganz so weit runter wollen ...

Sänger Donovan bei einem Auftritt 2025 in London

Inzwischen lässt es Donovan etwas ruhiger angehen: Statt großer Welttourneen beschränkt sich der Songwriter, der in Irland lebt, auf kleinere Konzerte in der Umgebung. Seinen 80. Geburtstag begeht Donovan mit einem Konzert im beschaulichen Ballycotton, einem 500-Seelendorf an der irischen Südküste.

Sanfte Stimme, kräftige Locken und ein stets etwas entrückter Blick, mit dem er das Gute im Menschen ins Visier nimmt: So kennt man Donovan seit Mitte der 60er Jahre. Geboren wurde der schottische Sänger am 10. Mai 1946 als Donovan Leitch.

Seine Anfänge als Musiker sind holprig: Mit 16 haut Donovan von zu Hause ab und schlägt sich als Straßenmusiker durch. Die Gagen damals? Hier ein warmes Essen, dort eine Übernachtungsmöglichkeit.

Doch bald schon ist Donovan ein Teil der aufblühenden britischen Folk-Szene. Talentscouts werden auf ihn aufmerksam, 1965 bringt er sein erstes Album heraus: "What's Bin Did And What's Bin Hid".

Mit sanft-besinnlichen Nummern wie "Catch The Wind", "Colours" oder "Universal Soldier" trifft er direkt den Nerv der Zeit und landet auf Anhieb mehrere Hits. Zu Beginn seiner Karriere wird Donovan allerdings noch oft als Dylan-Nachahmer abgetan – manche Medien versuchen, einen Konkurrenzkampf zwischen den beiden heraufzubeschwören.

Tatsächlich finden sich viele Parallelen: Vom reduzierten Folk-Sound über die ähnlichen musikalischen Wurzeln wie Woody Guthrie bis zu den mal poetisch-persönlichen, mal politisch-pazifistischen Texten. Selbst der Look der beiden ähnelt sich phasenweise.

Und genau wie Dylan macht auch Donovan eine "elektrische Wende" durch. Mit dem 1966 erschienenen Album "Sunshine Superman" verabschiedet er sich von der reinen Folklehre und verarbeitet Einflüsse aus Rock, Jazz, Weltmusik und Psychedelic. Donovan gilt als einer der wichtigsten europäischen Akteure der aufkommenden Hippie-Ära.

Donovan meditiert, sinniert und erweitert sein Bewusstsein mit allerhand Substanzen. 1966 werden er und sein Freund Gyp Mills mit Hasch erwischt. Eine zweifelhafte Ehre: Nicht Lennon, Jagger oder Richards, nein – Donovan ist der erste englische Popstar, der wegen Drogenkonsums vor Gericht erscheinen muss.

Mit Hits wie "Atlantis" oder "Hurdy Gurdy Man" etabliert sich Donovan Ende der 1960er endgültig unter den Topstars seiner Ära. Er plant Projekte mit Jimi Hendrix (li.), jammt mit Eric Clapton und Jimmy Page und bringt Paul McCartney und John Lennon spezielle Gitarrengriffe bei.

Apropos Beatles: Als die Fab Four 1968 nach Indien reisen, um sich von Maharishi Maresh Yogi in die Geheimnisse der transzendentalen Meditation einweihen zu lassen, ist auch Donovan Teil der Entourage.

Tatsächlich scheint die Zeit im Ashram nachhaltig gewirkt zu haben: Donovan wird zum Flower-Power-Posterboy, seine Platten geraten immer esoterischer, spiritueller und experimenteller – und haben doch eine Botschaft: Wenn die Menschen in ihrem Inneren die Liebe finden, wird alles gut werden.

In den 70er Jahren verblasst Donovans Stern etwas. Also probiert er sich als Schauspieler: 1972 spielt er neben Hollywood-Stars wie John Hurt und Donald Pleasence den "Rattenfänger von Hameln". Gedreht wird der Film übrigens im pittoresken Rothenburg ob der Tauber.

Spätestens mit dem Beginn der Punk-Ära ist Donovan abgemeldet. Sanfte Melodien und warme Worte über den Kosmos will in den späten 70ern und 80ern keiner mehr hören. Seine Platte "Neutronica" (1980), die sich zu poppigen Synthesizer-Sounds mit den Gefahren der Neutronenbombe beschäftigt, wird weder in den USA noch in seiner Heimat Großbritannien veröffentlicht.

Nach einer längeren Pause nimmt Donovan 1996 mit Star-Produzent Rick Rubin die Platte "Sutras" auf. Rubin hatte kurz zuvor Johnny Cashs Karriere wiederbelebt und ihm zu einem viel beachteten Comeback verholfen. Doch was bei dem "Man In Black" klappte, bleibt Donovan verwehrt. "Sutras" floppt, und stattdessen muss er mit den "No Angels" auftreten.

Doch Donovan lässt sich nicht beirren. Er spielt weiter engagierte Auftritte für seine treuesten Fans – die dann im Laufe des neuen Jahrtausends tatsächlich wieder mehr werden. Bands wie Mumford & Sons, Fleet Foxes oder City & Colour berufen sich auf seine Frühwerke, junge Musikliebhaber ergründen die erstaunliche stilistische Vielfalt seiner zahlreichen Alben.

Vor allem in Deutschland hat Donovan nach wie vor viele Fans. Kurz vor seinem 70. Geburtstag geht er 2016 auf eine ausgedehnte Tour, begeistert mit einem Best-Of-Programm und den Donovan-typischen Gesten und Posen. Selbst den Schneidersitz kriegt er noch hin – auch wenn die Knie nicht mehr ganz so weit runter wollen ...

Inzwischen lässt es Donovan etwas ruhiger angehen: Statt großer Welttourneen beschränkt sich der Songwriter, der in Irland lebt, auf kleinere Konzerte in der Umgebung. Seinen 80. Geburtstag begeht Donovan mit einem Konzert im beschaulichen Ballycotton, einem 500-Seelendorf an der irischen Südküste.

Stand: 10.05.2026, 00:00 Uhr